Mythen & Legenden

Was alles gegen Demenz helfen soll

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Seit der klinischen und pathologischen Erstbeschreibung der Alzheimerdemenz als «einer eigenartigen Erkrankung der Hirnrinde» 1906 durch ihren Namensgeber Alois Alzheimer hat sich sowohl die Zahl der medizinisch-wissenschaftlichen Arbeiten als auch die Menge der Beiträge in der populären Literatur rasant und in den letzten Jahren sogar exponenziell vervielfältigt. Trotz aller Forschungsbemühungen ist für die Entwicklung einer Alzheimerdemenz nach wie vor das Alter der wichtigste bekannte Risikofaktor.

Von Michael Gagesch

Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die in den meisten Ländern der Welt immer weiter steigende Lebenserwartung, ist die damit gleichzeitig verbundene wachsende Anzahl von Demenzbetroffenen die verhängnisvolle Kehrseite unserer zunehmenden Langlebigkeit. Denn in Bezug auf die Demenzerkrankungen hat die moderne westliche Schulmedizin, anders als bei den meisten Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bisher kaum klinisch relevante Fortschritte für die Betroffenen erzielen können.

Buchtipp

Der hier veröffentlichte Beitrag «Was alles gegen Demenz helfen soll» von Michael Gagesch ist ein ungekürzter Beitrag aus dem Buch «demenz. – Fakten, Geschichten, Perspektiven» von Irene Bopp-Kistler. Namhafte Experten nennen die bisher bekannten Fakten beim Namen und erläutern, was es damit auf sich hat. Betroffene und Angehörige berichten von «ihrer» Demenz und was sie mit ihrem Leben macht. Renommierte Autoren vermitteln Perspektiven auf sozial-politischer, medizinischer, vor allem aber menschlicher und spiritueller Ebene, wie wir dieser Krankheit und den Betroffenen respektvoll begegnen können. Erschienen im April 2016 im Verlag Rüffer & Rub, Zürich, 650 Seiten, CHF/€ 48.

Da die Alzheimerdemenz inzwischen als eine der sechs häufigsten Todesursachen in den USA gilt und ähnliche Zahlen wohl auch für Europa angenommen werden können, wundert es kaum, dass neben dem steigenden Druck auf der Suche nach einem Durchbruch in der Therapie auch das Interesse an alternativen Therapieoptionen sehr groß ist und stetig zuzunehmen scheint.

Den Betroffenen und ihren Angehörigen steht durch die digital-mediale Revolution des Internetzeitalters mittlerweile eine nahezu unüberschaubare Fülle an frei zugänglichen Informationen über die meisten Aspekte der Erkrankung jederzeit und fast überall zur Verfügung. Die Qualität einzelner Beiträge aus dieser Informationsflut und der Hintergrund ihrer jeweiligen Verfasser lässt sich dabei für den Einzelnen kaum überprüfen.

Dennoch hat diese Entwicklung einen enormen und wohl nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die alltägliche Arzt-Patienten-Beziehung. Mussten viele Patienten früher noch weitgehend dem medizinischen Wissen und den diagnostischen und therapeutischen Kunstfertigkeiten der sie behandelnden Ärzte blind vertrauen, begegnen sich heute die Betroffenen und ihre Behandler im Kontext einer gemeinsam nach der besten und individuellen Behandlung strebenden Arzt-Patienten-Beziehung.

Wie in vielen anderen Bereichen unseres Lebens wollen wir dabei als Betroffene unser eigenes Schicksal weniger den Launen einer höheren Macht, dem Zufall oder auch den individuellen Fähigkeiten einer einzelnen Fachperson überlassen.

Das Alter ist als Risikofaktor unvermeidbar – viele andere Faktoren sind es jedoch nicht.

Und so gilt oft auch bei einer Demenzerkrankung der Grundsatz des Strebens nach einer Optimierung der Lebens- und Krankheitsumstände unter Einbeziehung alles heute Machbaren als erstrebenswertes Prinzip. Dies schließt die Suche nach einer Erweiterung des klassischen schulmedizinischen Angebots der Haus- und Fachärzte um alternative Therapien und paramedizinische Angebote ein.

Wie geht gesundes Altern?

