Freud und Leid der Prävention

22. Mai 2017  

Täglich verbreitet die Wissenschaft neue Erkenntnisse zur Demenz-Prävention. Es ist anstrengend und manchmal auch verwirrend, all diese Informationen in den Alltag zu integrieren.

Von Martin Mühlegg

Man hat es gut, wenn man auf der Redaktion von alzheimer.ch arbeitet. Hier gehen nämlich täglich sehr wertvolle Informationen ein. Sie helfen mit, mein Leben zu verlängern. Oder zumindest auf absehbare Zeit hin nicht an einer Demenz zu erkranken. 

Letzte Woche meldete ich mich an zu einem Vertiefungskurs in Englisch. «Zweisprachigkeit bremst Alzheimer aus», hatte kurz zuvor die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag berichtet. Damit auch mein Hund etwas davon hat, spreche ich mit ihm morgens Englisch und nachmittags Deutsch.

Mein Lieblingsforscher ist Jeremy Spencer. Er arbeitet an der Reading University in England. Er fand heraus, dass drei Gläser Champagner pro Tag einer Demenz vorbeugen. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass ich den Konsum auf den ganzen Tag verteilen muss, damit der Champagner seine volle antidemenzielle Wirkung entfalten kann.

Mein Kollege auf der Redaktion findet das nicht so toll, weil ich nun mehr Fehler mache und manchmal auch noch dazu singe. Ich versuche ihn nun davon zu überzeugen, die Sache langfristig zu betrachten. Lieber jetzt ein paar Fehler machen, als in fünf Jahren nicht mehr zu wissen, wozu ein Computer da ist.

Auch Andreas Zimmer von der Universität Bonn verbreitete kürzlich erfreuliche Nachrichten. Er hat herausgefunden, dass sich bei älteren Mäusen die Hirnleistung verbessert, wenn sie regelmässig Cannabis verabreicht bekommen. Diese Präventionsmassnahme stellt aber Redaktoren vor grosse Probleme. Haben Sie schon mal versucht, bekifft einen Text zu schreiben oder redigieren? Es ist ziemlich schwierig, kann ich Ihnen sagen!

Weniger attraktive Präventionsmassnahmen gegen Demenz schlägt Reader’s Digest vor: Schachspielen soll geistig fit halten. Dazu bin ich – vor allem unter der Wirkung von Champagner – zu ungeduldig. Damit ich meine Ungeduld in den Griff bekomme, mache ich jetzt Yoga. Dies soll auch gegen Demenz helfen, berichtet Die Welt.

Schwarzen oder grünen Tee zu trinken macht nicht so viel Freude, wie Champagner zu trinken. Aber vorbeugend gegen Demenz wirkt auch dies, heisst es in einer Studie der Universität Singapore. Also trinke ich zwischen den Champagnern stets eine Tasse Grüntee.

Auf künstliche gesüsste Softdrinks zu verzichten, macht mir gar nichts aus. Ich mied diese Getränke schon immer, weil sie scheusslich schmecken und voller Chemie sind. Jetzt habe ich noch einen Grund mehr, sie zu meiden: Forscher der Universität Boston konnten nachweisen, dass die künstlichen Süssstoffe das Risiko einer Demenz oder eines Schlaganfalls erhöhen.

Wenn man Demenzprävention erst nimmt, macht man sich unbeliebt. Nicht nur, weil man ständig besoffen und oft bekifft ist, sondern weil man auch noch stinkt. Die Deutsche Alzheimergesellschaft e.v. schreibt, Aluminium begünstige die Ablagerung des Amyliod-Proteins im Gehirn, das zu Alzheimer führt.

Weil viele Deos Aluminiumsalze enthalten, die über kleinste Hautverletzungen in den Körper eindringen, verzichte ich jetzt darauf. Derweil will mein Kollege nicht mehr im gemeinsamen Büro arbeiten. Es wäre aber fatal, allein im Büro zu sein.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend teilt mit, dass soziale Aktivitäten nachweislich dazu beitragen, das Demenz-Risiko zu senken. Ich muss also dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz gegenüber von meinem wiederbesetzt wird. Vor einigen Jahren arbeitete ich mit einer Journalistin, die durch eine schiefgelaufene Operation ihren Geruchssinn verloren hatte. Ich werde sie heute noch anrufen.

Vorsorglich hat sich das Gegenüber mit einer Taucherbrille gegen Russ-, Feuchtigkeits- und Geruchsemissionen ausgestattet. So sei es einigermassen erträglich, wird aus den Räumlichkeiten der Redaktion berichtet. (Anmerkung der Redaktion)

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