Demenz verstehen

«Der Lehrgang hat mir Klarheit gebracht»

Bei der Betreuung von Menschen mit Demenz geht es mehr um das Hier und Jetzt als um Konzepte und Aktivierungspläne.
Bei der Betreuung von Menschen mit Demenz geht es mehr um das Hier und Jetzt als um Konzepte und Aktivierungspläne. Bild Véronique Hoegger

Die Sozialbegleiterin Annette Zimmermann (41) arbeitet seit Sommer 2016 mit Menschen mit Demenz. Im Lehrgang «Demenz verstehen» holte sie sich das Rüstzeug für ihre neue Aufgabe.

Von Martin Mühlegg

alzheimer.ch: Was interessiert Sie an der Arbeit mit Menschen mit Demenz?

Annette Zimmermann: Als Sozialbegleiterin betreute ich viele Jahre lang Menschen mit einer Behinderung. Nach einem Umzug war ich offen für Neues. Ich erfuhr, dass es immer mehr Menschen mit Demenz gibt.

Einer an den Bedürfnissen orientierten, kompetenten und einfühlsamen Betreuung und Pflege durch geschulte Fachkräfte rechne ich grosse Bedeutung zu. Ich denke, es gibt einige Parallelen zu meiner früheren Tätigkeit – zum Beispiel, wenn es um die menschliche Grundhaltung geht.

«Demenz verstehen»

Sonnweid der Campus vernetzt mit dem Kurs «Demenz verstehen – Lehrgang für die Praxis» praktische Erfahrungen mit Hintergrundwissen und bewährten Betreuungsstrategien. Die Teilnehmenden erweitern ihr Wissen zu den Grundlagen der Demenz und ihre Handlungskompetenzen. Der nächste Lehrgang «Demenz verstehen» umfasst 30 ½ Tage zwischen Juni 2018 und März 2020. Er findet in den Campus-Kursräumen in Wetzikon (Schweiz) statt. Zum Jubiläum des Campus ist das Angebot an Kursen, Bildung und Beratung erweitert worden.

Was war der Auslöser für Ihre Teilnahme am Lehrgang «Demenz verstehen»?

Ich habe eine neue Arbeitsstelle im Senioren- und Pflegeheim in St. Niklaus im Kanton Wallis. Ich konnte dort auf der Abteilung Demenz im Bereich der Beschäftigung und Betreuung einsteigen. Der Bereich Demenz war für mich neu. Der Heimleiter empfahl mir diese Ausbildung. Der Lehrgang begann drei Monate, bevor ich meine Stelle antrat.

Gefällt Ihnen der Lehrgang?

Er war von Anfang an stimmig. Ich merkte gleich, dass dieser Kurs für mich genau richtig ist. Ich kann stark profitieren von den gelebten Erfahrungen der Referenten. Sie kommen alle aus der Praxis und vermitteln Inhalte eins zu eins.

Die Referenten haben auch stets ein offenes Ohr für unsere Fragen aus der Praxis. Ebenso profitiere ich vom Austausch in der Gruppe.

Wie wirkt sich das erworbene Wissen auf Ihren Alltag im Altersheim aus?

Meine Aufgabe ist es, Beschäftigungsangebote für Menschen mit Demenz zu erarbeiten. Das Wissen aus dem Lehrgang sowie die Erfahrung haben auch bei mir Entwicklungen in Gang gesetzt und neue Sichtweisen eröffnet. Ich distanzierte mich von Ideen, die ich zu Beginn umsetzen wollte.

Ich merkte, dass ich mehr im Moment mitgehen und weniger konstruieren sollte.

Ich sollte den Fokus auf das Hier und Jetzt richten. Menschen mit Demenz sollten nicht überfordert werden mit jeder nur erdenklichen Aktivierung.

Es geht darum, im Tempo, der Sprache und den kognitiven Ansprüchen Impulse zu geben. Weniger ist mehr. Der Lehrgang hat mir sehr viel Klarheit gebracht.

Annette Zimmermann
Annette Zimmermann Bild PD

Von welchen Modulen konnten Sie besonders profitieren?

Ich konnte von allen Modulen profitieren und mir wichtiges Hintergrundwissen aneignen. So sehe ich zum Beispiel die Anwendung von Validation und die Haltung dahinter als ein Muss im Umgang mit Menschen mit Demenz.

In der täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder anspruchsvolle Situationen. So kann ich auch aus dem Modul „Herausforderndes Verhalten“ Erkenntnisse schöpfen. Ich bin jetzt mit mehr Sicherheit ausgerüstet.

Würden Sie den Lehrgang Ihren Kolleginnen empfehlen?

Ich wünschte, dass alle, die mit Menschen mit Demenz arbeiten, den Kurs besuchen könnten. Ich bin dankbar, dass ich Gelegenheit hatte, an einer führenden Institution während eines Lehrgangs deren Philosophie und Erfahrung kennen zu lernen.

Bereichernd war auch das dreitägige Praktikum in der Sonnweid. Ich konnte teilhaben am Tagesgeschehen und an Aktivierungsangeboten.

Es hat mich beeindruckt, wie frei sich die Bewohner in der Sonnweid bewegen können. Der Lebensraum, der zur Verfügung steht, lässt sowohl Bewegung und Begegnung als auch Rückzug zu.

erschienen: 27.11.2017

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