Gesundheit ist kein an sich konsumierbares Gut und eine maximale Therapie ist nicht immer gleichzusetzen mit einer optimalen Behandlung. Dennoch, der moderne Gesundheitsmarkt ist einer der Bestandteile unseres marktwirtschaftlichen Gesellschaftssystems mit dem größten Wachstum. Unter dem Stichwort «gesundes Altern» (engl. healthy aging) wächst das Angebot an Gesundheitsprodukten, Ratgebern und Kursen – insbesondere auch an präventiven Maßnahmen und Lebensstil-Interventionen zur Vorbeugung von Demenzerkrankungen – ähnlich der Vorbeugung bei Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen massiv.

Im Gegensatz zu den beiden letztgenannten Krankheitsgruppen sind aufgrund des aktuell noch begrenzten Wissens um potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung von Demenzerkrankungen die verfügbaren vorbeugenden und auch frühtherapeutischen Ansätze noch spärlich.

So unterschiedlich und vielgestaltig wir Menschen als Individuen sind, verläuft auch unser Alterungsprozess nach keinem klar abzulesenden Muster.

Als Beispiel hierfür konnte eine aktuelle Untersuchung an einem Kollektiv von fast 1000 Gleichaltrigen aus Neuseeland 2015 eindrucksvoll zeigen, dass sich bereits junge Erwachsene in der Mitte ihres vierten Lebensjahrzehnts in ihrem biologischen Alter stark unterschieden, was sich anhand unterschiedlicher motorischer und kognitiver Leistungen in wissenschaftlichen Tests darstellen ließ.

Mit dem Ziel, einen kleinen Überblick zu ausgewählten Ansätzen und Therapiealternativen zu geben, sollen im Folgenden einige der aktuellen Trends vorgestellt und kritisch diskutiert werden.

Alternative Therapien durch Ernährung – New kids on the block?

Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang genannt werden muss, ist der des functional food, oder auf Deutsch der «funktionalen» Lebensmittel. Diese werden medizinisch auch als Nutraceuticals bezeichnet. Es handelt sich dabei um Lebensmittel, denen aufgrund eines bestimmten Inhaltsstoffes oder der Zusammensetzung ihrer einzelnen Nahrungsbestandteile, beziehungsweise aufgrund der Beigabe von bestimmten Zusätzen, besondere gesundheitsförderndeEigenschaften zugeschrieben werden.

Diese Lebensmittel werden daher oft mit einer Zusatzangabe wie «herzgesund», dem Label «health and beauty» oder auch als «Brain Food» beworben und vermarktet. In einzelnen Fällen werden bestimmte Nahrungsmittel im Populärjournalismus sogar als «Superfood» bezeichnet.

Offizielle Regularien, regelmäßige Überprüfungen oder eine Zulassungsbeschränkung bzw. die Forderung nach einem Wirksamkeitsnachweis der propagierten Eigenschaften durch staatliche Gesundheitsbehörden fehlen für diese Lebensmittel bisher weitgehend.

Im Zusammenhang mit gesunder Ernährung trifft man auch immer wieder auf den Begriff der mediterranen Diät. Hierunter darf man sich natürlich nicht in erster Linie die bei uns bekannten Fast-Food- oder Fertiggerichte wie Pizza, Döner Kebab oder Cevapcici vorstellen.

Vielmehr bestehen die Grundlagen der typischen traditionellen Mittelmeerkost aus vielfältigen Gerichten mit einem hohen Anteil von frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, relativ wenig Getreideprodukten sowie regelmäßigem Verzehr von Fisch bei gleichzeitig geringem Anteil roten Fleisches (zum Beispiel Rind- oder Schweinefleisch) und dem überwiegenden Gebrauch von pflanzlichem Öl (vor allem Olivenöl) anstatt tierischer Fette, wie zum Beispiel Butter. 

Abzugrenzen von funktionellen Lebensmitteln sind weiterhin die Nahrungsergänzungsmittel bzw. Phytotherapeutika oder auch pflanzliche Arzneimittel. Diese werden häufig in Kapsel- oder Pulverform angeboten. Neben einer direkten Beeinflussung durch spezielle Pflanzenwirkstoffe liegt dabei ein zweiter Fokus auf der diätetischen Beeinflussung von Risikofaktoren, deren Bedeutung für die Entwicklung einer Demenz anhand mehrerer aktueller Studien zunehmende Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Dazu zählt zum Beispiel ein erhöhter Bluthochdruck, Atherosklerose und der Diabetes mellitus Typ 2, also der sogenannte Alterszucker. Neben einem aktiven Lebensstil scheint besonders für die folgenden Stoffe ein positiver Einfluss in Bezug auf die Vorbeugung oder frühe Therapie bei Demenzerkrankungen zu bestehen.

