Dementieren zwecklos

So ein Theater um die Demenz

Die ganze Gesellschaft sollte sich um Menschen mit Demenz kümmern, nicht nur einzelne Angehörige, denen die Betreuung schnell über den Kopf wächst, sagt Uwe Spille.
Die ganze Gesellschaft sollte sich um Menschen mit Demenz kümmern, nicht nur einzelne Angehörige, denen die Betreuung schnell über den Kopf wächst, sagt Uwe Spille. Bild PD

Schauspieler Uwe Spille hat mit «Dementieren zwecklos» ein Theaterstück zum Thema Demenz geschrieben. Gemeinsam mit Schauspielkollegin Britta Martin möchte er aufrütteln, zum Denken anregen und einfach Theater machen.

Von Petra Schanz

Irene und Heinz sind ein Ehepaar – sie 66, er 68 Jahre alt. Die beiden geniessen ihren Ruhestand. Heinz ist ein etwas eigenartiger Kauz, der schwarzen Humor und Bücher liebt. Und seine Frau Irene. Zum Glück, denn eines Tages erfährt Irene, dass sie an Demenz leidet. Wie wird es mit dem Paar weitergehen? Wie werden die beiden mit Diagnose, Medikamenten und Abbau der kognitiven Fähigkeiten umgehen?

Das Stück

Das Schauspiel «Dementieren zwecklos» mit Elementen aus Cabaret, Drama und Komödie entstand 2013/2014 als Auftragswerk durch eine Kooperation des Brennpunkt-Theaters, des Gesundheitsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis sowie des Arbeitskreises Demenz. Autor, Schauspieler und Komödiant Uwe Spille erarbeitete das Stück in einer 10-monatigen Recherche. Die Erstaufführung fand 2014 statt, seit 2016 tritt Spille mit Schauspielkollegin Britta Martin mit dem Stück vor allem in Süddeutschland auf.

Irene und Heinz könnten durchaus ein echtes Paar sein, doch Sie sind die Protagonisten im Theaterstück «Dementieren zwecklos» des Schauspielers Uwe Spille.

Spille möchte sein Theatertück dort aufführen, wo sich das normale Publikum trifft, mit dem Ziel, so viele Leute wie möglich zu erreichen, die sich noch nicht mit dem Thema befasst haben.

«Das Stück soll auch jüngere Menschen ansprechen, denn Demenz findet nicht nur im hohen Alter statt», sagt Spille, «schliesslich sollte man sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen.»

Britta Martin und Uwe Spille stehen nicht nur als Irene und Heinz auf der Bühne, sondern nehmen zwischendurch immer wieder die Rolle von Moderatoren ein. Als solche suchen sie das Gespräch mit dem Publikum und stellen auch mal unbequeme Fragen.

Spille interessiert das Thema Demenz aus verschiedenen Gründen. Einerseits hat er im eigenen Umfeld damit zu tun: «Ich habe ja auch Eltern und gehe zudem selbst auf die 60 zu.»

Andererseits interessiert ihn das Thema aus gesellschaftspolitischer Sicht. «Es stellen sich mir viele Fragen über unser Gesundheitssystem, den Gesundheits- und Heilungswahn, die Medikamente und die Pharmaindustrie.» Fragen, die sich auch andere stellen, ist Spille überzeugt.

Wenn er in der Gesellschaft etwas ändern könnte, würde er vor allem eine andere Sichtweise empfehlen, statt immer nur die Krankheit zu sehen.

«Es gibt Kulturen, in denen Menschen mit Demenz verehrt werden, weil man davon ausgeht, dass sie ihren Verstand an die Kinder weitergeben.»

Überhaupt, es sollte sich die ganze Gesellschaft um Menschen mit Demenz kümmern, statt nur einzelne Angehörige, denen die Betreuung schnell über den Kopf wächst, findet Spille. Und: «Warum nicht mehr generationenübergreifende Wohnprojekte staatlich fördern?»

Mit solchen Wohnprojekten spricht der Autor und Schauspieler ein weiteres Thema seines Stücks an. Das Ehepaar zieht nämlich, als die Demenz fortschreitet, mit Heinz’ Sohn zusammen.

Dass das Stück eine Utopie sei, bekommt Spille immer wieder mal als Rückmeldung zu hören: «Uns ist vollkommen klar, dass es nicht lustig und auch nicht schön ist, wenn ein Angehöriger dement wird.» Man müsse das Thema aber – gerade weil es so schwer ist – nicht noch schwerer machen, indem man schwer darüber spricht oder berichtet.

«Ich wollte etwas Positives kreieren», sagt Spille, «denn so utopisch ist das Ganze nun auch wieder nicht.» Auf die Idee mit dem generationenübergreifenden Wohnprojekt hatte ihn ein Freund gebracht, der diese Option für sich und seine an Demenz erkrankte Frau wählte.

«Die meisten Feedbacks zum Stück sind positiv. Ein Stück zwischen Lachen und Weinen ist es geworden, und damit sehr bewegend.»

Über die Jahre haben Spille und Martin das Stück laufend angepasst. «Es wurde kabarettistischer. Es enthält mehr ironische und humorvolle Elemente», erzählt Spille. Je nach Auftrittsort und Art des Publikums werde auch improvisiert. Als Clown und Kabarettist sei er es gewohnt, spontan mit dem Publikum zu interagieren.

Das Duo spielte auch schon in einem Wohnzimmer vor 40 Leuten. Viel mehr als einen Tisch und ein paar Stühle braucht es für ihr Stück nicht. Es lässt sich daher relativ leicht buchen. In der Schweiz spielten die beiden bisher noch nicht: «Wir kommen aber gerne, wenn wir eingeladen werden», so Spilles Kommentar.

Ein Stück zwischen Lachen und Weinen.
Ein Stück zwischen Lachen und Weinen. Bild PD

erschienen: 27.06.2018

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