Digitalisierung und Alter

«Ohne Internet sind wir weg vom Fenster»

Viele wünschen sich Unterstützung durch eine Kontaktperson, die telefonisch erreichbar ist.
Viele wünschen sich Unterstützung durch eine Kontaktperson, die telefonisch erreichbar ist. Bild PD

Geldautomaten, E-Banking oder Einkaufen im Internet: Die Digitalisierung schreitet stetig voran, der persönliche Kundenkontakt geht zunehmend verloren – gerade für ältere Menschen ist das oft eine schwierige Umstellung.

Von Fachhochschule St. Gallen

Erste Erkenntnisse einer Studie der Fachhochschule St. Gallen zeigen, dass Self-Service-Technologien für viele ältere Menschen «bereits Gewohnheit geworden sind» – die meisten Studienteilnehmenden nutzen eine oder mehrere digitale Dienstleistungen: Bank-/Geldautomaten (68%), Internet als Informationsquelle (68%) und E-Banking (48%) gehören zum Alltag dazu.

Selten genutzt werden hingegen Einkaufsmöglichkeiten von Lebensmitteln via Internet, automatisierte Poststellen und Self-Scanning im Supermarkt.

Befragung

Das Interdisziplinäre Kompetenzzentrum Alter der Fachhochschule St.Gallen unter der Leitung von Sabina Misoch hat 535 Personen 65 + aus der Deutschschweiz zu ihren Erfahrungen und Empfindungen bei der Nutzung von digitalen Dienstleistungen befragt. Die Befragten haben ein Durchschnittsalter von 72,7 Jahren, die älteste Person ist 96 Jahre alt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus 19 Kantonen der Schweiz (28% aus St.Gallen, 20% aus Zürich, 13% aus Graubünden). Die meisten sind verheiratet (62%) und wohnen in einem privaten Haushalt (95%).

Die meisten Befragten schätzen die Zeitunabhängigkeit, Schnelligkeit und Effizienz digitaler Dienstleistungen. Zur Frage, wie sie sich bei deren Nutzung fühlen, antworteten 28 Prozent, dass sie sich sehr wohl fühlen und 43 Prozent eher wohl. Die restlichen Befragten fühlen sich eher unwohl (20%) oder sehr unwohl (5%). Knapp die Hälfte der Befragten gab an, sich fähig zu fühlen, solche Dienstleistungen zu nutzen.

Die Studie zeigt, dass Self-Service-Technologien zwar zum Alltag von Seniorinnen und Senioren gehören, doch empfinden 64 Prozent der Befragten einen gewissen Druck, digitale Dienstleistungen nutzen zu müssen.

In der Befragung gab es dazu viele Rückmeldungen wie «Wir Alten sind ohne Internet weg vom Fenster» oder «Wir werden gezwungen, digitale Dienstleistungen zu nutzen, ob wir wollen oder nicht».

Viele teilen die Befürchtung, dass Nicht-Nutzer benachteiligt werden und die meisten Befragten (75%) gaben an, dass ihnen der zwischenmenschliche Kontakt bei der Nutzung digitaler Dienstleistungen fehlt. Viele wünschen sich Unterstützung – zum Beispiel durch eine Kontaktperson, die telefonisch erreichbar ist.

Mehrere Studienteilnehmende sind auch für andere Formen der Unterstützung offen, wie zum Beispiel Einführungskurse per Podcast.

 

 

 

erschienen: 05.09.2017

Kommentare