Betroffen

Meine Mutter hat Demenz (2.Teil)

Es beruhigte mich, dass Mutter noch erstaunlich gut zu Fuss war. Lediglich beim Treppensteigen musste ich sie gleich an der Eingangstüre abholen und zu mir in den zweiten Stock hinauf begleiten. Aber wer steigt
schon gern Treppen?
Es beruhigte mich, dass Mutter noch erstaunlich gut zu Fuss war. Lediglich beim Treppensteigen musste ich sie gleich an der Eingangstüre abholen und zu mir in den zweiten Stock hinauf begleiten. Aber wer steigt schon gern Treppen? Bild pixabay

Nach einer medizinischen Abklärung stand fest: Meine Mutter leidet unter einer Demenz. Sollte sie dagegen Medikamente nehmen oder gab es alternative Behandlungsmethoden? Was sind die Ursachen der Krankheit? Die Reise ins Ungewisse hatte begonnen.


Von Markus Frutig

Der Sommer 2014 wurde nach dem Arztbesuch zu einer Art «Spiessrutenlauf». Meine Mutter hatte einerseits die klare Diagnose Demenz, andererseits überzeugte mich die vorerst alternativlos wirkende Medikamentierungs-Empfehlung meines ehemaligen Hausarztes in Stuttgart nicht wirklich. Es gab ja auch noch keine gross angelegten Studien dazu und es waren unangenehme Nebenwirklungen zu erwarten.

Also überlegte ich mir, alternativen Rat einzuholen. Als ausgebildeter Berater für Orthomolekulare Medizin und Ernährung verfüge ich zum Glück über ein recht grosses Netzwerk von Naturheilärzten, Heilpraktikern und Therapeuten.

Doch wo anfangen? Ich recherchierte in den folgenden Monaten immer wieder im Internet, welche Ursachen und Zusammenhänge es bei Demenz gibt. Die Naturheiltherapie geht Krankheiten grundsätzlich mehrperspektivisch an und lässt eine differenzierte Betrachtungsweise zu.

Hier finden Sie den ersten Teil dieser Geschichte

Betroffen

Meine Mutter hat Demenz

Glutamat – harmlos oder gefährlich?

Eines der ersten Themen, auf das ich im Zusammenhang mit der Recherche zu möglichen Ursachen von Demenz und Alzheimer stiess, war Natriumglutamat, beziehungsweise Mononatriumglutamat. Dieser Stoff wird mit folgenden Namen gekennzeichnet:  

E621 Geschmacksverstärker
Hefewürze/-extrakt Gewürz
Speisewürze Sojawürze
Pflanzenproteinextrakt pflanzliche Würze
hydrolysiertes Hafermehl Natrium- oder Kalziumkaseinat
Milcheiweiss


Weizenprotein oder fermentierter Weizen

 

Und dieser meist synthetisch isolierte Geschmacksverstärker befindet sich heutzutage in nahezu allen Fertigprodukten, Suppen, Saucen, Pizzas, Pommes-Frites, Chips, Wurst und natürlich in Aromat, einem der bekanntesten Schweizer Würzmittel. Und davon hatten meine Mutter und ich im Leben mehr als genug gegessen …

Über den Autor

Markus Frutig (*1967) ist im Hauptberuf Kommunikationsexperte, Fachjournalist und Chefredaktor. Dazu berät er seine Kunden seit über 21 Jahren u.a. als ausgebildeter und zertifizierter Ernährungs- und Energiemedizin-Berater.

Um ehrlich zu sein, liebte ich es schon als kleines Kind, alles Salzige mit diesem universellen Würzmittel als Geschmacksverstärker nochmals zu «verfeinern».

Meine Mutter verwendete es wie wohl die meisten Schweizer Hausfrauen – die, welche damals die allzeit präsente Fernsehwerbung gesehen hatten – zum würzen nahezu aller Speisen, für Salate, aufs Brot und so weiter.

Doch mit der Zeit reduzierten wir diese Art des salzens und verwendeten etwa ab meinem 28. Lebensjahr, während meinen Ausbildungen bei der bekannten Ernährungsexpertin und Kochbuchautorin Christina Kleiner-Röhr, meist nur noch hochwertiges Meer- oder Steinsalz.

