Corona und Hygiene

«Ich empfinde das Einkaufen als stressig»

Beim Einkaufen sollte man einen Mundschutz tragen und Desinfektionsmittel in der Tasche haben.
Beim Einkaufen sollte man einen Mundschutz tragen und Desinfektionsmittel in der Tasche haben. Bild PD

Die Hygiene-Professorin Frauke Mattner trägt beim Einkaufen einen Mundschutz. Sie ärgert sich über andere Kunden, die sich nicht an die Regeln halten wollen oder können.

Von Felicitas Witte

alzheimer.ch: Frau Mattner, sollen wir beim Einkaufen Handschuhe und Maske tragen?

Frauke Mattner: Von Handschuhen halte ich nichts. Man müsste sie nach dem Einkaufen so vorsichtig ausziehen wie ein Chirurg nach einer Operation, damit man allfällige Viren auf der Oberfläche nicht weiter verbreitet. Das ist im Alltag kaum machbar.

Je länger man sie benutzt, desto durchlässiger werden sie, so dass man dann die Erreger direkt auf den Händen hat. Ausserdem kann man sich auch mit Gummihandschuhen ins Gesicht fassen und die Viren damit übertragen.

Also lieber Maske?

Ein Mundschutz hilft, dass man andere Menschen nicht ansteckt. Ist man krank und hat die Viren im Rachen, schleudert man beim Husten Tausende von Viren in die Luft. Das gilt auch, wenn man infiziert ist, aber keine Symptome hat. Die Viren könnten dann zum Beispiel auf den Griffen von Einkaufswägen landen.

Eine Maske schützt aber auch einen selbst: Sie verhindert, dass man sich mit den Händen, auf denen möglicherweise Viren sind, in das Gesicht fasst und die Viren in Nase- oder Mundschleimhäute gelangen könnten.

Die Studien geben aber kein klares Bild ab, ob die Masken wirklich nützen. Abgesehen davon besteht die Gefahr, dass sich Menschen mit Masken in falscher Sicherheit wiegen und Händewaschen und Abstand halten vergessen. Was sagen Sie dazu?

Ob Masken zur Verhinderung von Übertragungen von SARS CoV-2 sicher schützen, wird sich erst im Verlauf der Pandemie sicher zeigen. Es sind Einzelfälle beschrieben, bei denen Infizierte beim Tragen einer Maske in abgeschlossenen Räumen niemanden ansteckten. Ohne Maske steckten die Infizierten aber mehrere Personen an. 

Frauke Mattner.
Frauke Mattner. Bild PD

Einzelfallberichte rechtfertigen aber noch keine Maskenpflicht oder keine generelle Empfehlung für Masken.

Der Einzelfall «aus dem Flugzeug abspringen ohne Fallspringen ist tödlich» benötigt keine Studien, um die Wirksamkeit eines Fallschirms nachzuweisen. So ähnlich sehe ich die Kenntnislage, wenn man hustend mit Mundschutz niemanden ansteckt, ohne aber mehrere Personen.

Wissen durch eine Studie zu schaffen, in denen man einem Teil der Bevölkerung das Tragen von Masken verbietet, andere aber dazu nötigt, halte ich für ethisch nicht vertretbar. Solch eine Studie wird es niemals geben. Bedeutet das also: Keine Studien – keine Empfehlung?

In der jetzigen Situation sehen wir, dass wir noch immer hohe Ansteckungsraten haben. Also müssen wir zu unseren Abstandsregeln weitere Massnahmen kombinieren, damit die Epidemie in sich zusammenfallen kann. Abgesehen davon ist aus Erfahrungen mit anderen Tröpfcheninfektionen bekannt, dass in umschriebenen Ausbruchssituationen eine generelle Maskenpflicht einen Ausbruch schnell unter Kontrolle bringt.

Von anderen Infektionen können wir aber nicht auf Covid-19 schliessen.

Selbstverständlich kann man gewisse Parallelen zwischen verschiedenen Erregern ziehen, die über Tröpfchen übertragen werden. Bei Tuberkulose zum Beispiel schützt eine Maske, dass die Erreger nicht auf andere übertragen werden.

