«Die merken ja eh nichts mehr»

22. Juni 2016  

Ist Luxus für Menschen mit Demenz tatsächlich notwendig?

Von Michael Schmieder

Als erstes gilt es zu definieren, was wir als Luxus bezeichnen: die schöne Umgebung, das schöne Zuhause, das designte Heim, genug und wohlwollendes Personal, fachlich gutes Personal? Es gibt viele Aspekte von Luxus. Das Wohnen in schönen Räumen, genug Platz haben, drinnen und draussen sein können, freien Zugang zur Welt. Dies alles sind Luxusgüter, die eigentlich normal sein sollten.

Hinzu kommen Räume, die schön gestaltet sind, mit Materialien, die echt sind; sie strahlen einen gewissen Wert aus, sind einfach zu verstehen, taktil angenehm und vermitteln so den Menschen, die sich in diesen Räumen bewegen, einen Wert. Räume drücken eben auch einen Wert aus für die Menschen, welche diese Räume nutzen. «Das ist für mich so schön» ist das, was der Mensch erfährt und damit drücken wir eben auch eine Haltung aus.

Wenn die Räume nur «zweckmässig» sind, dann drücken wir eben auch diese Haltung aus. Schöne Umgebung wird wahrgenommen, zwar oft nicht bewusst, aber gerade deshalb noch stärker.

Kunstvolle Blumenarragements stehen in der Sonnweid an zentralen Orten und sie werden praktisch nicht berührt, sie zieren den Raum und wirken auf die Menschen ein. In wertvoller Umgebung nimmt der eigene Wert eben zu und das berührt den Menschen und ermöglicht so wertvolle Begegnungen. 

Gleichzeitig erzeugt eine schöne Umgebung auch bei Angehörigen ein anderes Gefühl, als wenn sie den Erkrankten in Räumen wissen, in denen sie selber nie sein wollten. Und in schönen Räumen zu arbeiten, ist ein Luxus, den wir den Pflegenden gewähren sollten. Deren Arbeit ist schwierig genug.  

Luxus, so verstanden, ist das, was den Menschen positiv berührt und ist Teil des Puzzles, um das Leben von Menschen mit Demenz so angenehm wie möglich zu machen. Dieser Luxus muss deshalb zum Normalsten der Welt werden. «Sie merkens eben doch – und wie!»

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