Age Report

Die Entwicklungen sind positiv

Das Leiterspiel des Lebens: Der Age Report beleuchtet mit vielen Daten das Leben im Alter.
Das Leiterspiel des Lebens: Der Age Report beleuchtet mit vielen Daten das Leben im Alter. Bild www.age-report.ch

Ältere Menschen sind heute gesünder, innovativer, wohlhabender, weniger einsam und sicherer als vor einigen Jahren. Dies zeigt der neue Age Report.

Von Martin Mühlegg

Im Rahmen des Age Reports IV sind 2500 Schweizerinnen und Schweizer ab 65 Jahren persönlich zu ihrer Lebens- und Wohnsituation befragt worden. Die Age Stiftung und die Fondation Leenaards ermöglichten die umfangreiche Studie.

Die Resultate sind jetzt in einem Buch des Seismo Verlages publiziert worden. François Höpflinger ist Titularprofessor für Soziologie und Mitglied der Leitungsgruppe des Zentrums für Gerontologie an der Universität Zürich.

Er ist der Begründer des Age Reports und Hauptverantwortlicher für die Age-Wohnbefragungen. alzheimer.ch unterhielt sich mit ihm über die Resultate des Age Reports und die zu erwartenden  Entwicklungen der Zukunft.

alzheimer.ch: Herr Höpflinger, es tut gut, den Age Report zu lesen, weil die grosse Mehrheit der erhobenen Daten eine positive Entwicklung aufzeigt. Haben Sie damit gerechnet?

François Höpflinger: Man hat schon früher festgestellt, dass die Entwicklung für die Mehrheit der älteren Menschen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland positiv ist – in allen Bereichen.

Der Anteil der alten Menschen, die wirtschaftlich abgesichert sind und sich gesund fühlen, hat sich erhöht.

Die Suizidraten sinken, die Wohnqualität ist für die grosse Mehrheit deutlich gestiegen. Es gibt auch weniger Einsamkeit. Die Freundschaften und der familiäre Zusammenhalt sind stärker geworden. Auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, reduziert sich.

Warum wird in den Medien so oft schwarz gemalt? Es heisst, die Renten seien nicht sicher, die Gesundheits- und Pflegekosten liefen aus dem Ruder. Auch die Einsamkeit von alten Menschen ist ein Thema.

Die Massenmedien leben von dramatischen Geschichten, gute Entwicklungen sind weniger spannend. Man schaut auch keinen Krimi, in dem kein Mord passiert. Hinzu kommt: Sozialarbeiter, Therapeuten, Ärzte und Pflegende haben nur mit den Problemfällen zu tun. So ein entsteht ein Bild, das nicht der ganzen Realität entspricht.

Die positiven Entwicklungen zeigen sich erst langfristig und sind nicht so dramatisch.

Wir stellen auch in Afrika positive Entwicklungen fest, die aber nicht wahrgenommen werden. Die Menschen interessieren sich mehr für Kriege. Man hört auch viel von Verkehrsunfällen – aber das Risiko, sich im Verkehr zu verletzen oder umzukommen, ist massiv gesunken.

Auch der Heroin- und Tabakkonsum ist gesunken. Es gibt auch nicht mehr häusliche Gewalt, aber sie wird heute mehr angezeigt.

Der Age Report IV kurz erklärt


Quelle vimeo


Wenn wir die Alterspyramide anschauen, müssen wir aber mit einer Wende zum Schlechten rechnen. Wann wird sie kommen?

In den nächsten Jahrzehnten wird vor allem das Altern der geburtenstarken Jahrgänge, der Babyboomer, zu mehr Renten-, Gesundheits- und Pflegeausgaben beitragen. Zu einer übermässigen Belastung der Gesellschaft kommt es primär, wenn politische Anpassungen an die demografische Alterung blockiert werden.

Eine Ausdehnung der Lebensarbeitszeit, inklusive der Erhöhung des Rentenalters, ist längerfristig unumgänglich.

Ebenso können Gesundheitsförderung und Förderung des lebenslangen Lernens die demografischen Belastungen verringern. Denn wenn Menschen länger gesund, aktiv und offen für neue Entwicklungen verbleiben, wird demografische Alterung kaum zum Problem.

