Homunkulus

Das Körperbild im Kopf

Streicht mir jemand mit einer Feder zart über die Wange, nehm ich das viel eher wahr als an den Füssen, am Rücken oder am Bauch. Warum das so ist, erklärt das Modell des Homunkulus – lateinisch für «Menschlein».

Von Felicitas Witte

In unserem Gehirn sind die Körperteile unterschiedlich stark repräsentiert. Im Bereich des Scheitels gibt es Nervenzellen, die Befehle an Muskeln weitergeben (motorischer Kortex). Direkt daneben liegen Nervenzellen, die Empfindungen aus dem Körper wahrnehmen wie Schmerz, Berührungen, Kälte oder Wärme (sensorischer Kortex). 

Homunkulus motorisch: Der Mensch mit verzerrten Körperproportionen.
Homunkulus motorisch: Der Mensch mit verzerrten Körperproportionen. Bild PD

Alle Körperbereiche sind in diesen Hirnbereichen eins zu eins wiedergegeben, doch manchen Bereichen wird mehr Platz eingeräumt als anderen. Für Körperteile, mit denen wir fein abgestimmte Bewegungen ausführen oder die besonders gut Empfindungen wahrnehmen sollen wie Zunge, Lippen oder Finger, stehen ziemlich große Areale im Gehirn zur Verfügung. 

Körperteilen, die gröbere Bewegungen ausführen sollen und nicht so schmerzempfindlich sind wie Rücken oder Beine, wird weniger Platz im Hirn eingeräumt. Zeichnet man die Körperteile so, wie sie ihren Gebieten im Hirn entsprechen, entsteht ein Mensch mit ziemlich verzerrten Körperproportionen. Das Resultat nennen die Mediziner liebevoll Homunkulus.

erschienen: 14.06.2016

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