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«Der Expertenstandard könnte als Satire durchgehen»

Michael Schmieder, Ethiker und ehemaliger Heimleiter, ist weder dement noch bescheuert. Dennoch versteht er beim Durcharbeiten des Expertenstandards «Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz» sehr oft nur Bahnhof, noch öfter gar nichts.
Michael Schmieder, Ethiker und ehemaliger Heimleiter, ist weder dement noch bescheuert. Dennoch versteht er beim Durcharbeiten des Expertenstandards «Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz» sehr oft nur Bahnhof, noch öfter gar nichts. Bild Screenshot Marcus May

Der neue Expertenstandard «Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz» werde der ganzen Szene und den Menschen in den Institutionen eher schaden als nützen, sagt Michael Schmieder in seinem umstrittenen Referat, das jetzt als Podcast zum Mithören vorliegt.

Von Michael Schmieder

«Lebe Beziehung – das Normalste soll normal bleiben». Michael Schmieders Referat, das er am 1. Oktober 2019 in Solingen (D) anlässlich der Konferenz «Beziehungen sind alles!» hielt, hier als Podcast.

Da geben sich Menschen sehr viel Mühe, etwas zu Papier zu bringen, das ihnen – und übrigens auch mir – sehr wichtig ist, und am Ende versteht nur eine Minderheit von denjenigen, für die es sein soll, was überhaupt gemeint ist.

Es ist mir sehr bewusst, dass es um eine Vision geht, dass es darum geht, wie sich die Pflege von Menschen mit und ohne Demenz entwickeln soll in den nächsten Jahrzehnten.

Der Expertenstandard könnte als Satire durchgehen, und ein Gegenentwurf zur realen Situation sein, aber als Vision taugt er nichts, da er keinen Bezug hat zu dieser realen Situation.

Der Expertenstandard wurde von einer Elite entwickelt und geschrieben, er orientiert sich nicht an einer einfachen verständlichen Sprache, sondern daran, aufzuzeigen, mit was für Studien, Gedanken und Ideen sich die Entwicklerinnen und Entwickler auseinandergesetzt haben.

Eliten zeichnen sich eben auch dadurch aus, dass sie eine Sprache benutzen, die von den Nichteliten nicht verstanden wird.

Ich hatte mir auf Grund der zum Teil doch sehr harschen Kritik an meinem kürzlich veröffentlichten Video, in dem ich eine Textstelle des Expertenstandards zitierte, überlegt, ob dieses Video etwas zu starker Toback war. 

Doch nachdem ich das ganze Werk durchgeackert hatte, war ich überzeugt, dass meine Kritik an diesem Expertenstandard keinerlei Abschwächung erfahren darf.

Michael Schmieder über seinen ersten Eindruck des neuen Expertenstandards «Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz». alzheimer.ch/youtube

erschienen: 05.12.2019

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