Ärztetarif Tarmed

Menschen mit Demenz kommen zu kurz

Bundesrat Alain Berset zieht die Tarifschraube an. SRF

Alzheimer Schweiz fordert eine Korrektur der TARMED-Revision. Die Limitierung der ärztlichen Konsultationen treffe hochbetagte und Menschen mit Demenz besonders hart. Diese Patienten benötigten mehr Zeit für eine Diagnosestellung. Die Vorlage des Bundesrats sei mit den Zielen der Nationalen Demenzstrategie nicht vereinbar.

Von Alzheimer Schweiz

Alzheimer Schweiz und ihre 21 kantonalen Sektionen sind besorgt über den bundesrätlichen Änderungsvorschlag der Verordnung über die Festlegung und die Anpassung von Tarifstrukturen in der Krankenversicherung (TARMED-Revision). Die Beschränkung der medizinischen Konsultationen betrifft Menschen mit Demenz besonders stark, wie auch die Limitierung der ärztlichen Beratung in Abwesenheit des Patienten.

Was ist der Tarmed?

Das meiste, was Ärzte in ihren Praxen machen und vieles von dem, was sie im Spital tun, wird mit dem Tarmed abgerechnet. Der Tarmed ist also der Tarif für Ärzte schlechthin. Er regelt, wie viel ein Arzt fürs Aktenstudium, die Blutentnahme, den Eingriff am Auge, die Beratung der Patientin etc. verlangen darf. Man könnte auch sagen, der Tarmed legt fest, wie viel Ärzte letztlich verdienen und wie viel Patientinnen respektive Krankenkassen bezahlen müssen.

Es liegt in der Natur der Demenzerkrankung, dass diese Abklärungen oft sehr komplex und zeitintensiv sind. Für eine korrekte Diagnose sind zudem häufig ergänzende Konsultationen in Abwesenheit der Erkrankten nötig.

Die Bedürfnisse der hochbetagten Bevölkerung und der Menschen mit kognitiven Einschränkungen werden mit der aktuellen Vorlage nicht mehr angemessen berücksichtigt. Die TARMED-Revision stellt die künftige Versorgungsqualität demenzkranker Personen in Frage. Denn für diese vulnerable Gruppe ist auch die ärztliche Begleitung nach Diagnose deutlich zeitaufwändiger als bei jüngeren Patienten.

Aufenthalte in Akutspitälern vermeiden

Menschen mit Demenz benötigen eine engmaschige medizinische Begleitung, um auf die teilweise rasch wechselnden gesundheitlichen Probleme angemessen eingehen zu können. Durch eine fortlaufende Zusammenarbeit zwischen den Therapeuten, dem Pflegepersonal und den Angehörigen können viele unnötige, teure und für die Menschen mit Demenz belastende Aufenthalte in Akutspitälern vermieden werden (die wiederum häufig zur Verschlechterung der Gesundheitssituation und damit zu Folgekosten beitragen).

Die aktuelle TARMED-Revision führt zu einer Fehlversorgung älterer Menschen und vor allem zu einer Unterversorgung von Menschen mit Demenz. Dies widerspricht ganz klar den Zielen der Nationalen Demenzstrategie (NDS).

Alzheimer Schweiz bittet den Bundesrat, die dargelegten demenzspezifischen Aspekte wohlwollend zu prüfen und bei der Weiterbearbeitung der TARMED-Revision zu berücksichtigen, um die Gesundheitsversorgung von der wachsenden Gruppe von Menschen mit Demenz in der Schweiz nicht zu verschlechtern.

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