Nicht nur Fritz braucht Freunde

10. April 2017  

Der an Demenz erkrankte Fritz Künzli und seine Ehefrau Monika Kaelin erhalten viel Zuspruch. Weniger prominente Betroffene sind leider oft auf sich allein gestellt.

Von Martin Mühlegg

«Sympathiewelle für Fritz Künzli», hiess es am Samstag im «Blick». Unzählige Zuschriften hätten die Fussballlegende erreicht, deren Demenzerkrankung vergangene Woche bekannt geworden war. Es ist ihm und seiner Ehefrau Monika Kaelin zu gönnen. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen brauchen ein intaktes soziales Umfeld, das Zuspruch und Entlastung spendet. Es unterstützt das Selbstvertrauen des Betroffenen. Die betreuenden Angehörigen erhalten Freiräume und können Kraft tanken. Verwandte, Freunde, Kollegen und Nachbarn spielen dabei eine sehr wichtige Rolle.

Leider erfahren sehr viele Menschen mit Demenz nicht diese Solidarität. Vergangene Woche hörte ich von einem Betroffenen, dass seine Freunde und Kollegen von früher «nicht mehr da» seien. Mein Schwiegervater war in mehreren Vereinen und ging vielen ehrenamtlichen und gemeinnützigen Aufgaben nach. Zu seinen Geburtstagsfeiern kamen – neben der Familie – sehr viele Freunde. Nachdem er an Alzheimer erkrankt war, konnte man seine Freunde an einer Hand abzählen. Manche wechselten sogar die Strassenseite, weil sie ihm nicht mehr begegnen wollten. Zur Beerdigung kamen sie dann alle wieder.

Sie taten dies nicht, weil sie schlechte Menschen sind. Der Grund für diese Scheu ist ihre Unkenntnis der Krankheit. Sie sind überfordert und wissen nicht, was sie mit einem Menschen anfangen sollen, der komische Sachen oder gar nichts mehr sagt. Der sich nicht so verhält, wie es sich geziemt und damit andere Menschen brüskiert. Eine Rolle bei dieser Scheu spielen auch die Trauer über den «Verlust» einer geschätzten Persönlichkeit und die Angst davor, selbst an einer Demenz zu erkranken.

Die betreuenden Angehörigen können aber etwas unternehmen. Angesagt sind Offenheit und Aufklärung. Sinnvoll ist es, sich nach der Diagnose zu outen. Die nächsten Angehörigen sollten Verwandten, Freunden, Kollegen und Nachbarn mitteilen, was der Betroffene hat, was ihm guttut und wie man ihn unterstützen kann: Indem man ihn beim Spazieren begleitet, ihm die Zeitung vorliest, Besorgungen macht, Ausflüge unternimmt, Spiele spielt usw.

Ich hoffe, dass die Sympathie- und Solidaritätswelle für Fritz Künzli und Monika Kaelin nicht nur mit dem Starstatus des Ehepaars zu tun hat. Ich wünsche den beiden das Beste und hoffe, dass dieser Fall viele Gesunde daran erinnert, dass sie ihren früheren Freund, der jetzt an einer Demenz erkrankt ist, Gesellschaft leisten könnten.

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