Kokosnussöl

Als einem funktionellen Nahrungsmittel unter den pflanzlichen Fetten wird in letzter Zeit dem Kokosnussöl, das man nicht mit dem Palmöl verwechseln darf, ein besonderes Interesse zuteil. Die positiven Eigenschaften werden dabei insbesondere seinem hohen Gehalt an mittelkettigen Fettsäuren (MCFA) zugeschrieben.

Diese können unter Umgehung des Glukosestoffwechsels in Form der Ketonkörper Aceton, Acetessigsäure und β-Hydroxybutansäure eine alternative Energiequelle für das Gehirn darstellen. Dieser Ansatz erscheint interessant, da man unter anderem davon ausgeht, dass es im Rahmen der Alzheimererkrankung auch zu einer Störung des Glucose- also Zuckerstoffwechsels kommt und alternative Energielieferanten diesen Energiemangel ausgleichen könnten.

In einem Übersichtsartikel im «British Journal of Nutrition» beschrieben 2015 australische Ernährungswissenschaftler um Prof. R. Martins den heutigen Wissensstand von Kokosnussöl als Prävention und Behandlung der Alzheimererkrankung. Die Autoren kommen dabei allerdings zum Schluss, dass es noch keine ausreichend belastbare Studienlage für einen belegbaren Effekt von Kokosnussöl gibt, weder zur Vorbeugung noch in der Therapie.

Auch muss angemerkt werden, dass der Anteil von MCFA im Palmöl eine ähnliche Konzentration aufweist wie im Kokosnussöl, ohne dass für Palmöl ähnlich positive Gesundheitseigenschaften propagiert werden.

Weiterhin gibt es bisher keine belastbaren Daten, die eine niedrigere Häufigkeit von Demenzerkrankung in Zusammenhang mit einer größeren Menge verzehrten Kokosnussöls, zum Beispiel für die Bevölkerung Südostasiens ausreichend belegen könnte.

Die Einnahme hoch dosierter Kokosnussöl-Präparate oder sonstiger Zubereitungsformen kann aktuell nicht empfohlen werden. Ganz allgemein können neben dem Verzehr von Kokosnussöl auch dem Genuss von Kokosnuss selbst gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden, denn sie ist ebenfalls reich an Pflanzenfasern, Vitaminen und Mineralstoffen.

Ginkgo biloba

1815 widmete Johann Wolfgang Goethe sein Gedicht «Gingo biloba» dem Blatt des Ginkgobaumes als Symbol der Freundschaft. Seit mehreren hundert Jahren werden Ginkgopräparate als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt. Heute werden dem Extrakt aus den Blättern des Baumes auch antidementive Eigenschaften zugeschrieben. Diese sollen auf einer neuroprotektiven, also die Nervenzellen schützenden Wirkung beruhen, die unter anderem durch einen vermindernden Einfluss auf freie Radikale und die Beeinflussung (Induktion) genetischer Faktoren beruht. 

Dem Extrakt der Ginkgoblätter werden antidementive Eigenschaften zugeschrieben.
Dem Extrakt der Ginkgoblätter werden antidementive Eigenschaften zugeschrieben.

Die heutige Studienlage ist jedoch nicht eindeutig. So gibt es neben neueren Untersuchungen, die einen positiven Effekt bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) sowie bei bereits bestehender Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer Minderung der Symptome zeigten, beschreiben, auch größere Arbeiten, zum Beispiel aus dem Jahr 2008, als sich in einer großen, im angesehenen «JAMA» publizierten Interventionsstudie kein präventiver Effekt auf die Entwicklung einer Demenz durch die Einnahme eines Ginkgopräparates nachweisen ließ. 

Neben der noch nicht abgeschlossenen wissenschaftlichen Beurteilung kann jedoch aus klinischer Erfahrung festgestellt werden, dass die Einnahme von Ginkgopräparaten häufig zu einer subjektiven Verbesserung der Symptome führt.

Moringa olifera

Als zweiter «Wunderbaum» wurde zuletzt Moringa olifera gefeiert. Dieser wird auf Deutsch Meerrettichbaum genannt und stammt ursprünglich aus Indien. Der mittlerweile auch in Afrika und Südamerika angebaute Baum wird im Internet teilweise als die «nährstoffreichste Pflanze der Welt» bezeichnet.

