Am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens steht das Licht. Bei der Geburt erblicken wir das Licht der Welt, kurz vor dem Tod sehen wir – so berichten Menschen mit Nahtoderfahrung – ein helles, anziehendes Licht. Lange Zeit war das Licht für die Menschheit ein Mysterium. In der Philosophie ist es eine Metapher für Wahrheit und Wissen. In der Religion steht es für Erlösung, Reinheit und Erleuchtung. Die Bedeutung des Lichts unterstreichen viele Redewendungen und Bibelzitate.
In verschiedenen Kulturen und Epochen glaubte man, Augen würden ähnlich wie Scheinwerfer funktionieren, indem sie ihre Umgebung bestrahlen. Im 17. Jahrhundert konnte der dänische Astronom Ole Römer anhand der Jupitermonde die endliche Geschwindigkeit des Lichts nachweisen. In der gleichen Zeit mehrten sich die Anzeichen, dass sich das Licht in elektromagnetischen Wellen ausbreitet.
Heute weiss man: Das für Menschen sichtbare Licht ist eine elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge von 380 bis 780 Nanometer. Unterhalb dieses Bereiches liegt das ultraviolette, oberhalb das infrarote Licht. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt rund 300 000 Kilometer pro Sekunde. In einem Jahr legt das Licht 9460 Billionen Kilometer zurück.
Über 80 Prozent aller Informationen nehmen Menschen ohne Seheinschränkungen über die Augen auf.
Lichtempfindliche Stäbchen auf der Netzhaut sind für das Hell-Dunkel-Empfinden verantwortlich. Drei Typen von Zapfen erkennen die Wellenlänge des Lichts und damit die Farben. Ab dem 40. Lebensjahr verkleinert sich der Pupillendurchmesser. Augenlinse, Hornhaut und Glaskörper werden weniger lichtdurchlässig.
Weil vor allem der blaue Spektralbereich davon betroffen ist, wird auch die Wahrnehmung der Farben eingeschränkt. Mit zunehmendem Alter kann die Sehkraft als Folge verschiedener Krankheiten (zum Beispiel Star) weiter abnehmen. Die Auswirkungen dieser Alterserscheinungen und Krankheiten werden gerne unterschätzt.
Im Vergleich zu einem gesunden 20-Jährigen benötigt ein 60-Jähriger die dreifache und ein 85-Jähriger die fünffache Lichtmenge für das gleiche Sehergebnis.
Bei schwachem Licht sind demnach ältere Menschen anfälliger auf Unfälle, psychische Beschwerden (zum Beispiel Ängste oder Depressionen) und Schlafstörungen. Wer mit alten Menschen zusammen ist, sollte sich dessen bewusst sein und die Beleuchtung nicht nach dem eigenen Empfinden herunter dimmen.

Licht steuert den Tagesrhythmus (circadianer Rhythmus) der Menschen – diese Funktion ist seit den 1960er-Jahren bekannt. Erst vor etwas mehr als zehn Jahren fanden Forscher zusätzlich zu den Stäbchen und Zapfen eine dritte Art von Fotorezeptoren, die vor allem auf blaues Licht empfindlich reagieren. Sie spielen eine wichtige Rolle im Wach- und Schlafrhythmus.
Diese Fotorezeptoren geben Informationen über den Sehnerv ans Hirn weiter. Dort steuert die innere Uhr die Ausschüttung des Müdemachers Melatonin in der Zirbeldrüse, die sich im Zwischenhirn befindet.
Wenn die Fotorezeptoren viel Licht ausgesetzt sind, wird die Ausschüttung von Melatonin unterdrückt. Als Folge davon ist der Mensch wach und aufmerksam.
Nachts ist die Melatonin-Konzentration im menschlichen Körper zehnmal höher als tagsüber. Ihren Höhepunkt erreicht sie um drei Uhr in der Nacht. Die Melatonin-Konzentration hat ausserdem einen wesentlichen Einfluss auf den Blutdruck und die Regulierung der Körpertemperatur.