Das Tagebuch (59)

Achterbahn der Gefühle

Wenn er wüsste, dass auch ich Tränen vergiesse. Beide leiden wir gleichermassen. Die erste Liebe ist wieder erwacht. Jetzt, frei von der herausfordernden Betreuung, sind wir wieder füreinander da. Ohne Belastung.
Wenn er wüsste, dass auch ich Tränen vergiesse. Beide leiden wir gleichermassen. Die erste Liebe ist wieder erwacht. Jetzt, frei von der herausfordernden Betreuung, sind wir wieder füreinander da. Ohne Belastung. Bild U.Kehrli

Oh Paul, ich kann nur wütend wiederholen: Scheisskrankheit. Sie hat uns die letzten Jahre alles verdorben, wir kamen damit nicht klar. Will heissen, ich wurde damit nicht fertig, denn du, du bist ja der Kranke. Und ich war all dem nicht gewachsen.

Von Ursula E. Kehrli

30. Juli 2011 – Enkel geniessen

Heute kommt mein Enkel Simon. Er hilft mir Pflaumen ablesen. Vorher hatte er ein Vorstellungsgespräch. Eine zweite Lehre möchte er anfangen. Sich weiterbilden – wie gut sein Vorhaben doch ist. Noch fällt das Lernen leicht. Später wird es schwieriger, man muss sich mehr anstrengen.

Gleichzeitig hat er sich fürs Mittagessen bei mir angemeldet. Finde das super, er weiss klar zu kommunizieren und seine Wünsche anzumelden. Kein Hickhack um den heissen Brei. Oder doch, oder nicht, dieses ewige Werweissen. Gerade heraus, aufrichtig, das tut auch mir gut. 

Ich gehe fischen. Immer wieder kommt mir Petrus in den Sinn. Statt untätig und depressiv herumzuhocken im grossen Schmerz und in der Trauer hatte er entschieden, etwas Praktisches zu machen. Arbeit ist Medizin. Und Jesus hat dann die Jünger beim Fischen angesprochen und sich ihrer dort angenommen.

Mein Tagebuch

Diese Aufzeichnungen sind ehrlich, ungeschminkt, offen und authentisch. Mit der Veröffentlichung im Internet gehe ich bewusst das Risiko des mich (zu sehr?) Öffnens ein – aber mit brennendem Herzen. Meine Notizen zeigen ein eigenes, persönliches und ungeschöntes Bild vom Begleiten meines demenzkranken Partners. Mögen diese Tagebucheinträge Menschen in ähnlicher Situation helfen.(uek) Hier finden Sie alle bisher veröffentlichten Tagebucheinträge.

Danke Herr, dass du mich auch heute wieder durchträgst, mich ermutigst, mir einen Tisch bereitest im Angesicht all meiner Nöte und Probleme. Und dennoch: Ich schreie wieder zu Dir: Kyrie Eleison!! Wie lange noch?

Mittagessen mit Simon. Es gibt gehacktes Rindfleisch und Spaghetti. «Magst du es mit Tomatensauce oder gewürzt mit Curry?». «Tönt interessant mit Curry. Gern.» Während ich koche, arbeitet Simon fleissig. Er stellt sich sehr geschickt an. Greift zu, weiss wie, ohne langes Getue.

Nach kurzer Zeit sind sieben Kilogramm reife Pflaumen in den Gefässen. Dann macht er eine kurze Pause auf dem Bänkli vor dem Haus. Ein lieblicher Anblick, ihn hier zu haben, zu sehen, wie er sich hier wohl fühlt.

Dann Rasen mähen. Er besieht sich kurz das hohe Gras unter den Apfelbäumen, sieht die Sense, greift nach dem Schleifstein und macht sich ans Schleifen. Wie ein Profi, und er weiss auch, wie man mit der Sense umgeht. Dann mit Rasenmäher und Trimmer. Noch bevor es Mittagessen gibt, hat er das alles geschafft. Ich staune nur noch über seinen Einsatz.

Mein Herz ist mal wieder voller Freude, getröstet und wie wir noch gemütlich zusammen essen können, reden wir auch über die Zukunft. Erholung pur, der Besuch meines Enkels. Bin so dankbar, dass er sich Zeit fürs Grosi genommen hat. Tut so gut. Balsam für meine wunde Seele.

1. August 2011 – Dennoch Freude erleben

Heute darf ich Mittagessen bei Urs und Barbara. Ich muss mich aufraffen, obwohl es doch ein Riesengeschenk ist, eingeladen zu werden, Gemeinschaft pflegen, Trost erhalten. Und erst noch von Freunden, die grossen Anteil nehmen am Geschick von Paul und mir.

Es war Urs, der damals – als ich so Angst hatte vor dem Schritt für Paul ins Pflegeheim – das Bild vom barmherzigen Samariter beschrieb: Der musste schliesslich seinen Verwundeten auch «abgeben» in der Herberge. Zahlte dafür, ging ihn dann besuchen. Und kürzlich sagte mir Urs: Und Gott selbst hat dir die Entscheidung im richtigen Zeitpunkt abgenommen, damit nicht du entscheiden musstest.

Ja, das ist auch Grund zur Dankbarkeit, hatte es vergessen. Gott selbst hatte gesprochen, drei Tage nachdem ich ihm den «Bettel hinwarf», als ich einfach am Ende meiner Kräfte war. Paul hat die Überdosis an Medikamenten selbst eingenommen, musste ins Spital. Die Ärzte stuften es als völlig unrealistisch ein, Paul wieder nach Hause zu nehmen.

Das muss ich glauben, obwohl in meinem Hinterkopf – besonders in Situationen wie gestern bei Pauls Abschied  – Gedanken auftauchen, ihn einfach ins Auto zu packen und nach Hause zu fahren.