Ich lernte von dieser Expertin, dass chemische Stoffe – beispielsweise auch reines Vitamin C aus dem «Reagenzglas» – anders im Körper wirken als in Pflanzen veränderte und für den Menschen «bioverfügbar» gemachte, aufbereitete Stoffe.

Durch dieses breite Wissen über gesunde Ernährung wurde mir jedoch erst jetzt nach so vielen Jahren wieder bewusst, dass die langjährige Nutzung eventuell eine mögliche Ursache oder zumindest einer der zahlreichen Auslösemechanismen für die Alzheimer-Demenz sein könnte.

In der Vielzahl an Publikationen, Fachartikeln und Online-Portalen gibt es etliche Warnungen vor Natriumglutamat. Und auch immer mehr Chinarestaurants werben mit «glutamatfreier Küche». Andererseits beschwichtigten Medizinportale, dass der Verzehr dieser Stoffgruppe keinerlei Gefahr berge.

Wie in den meisten Fällen liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Fest steht, dass selbst im Stoffwechsel des Körpers die Aminosäure Glutamat gebildet wird. Diese spielt für die Entwicklung des Nervensystems, Regulation des Harnstoffzyklus, als Energiequelle für den Darm sowie als Neurotransmitter zur Signalübertragung zwischen den Nervenzellen eine wichtige Rolle. Auch produzieren Gehirnzellen selbst Glutaminsäure – für die Appetitsteuerung und die Gedächtnisleistung.

Etwas fiel mir bei meinen Recherchen aber immer wieder auf: Natürliches Glutamat und das meist gentechnisch hergestellte Mononatriumglutamat unterscheiden sich wohl doch in ihrer feinstofflichen oder medizinischen Wirkung im Körper.

Hierzu erhielt ich von meinem Naturheilarzt aus Schlieren interessante Unterlagen: Der berühmte Alzheimerforscher Prof. Konrad Beyreuther hielt daher sogar einen Zusammenhang zwischen grösseren Mengen von (synthetisch hergestelltem) Glutamat und der Entstehung von Alzheimer und Parkinson für möglich.

So stand für uns erst einmal fest, dass wir ab sofort alle Speisen möglichst natriumglutamatfrei zubereiten würden. Unser Naturheilarzt empfahl dazu auch konkrete Analysen, um die Vitalstoff-Zusammensetzung im Gewebe, im Blut oder auch die Toxin- bzw. Schwermetallbelastung im Organismus generell zu untersuchen. Somit taten sich neue Wege auf, die wir ergründen wollten.

Verschiedene Handlungsmöglichkeiten

Der Herbst wurde zu einer deutlich schwierigeren Zeit, denn es kamen viele Dinge auf mich zu. Meine Gedanken fuhren Karussell und das belastete mich zusehends. Wir hatten zwar seit dem Sommer die eindeutige Diagnose Demenz und erste Rechercheergebnisse zeigten verschiedene Handlungsmöglichkeiten auf.

Die grosse Schwierigkeit bestand nun darin, aus der ganzen Flut an Informationen eine eigene Strategie zu entwickeln.

Dazu kam die Frage, ob meine Mutter bald eine Betreuung zu Hause benötigte und was es dabei zu beachten galt. Alles schwierige und noch ungelöste Fragen!

Da ich währtend der Woche als Fachjournalist und Geschäftsführer meiner eigenen Agentur zeitlich sehr eingespannt war, hatten meine Mutter und ich uns darauf geeinigt, dass sie mich am Wochenende in meiner Wohnung in Oberengstringen besuchen würde. Wir kochten zusammen und verbrachten einige gemeinsame Stunden.

Damals schaffte sie es noch recht gut, den bekannten Fussweg von ihrer Wohnung in Unterengstringen zu meiner Wohnung zu meistern. Während der Woche – meist abends – besuchte ich sie dann in ihrer eigenen Wohnung und wir assen gemeinsam Znacht.

Dabei beobachtete ich jede kleine Veränderung sehr genau, auch die Zeit, die sie für den Fussmarsch zu mir benötigte. Es beruhigte mich, dass sie noch erstaunlich gut zu Fuss unterwegs war.