Tatsächlich gibt es aus Tiermodellen Hinweise darauf, dass die Inhaltsstoffe der Blätter neurodegenerative Prozesse positiv beeinflussen können. Man geht von einer Wirkung auf die cholinerge Dysfunktion sowie einer Reduktion des oxidativen Stresses aus. Eine Empfehlung zur Einnahme einer bestimmten Menge von Moringa-Blattextrakt zur Prävention oder Therapie von Demenzerkrankungen kann aus medizinischer Sicht jedoch nicht gegeben werden. Es besteht außerdem kein Konsens über die Menge, die für einen erwartbaren Nutzen eingenommen werden sollte.

Der Meerrettichbaum (Moringa olifera), die angeblich «nährstoffreichste Pflanze der Welt».

Der Extrakt des Meerrettichbaumes ist in Kapselform auf verschiedenen Vertriebswegen frei erhältlich und wird im Internet beworben. Die Konzentration und Reinheit der einzelnen Präparate variiert dabei.

Ein Anbieter aus Deutschland schlägt zum Beispiel für einen 80 kg wiegenden Erwachsenen eine Einnahme von 10 g Moringaextrakt am Tag vor, was bedeuten würde, dass man 14 Kapseln pro Tag (!) einnehmen müsste. Das heißt, dass die größte Packung mit 750 Kapseln zu 172 Euro für nicht einmal zwei Monate reichen würde, eine einjährige Einnahme würde dann hochgerechnet mehr als 1100 Euro kosten.

Vitamin-D-Mangel

Vitamin-D-Mangel wird heute als ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von erworbener Muskelschwäche und die Häufigkeit von osteoporotischen Frakturen bei älteren Menschen angesehen.Es besteht aber auch ein möglicher Zusammenhang zwischen einem erniedrigten Vitamin-D-Spiegel und der Wahrscheinlichkeit, an einer Alzheimerdemenz zu erkranken. Da eine Vitamin-D-Substitution unter Berücksichtigung der empfohlenen Dosierungsbeschränkungen weitgehend frei von unerwünschten Nebenwirkungen ist und zudem noch kostengünstig durchgeführt werden kann, ist sie grundsätzlich im Rahmen einer allgemeinen Demenzprävention zu erwägen. Ein generelles Screening der breiten Bevölkerungauf einen Vitamin-D-Mangel wird aktuell nicht empfohlen.

Souvenaid

2010 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe um Philip Scheltens, einem anerkannten niederländischen Alzheimerforscher und Gründer des Alzheimer Center an der Freien Universität Amsterdam, eine Arbeit über den Einsatz eines medizinischen Nahrungsergänzungsproduktes genannt Souvenaid. Dieses enthält eine patentierte und «Fortasyn connect» genannte Nährstoffkombination (neben mehreren Vitaminen unter anderem auch Omega-3-Fettsäuren, Nukleotide und Folsäure), die sich positiv auf die Bildung von Verbindungsstellen (sog. Synapsen) zwischen den Nervenzellen auswirken soll.

An dieser ersten doppel-blind durchgeführten Studie zu Souvenaid nahmen mehr als 200 von leichter Alzheimerdemenz betroffene Personen aus mehreren Ländern teil, die bisher keine anderen medikamentösen antidementiven Therapien erhalten hatten. Der Effekt war nur in einem der durchgeführten Endpunkte (sprachliches Wiedererkennen) nach einem Zeitraum von drei Monaten vorhanden, wie weit er aber wirklich alltagsrelevant ist, bleibt offen.

In einer weiteren Studie konnte Scheltens 2014 auch für einen Zeitraum von sechs Monaten positive Effekte für die Einnahme von Souvenaid anhand von neuropsychologischen Testverfahren nachweisen. Die Autoren kommen jedoch zum Schluss, dass weitere Studien in Bezug auf die langfristigen Effekte von Souvenaid bisher noch ausstehend sind.

Off-label-Medikamente

Bei vereinzelten Medikamenten gibt es gelegentlich Berichte über einen erfolgreichen Einsatz in der Behandlung von Krankheiten, für die diese Präparate ursprünglich nicht entwickelt wurden bzw. die bisher nicht zu diesem Zweck in Studien untersucht worden sind. Diese Art der Anwendung wird Englisch «off-label use» genannt.

