Bildung

Die Angebote werden zu wenig genutzt

Es fehlt an Kompetenzen im Umgang und in der Kommunikation mit Menschen mit Demenz.
Es fehlt an Kompetenzen im Umgang und in der Kommunikation mit Menschen mit Demenz. Bild Dominique Meienberg

In der Schweiz gibt es im Bereich Demenz genügend Bildungsangebote. Eine Studie zeigt nun auf, dass diese zu wenig genutzt werden. Eine bessere Koordination und Förderung der Bildung soll die Situation verbessern.

Von Martin Mühlegg

«Fachpersonen in allen relevanten Gesundheits- und Sozialberufen verfügen über die in ihrem Berufsfeld erforderliche Handelskompetenz», heisst es unter «Ziel 7» in der Nationalen Demenzstrategie 2014–2017. Weiter steht unter «Projekt 7.1», der berufs- und fachbereichsbezogene Bedarf solle abgeklärt und für alle Berufsgruppen bereitgestellt werden. Mit diesen – und vielen weiteren Massnahmen – will sich der Bund den Herausforderungen der Zukunft stellen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rechnet mit einer massiven Zunahme der Demenzerkrankungen in den kommenden Jahrzehnten. Heute leben in der Schweiz rund115 000 Menschen mit Demenz. 2030 könnten es doppelt und 2060 dreimal so viele sein. 

Damit Menschen mit Demenz in Zukunft angemessen diagnostiziert, betreut und gepflegt werden können, hat das BAG die Studie «Ausbau der demenzspezifischen Aus-, Weiter- und Fortbildung» in Auftrag gegeben. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Beratungsunternehmen econcept, Sonnweid der Campus und weiteren Institutionen durchgeführt. Die Resultate wurden im Frühjahr 2016 veröffentlicht.

Lücken in Umgang und Kommunikation

Die Studie kommt zum Schluss, dass es Lücken gibt in den demenzspezifischen Kompetenzen. Rund 50 bis 70 Prozent der Mitarbeiterinnen im Bereich stationäre Pflege und Betreuung sind ohne einschlägige Ausbildung tätig. Die Lücken können teilweise durch Erfahrung und Weiterbildungen geschlossen werden.

Speziell in Akutspitälern fehlt es dem Pflegepersonal an demenzspezifischen Kompetenzen. Auch im Sozialbereich fanden die Verfasser der Studie Lücken.

Im Medizinalbereich sind Kompetenzen in Diagnose und Grundlagenwissen zu Therapien gut vorhanden. Doch es fehlt an Kompetenzen im Umgang und in der Kommunikation mit Menschen mit Demenz. Die mit der Studie beauftragten Experten zeigen auf, dass es in der Schweiz genügend Bildungsangebote gibt.

Lücken sind allenfalls bei den Angeboten für Personen ohne einschlägige Ausbildung vorhanden. In den bestehenden Ausbildungen gibt es bei den Inhalten «Umgang und Kommunikation» Verbesserungspotenzial.

Das Angebot ist unübersichtlich 

Gutes Bildungsangebot, aber zu wenig Kompetenz in der Praxis: Dies zeigt auf, dass die bestehenden Bildungen zu wenig genutzt werden. Die vom BAG beauftragten Experten kommen zum Schluss, dass es den Institutionen an Geld und personellen Ressourcen für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter fehlt. Zudem ist das Bildungsspektrum sehr heterogen und unübersichtlich, was den Zugang erschwert. 

Die Studie hält fest, dass das Demenz-Engagement der Kantone stark variiere. Das BAG will nun die Gesundheitsdirektoren der Kantone (GDK) für eine aktivere Förderung gewinnen. In diesem Zusammenhang soll auch das Instrument des Stellenschlüssels für Pflegeinstitutionen geprüft und überdacht werden. 

Allenfalls sollen Vorgaben und Subventionen zum Besuch jährlicher Weiterbildungen eingeführt werden. Damit sollen die Institutionen stärker in die Pflicht genommen werden. Zudem soll das Bildungsangebot besser koordiniert werden. Ähnlich wie im Bereich Palliative Care könnten Standards und Qualitätssicherung eine Verbesserung bringen.

 

erschienen: 20.10.2016

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