Forderungen

Die Sache mit dem Geld

Pflegefachpersonen sind hochkompetent und ein sehr wichtiger Teil des Gesundheitswesens.
Pflegefachpersonen sind hochkompetent und ein sehr wichtiger Teil des Gesundheitswesens. Bild PD

Die Pflegehexe will mehr Ausbildung, mehr Autonomie, mehr Zeit und bessere Arbeitsbedingungen. Derweil reden die Politiker lieber über die Löhne der Pflegenden.

Von Madame Malevizia

Unser Berufsverband SBK hat in einem offenen Brief an das Bundesparlament seine Forderungen gestellt. So deutlich und klar wie noch nie kommt dieser offene Brief daher.

Nun kann ich fasziniert, konsterniert und zunehmend ungeduldig feststellen, dass wir in der Öffentlichkeit wieder nur über einen einziges Thema diskutieren: Über das Geld, respektive den Lohn der Pflegefachpersonen.

Ich habe echt das Gefühl, mich in einer Dauerschleife zu befinden, denn diese Debatte führen wir seit Beginn der Pflegeinitiative. Und sie nervt mich, weil es nicht das ist, worum es eigentlich geht. Die Forderungen des SBK, die ich vollumfänglich unterstütze, sind folgende:

Wir fordern Taten. Leere Worte haben wir genug gehört!

  1. Wir fordern eine massive Ausbildungsoffensive! Dass die Schweiz nicht einmal die Hälfte des benötigten Pflegefachpersonals ausbildet, ist ein Armutszeugnis. Die Auslandsabhängigkeit ist gefährlich und ethisch nicht vertretbar.
  2. Wir fordern, dass die Autonomie der Pflege endlich anerkannt wird! Die Pflege ist gesetzlich immer noch als medizinischer Hilfsberuf eingestuft. Pflegefachpersonen sind jedoch hochkompetente Gesundheitsfachpersonen, die dank ihrer Ausbildung wesentlich dazu beitragen, dass unser Gesundheitssystem für alle Herausforderungen gerüstet ist.
  3. Wir fordern mehr Zeit für Pflege! Unsere Berufsleute pflegen Menschen. Wir fordern ein Ende der Pflege «à la minute». Nicht das Geld, sondern die Patientinnen und Patienten müssen im Mittelpunkt stehen. Wir fordern deshalb dem Pflegebedarf angepasste Personalschlüssel.
  4. Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen, und zwar jetzt! Die Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass mehr Menschen den Pflegeberuf ergreifen, ihre Laufbahn darin planen und so ein Berufsleben lang gesund und motiviert in der Pflege arbeiten können.

In keiner dieser Forderungen ist von Geld die Rede! Warum zum Teufel ist das aber jetzt wieder das einzige Thema? Ich sehe dies als ein Ausweichen auf eine Nebenbühne. Denn wenn sich Herr und Frau Politiker auf die Hauptbühne begäben, könnte das viel Arbeit bedeuten.

Darum versuchen sie jetzt lieber, es so zu machen wie immer: Laut lamentierend zu erklären, warum Pflegende nicht mehr Geld benötigten. Kleinreden, was offensichtlich ist: Mit ihrer Ignoranz und ihrer Sparpolitik im Gesundheitswesen tragen sie die Verantwortung für den Shutdown dieses Landes.

Ich rufe unser Bundesparlament dazu auf, diese Strategie zu beenden und endlich zuzuhören!

Tun sie es, werden sie erfahren, dass Pflegende im Erhöhen des Salärs nicht die Lösung all ihrer Probleme sehen. Es gib zwar durchaus Gründe, weshalb Pflegende mehr Lohn erhalten sollten, doch noch viel dringender möchten Pflegende etwas ganz anderes.

Nämlich Rahmenbedingungen, die es ihnen erlauben, ihren Job so auszuführen, wie sie es gelernt haben. Sie möchten ein Arbeitspensum aufgetragen bekommen, welches in der regulären Zeit bewältigbar ist. Und dazu soll das Bundesparlament die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen.

Wenn an den momentanen Zuständen etwas geändert werden soll, muss in die Pflege investiert werden.

Ich bin überzeugt davon, dass dieses Geld, sehr gut angelegt sein wird. Eindrücklich haben wir jetzt erfahren, was es bedeutet, wenn im Gesundheitswesen die Ressource «Pflegefachperson» zu gering ist.

Der Schaden für die Wirtschaft und damit auch für die Menschen ist noch nicht absehbar. Ich erwarte, dass das Bundesparlament dafür die Verantwortung übernimmt und alles daran setzt, dass eine solche drastische Massnahme nicht noch einmal nötig sein wird.

Ihre Madame Malevizia

erschienen: 06.05.2020

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