Filmtipp

Das pflegende Wunder aus Polen

Die Pflegebedürftigkeit und die Libido des Vaters Josef (Bildmitte) stellen die familiären Beziehungen auf den Prüfstand. Kinostart des Films «Wanda, mein Wunder» ist der 3. Juni.
Die Pflegebedürftigkeit und die Libido des Vaters Josef (Bildmitte) stellen die familiären Beziehungen auf den Prüfstand. Kinostart des Films «Wanda, mein Wunder» ist der 3. Juni. Bild PD

«Wanda, mein Wunder» zeigt die Irrungen und Wirrungen, die eine Familie durchläuft, um die Betreuung ihres Vaters in seinen eigenen vier Wänden sicherzustellen. Ein Film, der mit Tabus bricht, aufrüttelt und unterhält.


Von Peter Burri, Pro Senectute/Zeitlupe

Was haben eine Studie von Pro Senectute und eine Schweizer Filmpremiere gemeinsam? Ein zentrales Thema, das unzählige Familien täglich beschäftigt: die Betreuung älterer Angehöriger in deren Zuhause. Denn die Zahl der Seniorinnen und Senioren, die Unterstützung benötigen, um ihren Alltag in den eigenen vier Wänden zu meistern, nimmt laufend zu.

Aktuell stemmen Familie, Freunde und Nachbarn den Löwenanteil der Betreuung und Pflege ihrer Angehörigen. Doch das kann zur Belastungsprobe werden.

Familien wohnen oft nicht mehr in der Umgebung, und Betreuungsaufgaben verteilen sich auf wenige Schultern.

Der Kinofilm der Schweizer Regisseurin Bettina Oberli «Wanda, mein Wunder» greift diese Problematik auf. Ohne die Ernsthaftigkeit des Themas aus den Augen zu verlieren, geht der Spielfilm mit Charme und Witz auf die vielen Herausforderungen einer Familie ein, die dem Protagonisten, einem vulnerablen Senior (André Jung), das Leben im eigenen Daheim trotz intensiver Pflege ermöglichen möchten.

Quelle youtube


Es ist Wanda (Agnieszka Grochowskowa), die polnische Pflegerin, welche die Bühne betritt und als Care-Migrantin Stoff für Unterhaltung und Debatten liefert. Denn oftmals arbeitet ausländisches Care-Personal in einer rechtlichen Grauzone.

Wanda nimmt sich im Film aber nicht nur der Pflege eines Seniors an, sondern bricht auch mit gesellschaftlichen Tabus wie Einsamkeit und Sexualität. Etwas zugespitzt und überzeichnet zwar, trifft der Film gleichwohl einen Nerv bei vielen Menschen in unserem Land.

Pro Senectute hat unlängst in einer Studie erhoben, dass in der Schweiz über 600 000 Personen im Alter über 63 Jahren Betreuung zu Hause brauchen. Ein erheblicher Teil dieser Menschen wünscht Unterstützung nicht nur aufgrund eines körperlichen Gebrechens, sondern weil sie einsam sind.

Die Betreuung von Angehörigen ist nicht zu unterschätzen und kann das persönliche Umfeld an die Grenzen der Belastung bringen.

Ein funktionierendes soziales Netz sowie günstige, aber gezielte Unterstützungsleistungen tragen nicht nur dazu bei, Einsamkeit im Alter zu reduzieren, sondern haben nachweislich auch einen positiven Einfluss auf das Wohlergehen und die Gesundheit.

Josef und Wanda kommen sich auch menschlich sehr nahe – viel näher, als es den Angehörigen lieb ist.
Josef und Wanda kommen sich auch menschlich sehr nahe – viel näher, als es den Angehörigen lieb ist. Bild PD

Vielfach besteht die Krux in der Bewältigung der Kosten für externe Betreuungsleistungen. Denn diese gehen heute in der Schweiz zu einem Grossteil zulasten der Betroffenen. Das können sich viele nicht leisten. Pro Senectute wird sich den Herausforderungen der Finanzierung der Betreuungsangebote stellen.

Im Zentrum aller Überlegungen müssen die Bedürfnisse älterer Menschen stehen – und diese verändern sich im Alterungsprozess.

Ziel von Pro Senectute ist es daher, die Angebote und Dienstleistungen laufend weiterzuentwickeln und auf die Wünsche älterer Menschen anzupassen. Das ist nötig, damit ein glückliches und möglichst selbstbestimmtes Leben im Alter für alle gesichert werden kann.

Der Film «Wanda, mein Wunder» von Bettina Oberli läuft ab 3. Juni in den Kinos der Schweiz.

Herzlichen Dank an den Autor Peter Burri von Pro Senectute und an die Herausgeber des Magazins «Zeitlupe» für die Gelegenheit der Zweitverwertung.

erschienen: 31.05.2021