Private Pflege

So funktioniert Unterstützung aus Polen

Barbara und Walter Szczesny geniessen ihre Ausflüge auf dem Tandem.
Barbara und Walter Szczesny geniessen ihre Ausflüge auf dem Tandem. Bild PD

Barbara Szczesny lebt in Oldenburg und hat eine Frontotemporale Demenz. Ihr Mann Walter Szczesny erhält etwa 18 Wochen pro Jahr Unterstützung bei der Betreuung seiner Frau durch Katarina aus Polen.

Von Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Wieso haben Sie sich für eine Betreuungskraft aus Polen ent­schieden und wie haben Sie Katarina gefunden?

Walter Szczesny: Meine Frau braucht über den Tag sehr viel Be­treuung. Ein passendes Tagespflegeangebot gibt es nicht und die Stundensätze der Pflegedienste sind so hoch, dass eine um­fangreiche Betreuung auf diesem Weg unbezahlbar wäre. Des­halb habe ich versucht, eine 24-Stunden-Kraft aus Osteuropa zu bekommen.

Die ersten Versu­che über Vermittlungsdienste sind leider gescheitert, weil die vermittelten Frauen ent­weder zu wenig Deutsch spra­chen, nicht qualifiziert oder auch körperlich zu wenig fit für diese Aufgabe waren. Bei Katarina kam uns der Zufall zu Hilfe: Ich kannte sie, weil sie in der Nachbarschaft einen äl­teren Herrn pflegte. Als er ver­storben ist, fragte ich, ob sie bei uns anfangen wollte.

Ist Katarina bei Ihnen privat angestellt? Wie haben Sie die Arbeitszeit und Ähnliches geregelt?

Katarina hat bei uns einen offiziellen Mini­job, ich habe sie bei der Minijobzentrale angemeldet. Bei ei­nem Stundensatz von 10 Euro kann sie darüber 42 Stunden pro Monat für uns arbeiten und ist sozialversichert. Diese Aufwen­dungen kann ich übrigens auch steuerlich geltend machen.

Zu­sätzlich nutzen wir die 2.418 Euro, die uns pro Jahr für die Ver­hinderungspflege zustehen. Diese Summe wird auf den Minijob, bei dem man pro Jahr maximal 5.400 Euro verdienen darf, nicht angerechnet. Wir haben die Stunden über das Jahr so verteilt, dass Katarina jeweils für vier Wochen am Stück bei uns ist, be­vor sie wieder für eine Zeit nach Hause fährt.

Insgesamt ist sie etwa 18 Wochen pro Jahr in Deutschland. In dieser Zeit wohnt sie auch bei uns und hat die Verpflegung frei. Die Arbeitszeiten lassen sich nicht so ganz klar regeln, weil es eigentlich losgeht, wenn meine Frau aufsteht.

Ab dem Abendbrot übernehme ich dann und an den Wochenenden fahre ich mit Barbara oft in un­ser Ferienhaus, sodass Katarina sich ungestört erholen kann. Ich kann die beiden aber auch mal für eine Woche alleine lassen, um selbst etwas Erholungsurlaub zu machen.

Wie viel Unterstützung braucht Ihre Frau denn im Moment?

Barbara ist körperlich noch sehr fit, sie braucht jedoch Anleitung bei der Körperpflege, beim Duschen und so weiter. Auch auf das Einlegen der Inkontinenzmaterialien muss man achten.

Sie ist ein friedlicher Mensch, schläft nachts meist durch, hat aber tagsüber einen grossen Bewegungsdrang.

Katarina spielt mit ihr, sie ma­len, gehen einkaufen und kochen gemeinsam. Im Haushalt ist meine Frau keine grosse Hilfe mehr. Aber sie kann zwischendrin auch mal für eine Stunde alleine bleiben. Die Wohnung habe ich gesichert, sodass nichts passieren kann.

Und wie überbrücken Sie die Zeit, wenn Katarina zu Hause in Polen ist?

Da ich selbstständig bin, kann ich mir glücklicherweise meine Arbeitszeit flexibel einteilen. Ich nutze die Zeit, wenn Ka­tarina da ist, um vorzuarbei­ten und wichtige Termine wahrzunehmen. Ich finde es ganz gut, dass es diese Pau­sen gibt.

Zwischen Katarina und uns stimmt die Chemie, trotzdem ist es in gewisser Weise anstrengend, immer eine zusätzliche Person im Haus zu haben.

Es ist ein bisschen wie in einer WG, wo man sich ja auch im Alltag aufeinander abstimmen muss. Regelmässig jeden Don­nerstag kommt für fünf bis acht Stunden eine Betreuungskraft von der Demenzhilfe Oldenburg e.V. (DHO).

Ausserdem kann ich nach Bedarf stundenweise über die DHO ehrenamtliche Betreu­ungskräfte bekommen, die zumindest teilweise über den Ent­lastungsbetrag abgerechnet werden können. Eine Tagespflege können wir nicht in Anspruch nehmen, da Barbara einen starken Bewegungsdrang und eine Fortlauftendenz hat. Dadurch entfal­len auch die finanziellen Entlastungen aus diesem Topf.

Wie läuft die Finanzierung der Betreuung für Ihre Frau?

Barbara hat Pflegegrad 4. Monatlich bekom­men wir daher 728 Euro Pflegegeld. Dazu kommen, wie gesagt, 2.418 Euro pro Jahr für die Verhinderungspflege. Für die Be­treuerin von der Demenzhilfe Oldenburg nutzen wir den Ent­lastungsbetrag von 125 Euro monatlich.

Ungefähr 500 Euro pro Monat müssen wir aber privat – aus der Rente meiner Frau – da­zulegen, um die Betreuung zu finanzieren.

Momentan läuft es für uns sehr gut mit diesem Arrangement. Wie es weitergeht, wenn meine Frau irgendwann mehr körperliche Pflege braucht oder wenn Katarina beschliesst, ganz bei ihrer Familie in Polen zu bleiben, weiss ich nicht. Aber sicherlich werden wir auch dann wieder einen Weg finden.
 
Die Fragen stellte Susanna Saxl, Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift Alzheimer Info der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Wir bedanken uns bei der Redaktion für die Gelegenheit der Zweitverwertung.

erschienen: 18.09.2020

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