Studie

Massnahmen gegen Einsamkeit kosten Milliarden

Viele ältere Menschen brauchen Unterstützung, möchten aber trotzdem zu Hause leben.
Viele ältere Menschen brauchen Unterstützung, möchten aber trotzdem zu Hause leben. Bild Adobe Stock

Damit ältere Menschen zufrieden in den eigenen vier Wänden leben können, sind gemäss einer Studie von Pro Senectute Schweiz drei Faktoren ausschlaggebend: ein intaktes Umfeld, Geld und Betreuungsangebote.

Von Pro Senectute Schweiz

Der Corona-Lockdown hat es wieder ins Bewusstsein gerufen: Ältere Menschen brauchen in ihren eigenen vier Wänden mit zunehmendem Alter Unterstützung. Bisher liegen aber kaum Daten über die Betreuungssituation von Seniorinnen und Senioren vor, die zu Hause leben.

Eine neue Studie von Pro Senectute Schweiz legt nun erstmals die Kosten einer bedarfsgerechten Betreuung zu Hause offen. Die Studie geht von über 660'000 Personen im Alter über 63 Jahren aus, die mindestens eine Betreuungsleistung benötigen.

Auf Basis dieser Resultate hat Pro Senectute ein für die Schweiz einzigartiges Modell mit 20 Stufen der Betreuung zu Hause definiert – von einfachen Besorgungen bis zu komplexen Mehrfachleistungen. Das Modell soll dazu beitragen, den Bedarf an Betreuungsleistungen und deren Kosten sichtbar zu machen.

Betreuung zu Hause als Massnahme gegen Einsamkeit

Aktuell würden sich die Kosten einer bedarfsgerechten Betreuung zu Hause gemäss Studie schweizweit auf 4,2 bis 5,6 Milliarden Franken pro Jahr belaufen. Frappant: Dabei fallen nicht primär die Betreuungsbedürfnisse von Menschen ins Gewicht, die körperliche Einschränkungen haben, sondern von jenen, die einsam sind.

Im Einzelfall verursacht die Betreuung dieser Menschen nur geringe Kosten, doch in der Summe erweist sie sich als grösster Kostentreiber. Dieser Befund zeigt: Ein funktionierendes Umfeld oder günstige, aber gezielte Unterstützungsleistungen tragen nicht nur dazu bei, Einsamkeit im Alter zu reduzieren, sondern haben erwiesenermassen auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit.

Betreuung zu Hause muss erschwinglich werden

Angehörige, Freunde und Nachbarn leisten heute den Löwenanteil der Betreuungsaufgaben. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch der Bedarf an Unterstützung, womit das Umfeld an seine Grenzen stösst.

In diesen Fällen besteht die Herausforderung häufig darin, externe Betreuungsleistungen zu finanzieren. Denn diese gehen heute zu einem grossen Teil zulasten der Betroffenen. Das können sich viele nicht leisten. «Pro Senectute wird sich den Herausforderungen der Finanzierung der Betreuungsangebote annehmen und nötigenfalls auf politischer Ebene aktiv werden», betont Alain Huber, Direktor von Pro Senectute Schweiz.

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Dank gezielter finanzieller Unterstützung könnten betreuungsbedürftige Menschen im Alter Unterstützung in Anspruch nehmen, um den Übertritt ins Pflegheim hinauszuzögern oder sogar ganz zu vermeiden. Das würde den Druck auf die Gesundheitskosten spürbar reduzieren.

Im Zentrum aller Überlegungen müssen die Bedürfnisse der älteren Menschen stehen – und diese verändern sich. «Pro Senectute wird ihre Angebote und Dienstleistungen entsprechend weiterentwickeln. Denn die Schweiz wird zu einer Gesellschaft des langen Lebens – und es braucht Betreuung, damit ein glückliches und möglichst selbstbestimmtes Leben im Alter für alle gesichert werden kann», so Huber.

Die Studie «Betreuung von Seniorinnen und Senioren zu Hause: Bedarf und Kosten»

Das Institut für Gesundheitsökonomie WIG der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften untersuchte im Auftrag von Pro Senectute Schweiz einerseits den Bedarf an Betreuungsleistungen für zu Hause lebende Seniorinnen und Senioren. Andererseits wurde eine Schätzung der Kosten für diese Betreuungsleistungen vorgenommen.

Dies, weil die Betreuung älterer Menschen in ihrem Zuhause in den meisten Fällen informell erbracht wird, also freiwillig von Angehörigen oder von Institutionen wie Pro Senectute. Dies wird angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung künftig nicht mehr möglich sein. Diese bislang einzigartige Studie versteht sich als ein erster Schritt, um daraus künftige Finanzierungsmöglichkeiten ableiten und diese in den politischen Diskurs einbringen zu können.

→ Hier gehts zum Download des 20-Stufen-Modells und der Studie

erschienen: 03.10.2020

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