Innerhalb des Age Reports wurden 2500 über 65-jährige Schweizerinnen und Schweizer interviewt. Wenn mich jemand fragt, wie es mir gehe, sage ich manchmal «gut», auch wenn es nicht wirklich so ist. Stellt man seine Situation in persönlichen Interviews manchmal besser dar, als sie wirklich ist?

Alte Menschen beurteilen ihre Gesundheit nicht nach absoluten Kriterien. Es gibt die subjektive Gesundheit: Die Leute sagen, es gehe ihnen gut, obwohl sie eine Krankheit diagnostiziert haben. Sie kennen vielleicht einen Nachbarn, dem es viel schlechter geht.

Ich interviewte einen 90-jährigen, blinden Mann, der Herz-Kreislauf-Medikamente nehmen muss. Er sagte, er sei zufrieden mit seiner neuen Freundin und seinen Hörbüchern.

Die grosse Mehrheit der älteren Menschen ist zufrieden mit ihrer Gesundheit.
Die grosse Mehrheit der älteren Menschen ist zufrieden mit ihrer Gesundheit. Bild www.age-report.ch

Immer mehr ältere Menschen nutzen das Internet sehr häufig. Welche Einflüsse hat die digitale Vernetzung?

Mehrheitlich positive. Es gibt zum Beispiel Apps, mit denen man Menschen in der Nachbarschaft findet, die die gleichen Interessen haben. Das Internet ist wertvoll, wenn es bestehende persönliche Kontakte ergänzt und verstärkt.

So können zum Beispiel alte Menschen die Kontakte zu ihren Enkeln stärken. Bei Jugendlichen weiss man: Wer viel im Internet ist, hat meist auch gute persönliche Kontakte.

Das Bild des Menschen, der an seinem Computer sitzt und vereinsamt, entspricht also nicht der Wirklichkeit.

Es gibt die kleine Gruppe der Computer-Autisten oder Leute, die lieber elektronisch kommunizieren als Leute zu treffen, weil sie es von zu Hause aus machen können.

Der Age Report zeigt auf, dass die älteren Menschen innovativer sind als vor 30 Jahren. Wie äussert sich das?

Sie nehmen an neuen Entwicklungen teil, passen die Wohnungen ihren Bedürfnissen an oder kaufen das neuste Auto. Es gibt viele kreative Aktivitäten. Die Mehrheit der Menschen zwischen 65 und 74 ist kreativ tätig. Sie sind in einer Musikgruppe, singen im Chor, schreiben Tagebücher oder malen. Sie organisieren Wanderungen oder leisten Freiwilligenarbeit.

Der Trend in Richtung aktives Alter hat sich verstärkt. 

Die Aktivitäten finden vor allem ausserhalb der Wohnung statt. Dies bestätigt sich auch bei Studien in Österreich: Die älteren Menschen erachten die Wohnumgebung für die Lebensqualität wichtiger als die Wohnung selbst. Eine altersgerechte Wohnung trägt nicht zu Lebensqualität bei, wenn sie in der falschen Umgebung ist.

Man hört vermehrt von Alters-Wohngemeinschaften. Gibt es mehr davon?

Obwohl die Zahl an hausgemeinschaftlichen Wohnprojekten zugenommen hat, ist der Anteil der gemeinschaftlich lebenden älteren Menschen gering geblieben. Nur eine Minderheit interessiert sich konkret für solche Wohnformen. Für die allermeisten Menschen ist Privatsphäre nach wie vor sehr wichtig, auch im Altersheim.

Laut Age Report hat sich die Nachbarschaftshilfe verstärkt. Sind wir fürsorglicher und aufmerksamer geworden?

Die Nachbarschaftshilfe erfährt seit ein paar Jahren eine Aufwertung, nicht nur bei älteren Leuten, sondern auch bei jungen Familien. Wir haben lange die Individualisierung propagiert. Jetzt gibt es Co-Working, oder junge Familien tauschen die Baby-Kleider aus.