Tuberkulose ist wahrscheinlich leichter übertragbar als SARS-CoV2. Das gleiche trifft für die Grippeviren zu, die auch über Tröpfchen übertragen werden. Aber natürlich darf man die anderen Hygienemassnahmen nicht vergessen.

Können Sie uns die noch einmal sagen, bitte?

Nur eine Kombinationen aller drei Massnahmen wird eine optimale Wirkung zeigen. Also erstens Masken, zweitens Abstand von zwei Metern und drittens Händewaschen oder -desinfizieren. Das ist vor allem wichtig, wenn man in Kontakt mit anderen Menschen ist wie im Supermarkt. Ich empfinde Einkaufen in der letzten Zeit als ziemlich stressig.

Warum?

Manche Kunden scheinen überhaupt nicht verstanden zu haben, dass wir die Infektion aufhalten können und daher Abstand halten müssen. Bei anderen habe ich den Eindruck, die können das schlichtweg gar nicht.

Denen kann man im Supermarkt gar nicht ausweichen – ständig muss man sich umschauen.

Auf dem Land in einem Dorf-Supermarkt mag das vielleicht anders sein, aber hier in der Stadt ist das schon arg stressig. Wie man sicher einkauft, sollte über die Medien und auch durch Plakate in den Läden verständlich dargestellt werden.

Was empfehlen Sie?

Mundschutz auf – das kann auch ein Schal oder ein Tuch sein. Möglichst dann einkaufen, wenn der Laden leer ist, rasch einkaufen und sich am Ende die Hände desinfizieren. Man weiss nie, ob die Supermärkte mit Desinfektionsmittel ausgestattet sind. Ich habe deshalb immer eines in meiner Handtasche.

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«Handschuhe vermitteln falsche Sicherheit»

Man sollte natürlich auch peinlich darauf achten, sich nicht ins Gesicht zu fassen und nicht den Mundschutz zurechtzurücken. Dieser soll während des gesamten Einkaufens Mund und Nase bedecken und nach dem Einkaufen so abgenommen werden, dass man nicht mit den Händen Mund oder Nase berührt.

Die Maske sollte dann in einer Tüte landen und danach gewaschen und gebügelt werden. Zu Hause wasche ich mir dann noch einmal gründlich die Hände. Etwas Gutes hat die Krise aber.
 
Was denn?

Wir sagen seit Jahren, dass man sich regelmässig die Hände waschen oder desinfizieren soll, Abstand halten, in die Ellenbeuge husten und allenfalls einen Mundschutz tragen soll – zur Verhinderung der Grippe und von Erkältungskrankheiten.

Es kam aber nie wirklich bei der Bevölkerung an. Jetzt scheinen die viele Menschen endlich verstanden zu haben, dass einfache hygienische Massnahmen ausreichen, um Tausende von Infektionen zu verhindern – sei es Covid-19, Grippe oder lästige Erkältungskrankheiten.

Prof. Frauke Mattner ist Lehrstuhlinhaberin des Lehrstuhls Hygiene und Umweltmedizin der Universität Witten-Herdecke und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie.

So wird das neue Coronavirus hauptsächlich übertragen

  • Bei engem und längerem Kontakt: Wenn man zu einer erkrankten Person weniger als zwei Meter Abstand hält.
  • Durch Tröpfchen: Niest oder hustet die erkrankte Person, können die Viren direkt auf die Schleimhäute von Nase, Mund oder Augen von anderen Menschen gelangen.
  • Über die Hände: Ansteckende Tröpfchen gelangen beim Husten und Niesen auf die Hände. Oder man berührt eine Oberfläche, auf denen sich Viren befinden. Sie gelangen an Mund, Nase oder Augen, wenn man diese berührt.

So schützen wir uns vor dem Coronavirus

  • Abstand von mindestens zwei Metern halten
  • Hände gründlich waschen/desinfizieren
  • Händeschütteln und andere Körperkontakte vermeiden
  • In Taschentuch oder Armbeuge husten und niesen
  • Zu Hause bleiben
  • Nur nach telefonischer Anmeldung zum Arzt oder ins Spital gehen

(Quelle: Bundesamt für Gesundheit)

→ Hier geht es zu den detaillierten Emfpehlungen des Bundesamtes für Gesundheit.

 

 

erschienen: 13.04.2020

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