Filmzyklus

«Sterben live» – Filme über das Lebensende

«Bouton», Res Balzlis Dokumentation der letzten Wochen der 33­‐jährigen Marionettenspielerin und Bauchrednerin Johanna Bory.
«Bouton», Res Balzlis Dokumentation der letzten Wochen der 33­‐jährigen Marionettenspielerin und Bauchrednerin Johanna Bory. Bild PD

In der Veranstaltungsreihe «Sterben Live» zeigt das Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Uni Zürich in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät und dem Romanischen Seminar fünf aktuelle Dokumentarfilme.

Von Marcus May

Die Filme aus der Schweiz, Deutschland und Grossbritannien thematisieren das Sterben und den Umgang mit dem Lebensende auf unterschiedliche Weise. Der Zyklus bietet eine breite Mischung von filmischen Themen über das Sterben.

«Uns interessiert der heutige Umgang damit», sagt Nina Streeck vom Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte (IBME). Gemeinsam mit den Kollegen Anna Magdalena Elsner und Tobias Eichinger zeichnet sie für das Programm verantwortlich.

Wurde das Sterben vor wenigen Jahren noch tabuisiert, sei heute fast das Gegenteil der Fall: Es habe eine regelrechte Geschwätzigkeit über das Sterben und den Tod eingesetzt. «Wir wünschen uns einen kritischen Umgang mit dem Thema, man kann und soll durchaus auch nach dem guten Sterben fragen dürfen», sagt Streeck.

Durch die zunehmende Digitalisierung ist es einfacher geworden, mit der Kamera Szenen aus dem alltäglichen Leben und Sterben festzuhalten und über verschiedene Kanäle an die Öffentlichkeit zu bringen.

Auf Weblogs, Youtube, Social Media-Kanälen und Liveübertragungen via Smartphone erzählen unheilbar Erkrankte von ihrem fortschreitenden Leiden und sterben buchstäblich vor aller Augen. In Talkshows wird über Sterbehilfe gestritten, Filmemacher begleiten Sterbende in ihren letzten Monaten und machen den Tod eines Einzelnen für jedermann sichtbar.

Was seit dem 19. Jahrhundert ins Private gehörte, rückt wieder in das Licht der Öffentlichkeit. 

Im Rahmen des Schwerpunktthemas «Digital Societies» am Collegium Helveticum sollen Fragen diskutiert werden, die diese medial neue Unmittelbarkeit des Sterbens aufwirft:

  • Wie wirkt sich die digitale Dauerpräsenz des Sterbens auf unser analoges Leben aus?
  • Welche Rolle spielen Dokumentarfilme als gestaltete Sterbenswirklichkeit?
  • Wie beeinflussen die filmischen Erzählungen vom Lebensende unseren heutigen Umgang mit dem Sterben?
  • Zu welchen Spannungen führt die Wechselwirkung von Ästhetik und Ethik?
  • Gibt es Schranken der Privatheit und Intimität, wenn es um das Lebensende geht?
  • Wo liegen die Grenzen des Zeigbaren?

Im Anschluss an die Filmvorführungen wollen die Veranstalter mit den Filmemachern sowie Fachpersonen aus der Medizin und aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, der Ethik oder der Theologie darüber ins Gespräch kommen.

Die Filmreihe ist offen für ein breites Publikum, richtet sich aber insbesondere an Fachpersonen aus Medizin und Pflege sowie an Forscher aus den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Gezeigt werden folgende Filme im Collegium Helveticum in Zürich:

  • 13. März 2018: «Ein Sommer für Wenke», D 2012, 45 min.
  • 27. März 2018: «Bouton», CH 2010, 78 min.
  • 10. April 2018: «Die weisse Arche», CH 2016, 90 min.
  • 24. April 2018: «Vergiss mein nicht», D 2012, 92 min.
  • 8. Mai 2018: «How to die, Simon's choice», UK 2016, 85 min.

Details über Inhalt, Zeit und Location entnehmen Sie bitte unserer Agenda.

Videotrailer zu «Bouton»


Trailer zum Film «Bouton» des Schweizer Filmemachers Res Balzli (Quelle: Youtube)


Videotrailer zu «Die weisse Arche»


Trailer zu «Die weisse Arche» (Quelle: Youtube)

 

erschienen: 09.01.2018

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