Lediglich beim Treppensteigen musste ich sie gleich an der Eingangstüre abholen und sie zu mir in den zweiten Stock hinauf begleiten. Aber wer steigt denn schon gerne Treppen? Da dies alles noch recht gut funktionierte, behielten wir dieses «Ritual» fürs Wochenende bei.

Meine Mutter mit einer Freundin auf einem Spaziergang durch Zürich.
Meine Mutter mit einer Freundin auf einem Spaziergang durch Zürich. Bild privatarchiv

Als nächstes entschieden wir uns für eine naturheilkundliche, ganzheitliche Blutuntersuchung. Diese sollte zutage bringen, welche wichtigen Stoffe im Organismus meiner Mutter fehlten, bzw. ihren Körper belasteten und so die Demenz begünstigten.

Wir verabredeten uns mit unserem Naturheilarzt in Schlieren und er empfahl eine Vitalstoffanalyse, bei der wichtige Enzyme, Mineralien, Aminosäuren und Marker für allfällige Entzündungen analysiert würden. Auch eine Energiestatusmessung der Körperzellen nutzten wir, um festzustellen, ob es irgendeinen offensichtlichen Mangel gab. Die Ergebnisse lagen bei meiner Mutter nahezu überall im Normalbereich. 

Nur gewisse Entzündungswerte waren leicht erhöht. Sie erhielt deshalb ein milchsauer vergorenes Mineralpräparat, das sie zum Essen einnehmen sollte. Auch erstaunte uns der relativ hohe Energiestatus bei meiner Mutter.

Diese Ergebnisse beruhigten uns sehr und gaben uns das gute Gefühl, dass es auf der naturheilkundlichen Ebene recht ordentlich um meine nun 85-jährige Mutter stand.

Da sie bereits seit Jahren regelmässig höher dosierte Nahrungsergänzungen mit allen relevanten Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren und Spurenelementen neben der täglichen Ernährung zu sich nahm und ihr dies zum Glück keinerlei Schwierigkeiten beim Schlucken bereitete, war das Mineralpräparat, wenngleich es nicht sonderlich gut schmeckte, kein Problem für sie. Frischkost wie Salate, Äpfel, Ananas, Birnen, Kirschen, Trauben oder sonstiges Saisonobst hatte sie zum Glück schon immer geliebt.

Die regelmässige Einnahme dieser Nahrungsergänzungsmittel klappte leider bald nicht mehr so gut, denn sie vergass immer öfter sie zu nehmen, wie ich an den oftmals noch vollen Pillendöschen merkte. Daher bat ich ihre Nachbarin um Unterstützung. Diese kontrollierte freundlicherweise die Einnahme zum Mittagessen, was zu einer gewissen Beruhigung im Alltag führte.

Gleichzeitig recherchierte ich auf diversen Internetseiten, welche Möglichkeiten es für Haushaltshilfen gab, denn ich wollte die Weichen rechtzeitig stellen, auch wenn sich meine Mutter noch recht gut in ihren eigenen vier Wänden versorgen konnte.

Die Angebote zu diesem Zeitpunkt waren überschaubar und meistens stellten sich die vermeintlichen «Seniorenbetreuerinnen» eher als Reinigungsfachkräfte heraus, die auch Betreuungsdienstleistungen anboten. Nach diversen persönlichen Besuchen liessen wir dieses Thema vorläufig wieder fallen. Meine Mutter wollte keinesfalls «eine fremde Person» in ihrer Wohnung haben. Dies respektierte ich natürlich.

Die tägliche Arbeitsbelastung und die Sorgen um meine Mutter waren doch sehr anstrengend und belasteten mich vor allem dann, wenn ich sie nicht regelmässig sehen konnte.

Daher machten wir Ende November Pläne für erneute Ferien in unserem geliebten 5-Sterne Hotel in El Quseir in Ägypten. Die Terroranschläge hatten uns im Jahr zuvor von unserer gewohnten Feriendestination ferngehalten. Aber wie würde sich ein langer Flug auf den Zustand meiner Mutter auswirken? War ein solcher Urlaub wirklich ratsam und erholsam für uns beide? 

Herzlichen Dank an den Autor Markus Frutig und die Redaktion von Helvetic Care für die Gelegenheit der Zweitverwertung dieses Beitrags.

erschienen: 04.09.2021