Instrument lernen

Musizieren lohnt sich aus vielen Gründen

In der Gruppe «Kaleidoskop» spielte der an Demenz erkrankte Eber Ferrer (2. von links) die Violine.
In der Gruppe «Kaleidoskop» spielte der an Demenz erkrankte Eber Ferrer (2. von links) die Violine. Bild PD

Ein hohes Alter und damit verbundene Einschränkungen halten ältere Menschen nicht vom Lernen eines Instrumentes und vom gemeinsamen Musizieren ab. Dies zeigt die Filmdokumentation «Musik ist mein Leben» der Hochschule Luzern.

 

Immer mehr ältere Menschen lernen ein Instrument und musizieren. Dass das Musizieren in diesem Lebensabschnitt für viele ein Bedürfnis ist und sich aus vielen Gründen lohnt, geht aus der Forschung hervor. Das gemeinsame Musizieren erlaubt älteren Menschen soziale Teilhabe, lässt sie den Alltag sinnerfüllt erleben und macht sie zu Autoren ihres Lebens.

Welche musikalischen Aktivitäten sind für ältere Menschen geeignet? Kann trotz physischer oder kognitiver Einschränkungen ein Musikinstrument erlernt werden?

Wie ist der Musikunterricht mit älteren Menschen zu gestalten?

Die Filmdokumentation «Musik ist mein Leben» der Hochschule Luzern gibt Antworten, indem sie unmittelbare Einblicke in das gemeinsame Musizieren und Musiklernen im Seniorenalter gewährt. In drei Filmporträts von Musikgruppen äussern sich die Musizierenden und die beteiligten Lehrpersonen. Ein weiteres Filmporträt stellt die Inklusion eines an Demenz erkrankten Seniors und die Einschätzungen von dessen Partnerin zur Diskussion.

Drei Seniorengruppen stehen im Fokus der vierteiligen Filmdokumentation. Deren Mitglieder gewähren Einblicke in ihr Musiklernen. Sie beweisen, dass das Erlernen eines Instruments im Alter möglich ist und dass in Gruppen rasch Fortschritte gemacht werden können. Die Filmdokumentation mach deutlich, dass Musiklernen zu einem positiven Selbstbild im Alter beiträgt.

Nicht individuelle Hindernisse, sondern gemeinsame Erfolge sind entscheidend.

Die musizierenden Seniorinnen und Senioren sehen die Qualitäten ihrer Leidenschaft darin, Musikerlebnisse teilen zu können, sich kreativ neuen Herausforderungen zu stellen, bestehende Fähigkeiten zu erweitern und sich von der Musik berühren zu lassen. Die mit dem Musiklernen verbundenen Gefühle der Selbstwirksamkeit sind entscheidend für Zufriedenheit und Wohlbefinden.

Wie der demenzkranke Eber Ferrer zur Violine kam

Die porträtierten Musikgruppen bilden auf ihre Art starke Gemeinschaften. Die Mitglieder der «Volksmusikgruppe Sarnen» sind durch verwandtschaftliche Beziehungen oder eine gemeinsame Schulzeit schon lange miteinander verbunden.

Die Mitglieder der «Silverhorns», «Greenhorns» und der Gruppe «Kaleidoskop» von ProMusicante haben sich dem Wagnis des gänzlich Neuen ausgesetzt, als sie gemeinsam zu musizieren begannen. Auch für sie sind inzwischen das Zusammensein im Anschluss an die Proben und zusätzliche gemeinsame Unternehmungen gang und gäbe (Text Hochschule Luzern).

«Kaleidoskop», proMusicante, Rapperswil-Jona

«Kaleidoskop» besteht aus einer bunt gemischten Gruppe – nicht nur aufgrund der Kombination der Instrumente, sondern auch wegen ihres breiten Spektrums an Stilrichtungen. In diesem Ensemble spielte unter anderem der an Demenz erkrankte Eber Ferrer die Geige. Für diese Inklusionsleistung verlieh die Alzheimervereinigung Luzern der proMusicante den Fokuspreis 2017 für besondere Verdienste.

Leitung: Urs Krienbühl

Besetzung: Altflöte, Querflöte, Klarinette, Klavier, Kontrabass, andere (vom Leiter nach Bedarf gespielt) und zuweilen Gesang.

«Silverhorns» und «Greenhorns», Raum Sissach – Basel

Für das Abschlussprojekt seiner Ausbildung in Musikgeragogik an der Fachhochschule Münster Nordrhein-Westfalen suchte Thomas Heid per Inserat ältere Menschen, die das Saxofon im Gruppenunterricht erlernen wollten. Nahezu dreissig Lernwillige reagierten auf die Anzeige und bildeten die «Silverhorns». In einer zweiten Phase entstanden in gleicher Weise die «Greenhorns». Für seine Initiative erhielt Thomas Heid im Jahr 2017 den Kulturpreis der Basler Kantonalbank.

Leitung: Thomas Heid

Besetzung: Etwa fünfzig bis sechzig Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxofone und Schlagzeug.

Volksmusikgruppe Sarnen

Die Musik der Sarner Landfrauen lebt von den eher feinen Klängen der Saiteninstrumente. In der Volksmusikgruppe spielte bis kurz vor ihrem Tod eine an Alzheimer erkrankte Seniorin. Die Landfrauen setzen sich immer wieder neue Ziele, weshalb sie ein Angebot der Musikschule Sarnen in Anspruch nehmen und sich von einer Lehrperson coachen lassen. Ebenso wichtig wie das Musizieren ist das gemeinsame Zusammensitzen nach der Probe bei Kaffee und Kuchen.

Coach: Oliver Holzenburg, Musikschule Sarnen

Besetzung: Konzertzither, Akkordzither, Mandoline, Gitarre, Cello

erschienen: 28.05.2019

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