So publizierten beispielsweise Forscher der Case Western Reserve University aus Cleveland USA 2012 in der Wissenschaftszeitschrift Science, dass durch die Gabe des Hautkrebsmedikamentes Bexaroten nicht nur die Amyloidablagerungen bei alzheimerkranken Mäusen erfolgreich vermindert werden konnten, sondern sich gleichzeitig auch die Hirnfunktionen wiederverbessert haben.

Aktuell laufen Studien, die den Effekt auch bei Menschen nachzuweisen versuchen. Es kann nach heutigem Wissensstand noch keine eindeutige Empfehlung für eine bestimmte Einzelsubstanz ausgesprochen werden. Dies gilt auch für die tägliche Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (Acetylsalicylsäure) und blutfettsenkenden Medikamenten, den sogenannten Statinen. 

Es müssen daher die noch ausstehenden Ergebnisse von großen Bevölkerungsstudien abgewartet werden, die in der Zukunft für solche Präparate eine nachweisbare Wirkung auf die Entwicklung von Demenzerkrankungen aufzeigen könnten.

Wie sieht die Zukunft aus?

2015 zeigte eine australische Arbeitsgruppe um den an der Universität Basel ausgebildeten und bis 2005 an der Universität Zürich tätigen Alzheimerforscher Jürgen Götz in einem Artikel der «Science» eindrucksvoll, dass eine invasive Ultraschallbehandlung bei an Alzheimer erkrankten Mäusen die Ablagerungen des krankhaften Beta-Amyloids nicht nur beseitigen konnte, sondern die betroffenen Tiere im weiteren Verlauf ihre Hirnfunktionen sogar wieder verbessern konnten. Der experimentelle Einsatz einer solchen Methode als Therapie bei Menschen scheint jedoch noch in weiter Ferne, ganz abgesehen von einer flächendeckenden Anwendung in der klinischen Praxis.

Zusammenfassend muss heute leider noch davon ausgegangen werden, dass sich weder auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage randomisierter, kontrollierter Studien, noch anhand von verifizierbaren Anwendungsbeobachtungen ein eindeutiger Wirksamkeitsnachweis für einzelne Nahrungssubstanzen oder ein Nahrungsergänzungspräparat benennen lässt.

In der Folge kann man daher aktuell auch noch keine eindeutige Empfehlung für die Anwendung einzelner «Alternativ»-Präparate oder pflanzlicher Wirkstoffe für einen allgemeinen Einsatz in der Prophylaxe oder Therapie von Demenzen abgeben. Zur Vorbeugung der Entwicklung einer Demenz und auch zur Beeinflussung von leichten Krankheitsstadien in Bezug auf Lebensstil, Ernährung und pflanzlicher Medizin können jedoch als sinnvoll gelten:

  • ein aktiver Lebensstil mit regelmäßigem, moderatem körperlichen Training mehrmals in der Woche, vielen sozialen Aktivitäten und regelmäßigen abwechslungsreichen geistigen Stimuli unter Vermeidung von negativem Stress.
  • ein Körpergewicht im Normalbereich, nicht rauchen, ein geringer Alkoholkonsum und Vermeidung von Alkoholexzessen.
  • eine ausgewogene, mediterrane Ernährung, angereichert mit Kokosnussöl, moderatem Konsum von Fleisch (besser Fisch), ausreichender Zufuhr von Molkeproteinen (ausgewogen verteilt auf alle Hauptmahlzeiten) durch Verzehr von Milchprodukten wie Hartkäse, Magerquark oder körnigem Frischkäse.
  • eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren.
  • Wahrnehmung entsprechend angebotener Vorsorgeleistungen in Bezug auf die Entwicklung eines Diabetes mellitus (zum Beispiel bei fehlenden kardiovaskulären Risikofaktoren, ab dem 45. Lebensjahr alle 3 Jahre Blutzuckerbestimmung beim Hausarzt) und Kontrolle des Blutdrucks.
  • Vermeidung einer exzessiven Zufuhr von hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln wie zum Beispiel Vitaminpräparate, da dadurch ernsthafte Gesundheitsschäden (wie durch hochdosiertes Vitamin A, C oder E) nicht in jedem Fall auszuschließen sind.

 

 

erschienen: 24.08.2016

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