Das Gemeinschaftliche und Genossenschaftliche erfährt in der Schweiz – mit deutlichen regionalen Unterschieden ­– eine Aufwertung.

Verschiedene Gemeinden stärken die nachbarschaftlichen Beziehungen, auch das ist eine neue Entwicklung. Eine positive Folge davon ist: Das Demenzrisiko wird reduziert, wenn man gute Beziehungen pflegt.

Die Studie zeigt: Ältere Menschen sind gesünder als früher. Welche Einflüsse haben dazu geführt?

Wir haben mehr Leute, die keine harte körperliche Arbeit leisten mussten. Wir haben mehr Leute mit einer guten Ausbildung, die ein entsprechendes Gesundheitsverhalten haben und sich besser ernähren. Das extrem gute Mikroklima der Schweiz verbessert die Gesundheit enorm.

Wir haben gut geheizte Wohnungen, die nicht feucht sind. Zudem hat es einen Ausbau der medizinischen Versorgung und der Altersvorsorge gegeben. Ein behinderungsfreies Alter wird zu je einem Drittel beeinflusst von der Altersvorsorge, der Besserstellung im psychologischen Bildungsbezug und von medizinischen Faktoren.

Die Nachbarschaftlichen Beziehungen erfahren in der Schweiz eine Aufwertung.
Die Nachbarschaftlichen Beziehungen erfahren in der Schweiz eine Aufwertung. Bild www.age-report.ch

Gesundheit im Alter hat gemäss Ihren Untersuchungen mit Bildung und Wohlstand zu tun. Gibt es da einen Trend Richtung Zweiklassengesellschaft?

Durch die zweite Säule geht es eher in Richtung Dreiklassengesellschaft. Dort gibt es extrem grosse Ungleichheiten, die noch zunehmen. Der Anteil derer, denen es gut geht, ist gestiegen. Aber es gibt nicht weniger Einkommensschwache.

Der Anteil der älteren Menschen, die Ergänzungsleistungen beziehen, ist konstant oder leicht gestiegen. Eine weiterer Ungleichheitsfaktor: Ein Teil der Leute ernährt sich gut, bewegt sich und bildet sich weiter. Dadurch können sie den Alterungsprozess verhindern oder mindestens aufschieben.

Andere machen gar nichts. Leute, die im Alten nichts mehr lernen, verlieren rasch ihre kognitiven Kapazitäten. Dies gilt auch für die Muskelkraft: Wenn man sich nicht bewegt, verliert man sie sehr rasch.

Konnte der Age Report weitere erfreuliche Entwicklungen aufzeigen?

Interessant ist, dass die meisten Leute am liebsten generationengemischt wohnen möchten. Gleichzeitig haben Formen von Wohnen mit Service einen starken Aufschwung erfahren.

Viele Alters- und Pflegeeinrichtungen haben eine deutliche Verbesserung erfahren.

Architektur und Pflege im Bereich Demenz haben sich verbessert. Man organisiert heute gezielte Wohn- und Lebensverhältnisse, die den Bedürfnissen von demenzkranken Menschen entgegen kommen.

Gibt es Entwicklungen, die Ihnen Sorgen bereiten?

Die Angehörigen haben höhere Ansprüche ans Wohnen als die älteren Menschen selbst und intervenieren teilweise zu viel. Belastend können auch alte, verpflichtende Familienmodelle sein, wenn zum Beispiel die Mutter der Ansicht ist, ihre Tochter müsse alles machen und die Spitex ablehnt.

Es sind teilweise hohe Anforderungen da, die zu Überlastungen und Überforderungen führen können. Negativ ist auch: 20 bis 25 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen sind depressiv. Sie waren schon vorher depressiv und sind es nicht, weil sie im Heim leben. In den Heimen gibt es heute auch mehr Bewohner mit Suchtproblemen als früher.

Ein weiteres Problem, das es in anderen Ländern weniger gibt: Es sind so viele Angebote vorhanden, dass es für die Angehörigen schwierig wird, herauszufinden, welches das passende ist. Wir haben starke Schnittstellenprobleme: Die Koordination von Pro Senectute, Mahlzeitendienst, Hauswirtschaftsdienst, Spitex, Arzt, Spital ist oft nicht optimal.

