Interview

«Mit kompetenten Partnern eine gute Leistung erbringen»

Urs Fischer ist der neue Präsident der Stiftung Sonnweid. Der Versicherungsagent und ehemalige Gemeindepräsident möchte Akzente setzen bei der Vernetzung und Aufklärung.

Von Martin Mühlegg

alzheimer.ch: Herr Fischer, weshalb engagieren Sie sich seit dem Frühjahr für die Stiftung Sonnweid?

Urs Fischer: Michael Schmieder hat mich mit dem Thema vertraut gemacht. Ich erinnere mich an sein Referat an einer Kiwanis-Veranstaltung. Seine Schilderungen zur Krankheit waren so eindrücklich, dass es zum Schluss keinen Applaus gab, sondern Totenstille herrschte. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine Freundschaft.

Urs Fischer
Urs Fischer Bild Véronique Hoegger

Viele Menschen fürchten sich vor der Auseinandersetzung mit Demenz. 43 Prozent der Schweizer wollen lieber tot sein als dement. Woher kommt Ihr Interesse?

Ich habe grossen Respekt vor der Begegnung mit Menschen mit Demenz – vor allem, wenn sie im späten Krankheitsstadium sind. Wir dürfen die Augen nicht davor verschliessen, dass es in Zukunft noch mehr Menschen mit Demenz geben wird. Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass diese Menschen in Würde leben können.

Haben Sie einen persönlichen Bezug?

Zum Glück ist mein Umfeld verschont geblieben. Es gibt Fälle von Altersdemenz, aber das ist nicht das Gleiche, wie wenn ein relativ junger Mensch an Demenz erkrankt.

Inwiefern hatten Sie als Gemeindepräsident Wetzikons mit Demenz zu tun?

Ich besuchte jährlich alle Arbeitgeber, die mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen. In meinem Amtals Gemeindepräsident traf ich Michael Schmieder also acht Mal in der Sonnweid. Ich war immer sehr beeindruckt davon, wie in der Sonnweid gearbeitet wird.

Im Frühjahr sind Sie Präsident der Stiftung Sonnweid geworden. Wie sind Sie an diese Aufgabe herangegangen?

Ich habe mich ins Thema gelesen. Es gibt extrem viele Unterlagen und Bücher, auch innerhalb der Sonnweid. Ich musste die Strukturen kennenlernen und wollte wissen, wie dieser Betrieb und seine Mitarbeitenden funktionieren. Ich bin extrem offen empfangen worden.

Es ist immer eine Freude, hierherzukommen. Auch bei den Kontakten mit den Bewohnern ist es mir wohl. Die Lage und das Klima hier sind sensationell.

Was haben Sie bei der Lektüre bisher herausgefunden?

Ich kenne jetzt die Projekte und Strukturen der Stiftung. Fachlich ist der Bildungsordner «Demenz verstehen – Leitfaden für die Praxis» ein idealer Einstieg. Ich muss nicht pflegen, aber ich will wissen, worum es geht. Die Menschenwürde stellt man hier über alles, und wenn man den Ordner liest, zieht sich diese Haltung durch.

Sie sind seit vielen Jahren Generalagent der Mobiliar-Versicherung Wetzikon-Pfäffikon. Sind Sie gerne auf der sicheren Seite?

Ja, ich habe gerne einen Plan B im Sack. Egal, was ich mache: Ich will gut vorbereitet sein und mich mit den Dingen auseinandersetzen. Ich will meinen Diskussionspartnern ebenbürtig sein. Auch als Gemeindepräsident wollte ich die Dossiers meiner Ratskollegen mindestens so gut kennen wie sie selbst.

Meine Absicht ist, mit kompetenten Partnern eine gute Leistung zu erbringen.

Was haben Sie sich vorgenommen, nachdem Sie sich ins Thema eingelesen haben?

Mein Grundsatz ist: Man soll Ziele gemeinsam erreichen. Deshalb treffe ich seit meiner Wahl viele Leute zu Gesprächen. In einem zweiten Schritt will ich Verbindungen aufbauen zu anderen Institutionen. Schon als Gemeindepräsident waren Vernetzungen mein wichtigstes Anliegen.

Die Stiftung Sonnweid unterstützt die Betreuung von Menschen mit Demenz und die Wissensvermittlung. Wird es unter Ihnen eine andere Ausrichtung geben?

Der ursprüngliche Zweck der Stiftung ist es, Sonnweid das Heim und seine Bewohner zu unterstützen. Dies wird unter mir so bleiben. Wir müssen aber mit der Aufklärung und Wissensvermittlung mehr Menschen erreichen. Dort wollen wir künftig mehr Akzente setzen.

Ist die neue Webseite alzheimer.ch, die zu einem grossen Teil von der Stiftung finanziert wird, Teil dieses Gedankens, dieses Konzepts?

Wir haben das Privileg, mit der Internet-Adresse www.alzheimer.ch viele Betroffene und Angehörige zu erreichen. Diese Chancen wollen wir optimal nutzen mit vielen Informationen, Aufklärungen und Diskussionsebenen. Das Projektteam macht da einen grossartigen Job, den die Stiftung auch mittelfristig unterstützen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch.

erschienen: 15.09.2016

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