Nur wenige ältere Menschen fühlen sich einsam.
Nur wenige ältere Menschen fühlen sich einsam. Bild www.age-report.ch

Die Demenzstrategie des Bundes hat dies bisher nicht lösen können.

Ein grosses Problem ist auch, dass gemäss Krankenversicherungsgesetz nur die Pflege finanziert wird. Die Betreuung und Begleitung, die Menschen mit Demenz vor allem brauchen, hat man ausgeblendet. Das ganze Finanzierungssystem ist zu stark auf stationäre Pflege ausgerichtet. Auch die Hilflosenentschädigung ist noch zu eng auf körperliche Hilflosigkeit ausgerichtet.

Was muss müssen Politik und Wirtschaft unternehmen, damit ältere Menschen auch in der Zukunft eine hohe Lebensqualität haben?

Die Betreuung und die Begleitung muss verstärkt und finanziell besser unterstützt werden, auch auf nationaler Ebene. Die Ergänzungsleistungen müssen an die Entwicklung der Mietpreise angepasst werden.

Zu den Kernaufgaben von Städten und Gemeinden muss auch die Förderung der Gemeinschaft und der sozialen Unterstützung gehören.

Seniorenarbeit, junge Menschen helfen Senioren, Nachbarschaftshilfe, Gemeinschaftsräume und so weiter: Dies sollte behandelt werden wie die Versorgung mit Wasser und Elektrizität. Die kleinräumigen Netze, die in der Schweiz vorhanden sind, sollten gefördert werden. Dies hat nicht nur für ältere Menschen eine positive Wirkung, sondern auch für jüngere.

Unter dem Strich würde dies nicht einmal etwas kosten...

Ja, das geht in Richtung sozialer und gesundheitlicher Prävention. Zum Beispiel flächendeckende Tagesschulen mit Mittagstisch, an denen auch ältere Menschen teilnehmen können. Wahrscheinlich hätte dies eine grosse Wirkung.


→ Hier geht es zum TV-Interview mit François Höpflinger


 Alte Menschen sind heute benachteiligt auf dem Wohnungsmarkt...

Auf der einen Seite gibt es eine Privilegierung von alten Mietern. Wenn jemand lange in einer Wohnung ist, hat er relativ tiefe Mietkosten. Wenn die Wohnung gekündigt wird, gibt es ein Problem. Menschen ab 85 haben auf dem privaten Markt sehr viel Mühe, eine Wohnung zu finden.

Das liegt zum Teil daran, dass es nach einem Todesfall drei oder vier Monate geht, bis die Wohnung wieder frei ist. Bis die Miete von den Erben eingefordert werden kann, kann es lange dauern. Der Age Report zeigt auch auf, dass viele alte Menschen eine zu grosse Wohnung haben.

Sie behalten sie aber, weil es für sie schwierig und auch teurer werden kann, wenn sie in eine kleinere Wohnung wechseln. Die ältere Bevölkerung lebt daher häufig in unterbelegten Häusern und Wohnungen. Dies könnte zu einem brisanten Thema werden.

Es ist von Vorteil, wenn alte Menschen in der Nähe von Läden und ÖV wohnen können...

Die meisten älteren Menschen sagen, sie wollen im Zentrum leben. In einer Luzerner Gemeinde gibt es jetzt im Zentrum Alterswohnungen mit einer Bäckerei und einem Kaffee; die andere Bevölkerung ist auch involviert.

Das Problem in den Zentren sind die Bodenpreise. Viele Gemeinden haben in ihren Zentren keine öffentlichen Reserven mehr. Und im sozialen Wohnungsbau gibt es bei uns im Vergleich zu anderen Ländern grosse Lücken. Dies ist nicht nur für ältere Leute ein Problem.

Die vermehrte Nutzung des Internets stärkt die sozialen Kontakte – zum Beispiel zu den Enkeln.
Die vermehrte Nutzung des Internets stärkt die sozialen Kontakte – zum Beispiel zu den Enkeln. Bild www.age-report.ch

Bei den altersfreundlichen Lebensräumen gäbe es noch viel Luft nach oben: Es braucht mehr Sitzgelegenheiten, klarere Wegweisungen...

Auch die Beleuchtungen sollten richtig eingestellt sein, es sollte weniger Schwellen geben und grössere Schriften auf Informationstafeln. Wenn die Leute aber nicht mehr mobil sind, sollte jemand zu ihnen kommen.

Es gibt Tandem-Projekte: Die Spitex nimmt jemanden mit, vielleicht auch eine ältere Person, die zum Beispiel Karten spielen kann oder fragen, ob es Einkäufe braucht oder ob es ein Problem gibt.

Das Projekt Socius hat unter anderem aufgezeigt: Es gibt mehr Menschen, die helfen wollen, als Menschen, die Hilfe annehmen wollen...

Gewisse Leute umzäunen sich in ihren Einfamilienhäusern und wollen niemanden hereinlassen. Hier ist die Individualisierung so stark vorangetrieben, dass sie nicht mehr zurück können. Wir erleben auch, dass sich alte Menschen beklagen, weil sich niemand um sie kümmert.

Wenn sich aber jemand um sie kümmert, beklagen sie sich über die Einmischung.

In St. Gallen gibt es ein Zeitgutschriftensystem: Wer sich um alte Menschen kümmert, hat später selber Leistungen zu Gute. Das hilft, weil die Menschen, denen geholfen wird, wissen, dass der Helfende auch etwas davon hat.

Man ist eher bereit, den Pizzaservice gegen Bezahlung zu bestellen als die Nachbarin, die gratis kochen würde. In vielen Fällen geht es auch nicht um wirkliche Hilfe, sondern um soziale Kontakte.

Sie sind 71 und arbeiten noch 60 bis 70 Prozent. Viele Menschen fürchten sich davor, in Ihrem Alter noch arbeiten zu müssen...

Längerfristig wird das Rentenalter in der Schweiz erhöht werden müssen.

Wenn ein Politiker so etwas sagt, wird er abgewählt.

Im Moment ist die Mehrheit dagegen. Der Arbeitgeberverband ist dafür, aber die Mehrheit seiner Mitglieder ist nicht begeistert davon. Wenn die Mitarbeiter länger arbeiten sollen, muss man sie humaner behandeln. Eigentlich muss man die Arbeit ganz anders organisieren.

Die Lebenserwartung ist weiter gestiegen.
Die Lebenserwartung ist weiter gestiegen. Bild www.age-report.ch

Wie denn?

Es braucht neue Formen von Karriere, es braucht neue Generationenbeziehungen, es braucht ein lebenslanges Lernen und es braucht Ruhezeiten. Es braucht Bogenkarrieren, in denen die Mitarbeiter rechtzeitig Verantwortung an Jüngere abgeben können.

Es braucht auch Teilzeit- und Teilrentenmodelle. Man sollte zum Bespiel die Möglichkeit haben, ein Jahr Rente zu beziehen und dann wieder einsteigen zu können. Oder zu 50 Prozent Rente beziehen und zu 50 Prozent arbeiten. Das kann man im Moment nicht. Es braucht in gewissen Berufen auch eine körperliche Entlastung.

Ich bin 54. Wird mein Alter schwieriger verlaufen als Ihres?

Eindeutig. Die Babyboomer waren privilegiert, sie sind ins Berufsleben eingetreten, als es praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit gegeben hat. Sie haben vom Ausbau des Gesundheits- und Sozialsystems profitiert.

Die Babyboomer haben mehr vom Wohlstand profitiert als andere.

Heute wissen junge Leute, dass sie nicht bis zur Pensionierung den gleichen Beruf haben werden. Das Ausbildungsniveau der Jüngeren ist aber so gut, dass sie besser mit Veränderungen umgehen können.

Die Babyboomer haben die Scheidung entdeckt, und die Jüngeren entdecken die gute Beziehung, die offener geworden ist. Da verändert sich etwas, man merkt wieder, dass es wichtig ist, familiäre Beziehungen zu pflegen.

erschienen: 19.11.2019

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