Seinem Herzensschrei nachgeben, ihn zu mir zu nehmen. Heile-Welt-Gedanken, Wunschdenken, das Rad zurückdrehen.

Und dann weiss ich, nach zwei Tagen wäre ich bereits wieder am Ende meiner Möglichkeiten, erledigt … oder doch nicht? Herz, du denkst, aber der Verstand muss lenken. Wunschdenken, Sehnsucht, kindlicher Glaube an Wunder, an Überkräfte, an Gottes Wunderkraft. Muss ich es ganz begraben? Täusche ich mich selbst, mache ich mich dadurch nur noch unglücklicher?

Beim Frühstück kommen mir wieder die Tränen. Ich schaue gedankenversunken auf das Tischset von den sieben Früchten des Landes Israel. Schon mehrmals hat mich das Bild des Granatapfels fasziniert, Gedanken ans Malen kommen. Da ich weiss, dass dieses Herumhängen und Trauern eine Gefahr darstellt, stehe ich auf. Entschlossen, dieses Bild des Granatapfels zu scannen und zu bearbeiten.

Nun muss ich unbedingt meine Aquarell-Farben und Pinsel hervornehmen. Ich muss etwas Neues beginnen, etwas, was mir Freude macht. Meine Gedanken in eine andere Richtung bringen. Träume nicht nur träumen, sondern ausleben.

Einen Versuch starten mit der Kombination von Fotobearbeiten und Aquarellieren. Einsteigen mit diesem Trick. Sich anregen lassen von anderen Aquarellbildern.

Etwas tun, was mir Freude macht, meine schöpferischen Gaben nutzen.

Es ist zehn Uhr. Ich habe das erste Bild vor mir. Die Granatäpfel sind recht gut gelungen. Nach relativ langer Zeit wieder mal den Pinsel führen, die Farben zerfliessen lassen, die Farben mischen, hat mich beglückt, es ist wieder heller geworden in mir.

Nun freue ich mich auch auf den Besuch. Ich erfreue mich am schönen Tag. Obwohl heute die Knallerei zum 1. August zu ertragen eine rechte Herausforderung ist, überwiegt die Freude am Neuen. Ich lese in dem Buch Der Rabbi von Noah Gordon: «Alles Böse kann nur durch Freude, nicht aber durch Kümmernis überwunden werden».

3. August 2011 – Eine Feste zur Zeit der Not

Das ist heute das Losungswort aus Nahum 1,7. Wie ich Zuspruch aus der Bibel nötig habe. Gestern war wieder so ein herzzerbrechender Abschied. Paul wollte unbedingt mit mir gehen. Beinahe hätte er geweint, er ist mir nachgeeilt zum Lift, die Pflegende hat ihn dann abgelenkt. Oh, wie hat er geklagt, ich hörte sein Rufen noch beim Hinunterfahren. 

Wer kann solche Szenen nachfühlen? Diesen Schmerz, dieses Reissen, ich will ja die Trennung auch nicht. Doch Paul kann es nicht (mehr) verstehen. Gestern marschierte er zielstrebig Richtung Hauptstrasse, besah sich die Tramstation. Ein recht anstrengender Spaziergang. Mit viel Überredungskunst konnte ich ihn zurück ins Café locken.

Danach gleich wieder hinaus! Diesmal geht er zur Allee Richtung Bahn, Unterführung, er merkt aber, es wird zu viel. Rückweg. Wieder Ausruhen unter den Bäumen. Es ist schon vier Uhr vorbei. Er lernt wieder die Zeit auf der Uhr zu erfassen.

Er wollte nicht mit mir in den Lift, kam endlich doch, hatte aber was anderes im Kopf. Ich ahnte es. Weg von hier! Endlich im Zimmer, legte er sich hin, doch ruhelos stand er gleich wieder auf, versuchte mich davon abzuhalten zu gehen.

Seine Rastlosigkeit und meine Ohnmacht waren schwer zu ertragen.

Ich musste dann trotz seiner Proteste gehen. Musste mich verabschieden, gleichzeitig seine Trauer und Verzweiflung ertragen. Wenn ich ihm nur helfen könnte! Da kann ich nicht helfen, nicht mal mit der Zusicherung: Ich komme wieder.

Zu Hause angekommen, erfasste mich wieder dieser grosse Schmerz, musste die Tränen wehren. Hing lust- und ziellos herum. Warum habe ich nichts eingeplant, keinen Besuch, keinen Ausflug? Warum dachte ich nicht daran, etwas zu unternehmen, damit ich nicht in dieser Trostlosigkeit allein blieb? Sollte ich noch nach Avenches gehen? Zu spät! Schliesslich verbrachte ich den Abend mit Abendessen zubereiten, Fernsehen und Patience spielen am Computer.

Oh Paul, ich kann nur wieder wütend sagen: Scheisskrankheit. Sie hat uns die letzten Jahre alles vergrault, wir kamen damit nicht klar. Will heissen, ich wurde damit nicht fertig, denn du bist ja krank. Und ich war all dem nicht gewachsen, wollte die Krankheit nicht wahr haben, verdrängte alles.

Heute ist einfach eine Verzweiflung da, weil ich dir nicht helfen kann, weil ich dir deine Last nicht abnehmen kann. Die Last des Pflegeheimes, des abgesondert sein, die abgeschlossenen Türen, die eingeschränkte Freiheit.

Fern von mir, von unserem Zuhause, von dem wir uns so erhofft hatten, es bis zum Lebensende gemeinsam geniessen zu dürfen. Nun musst du da durch, so wie ich auch. Wenn du wüsstest, wie schwer es mir fällt, dir nicht helfen zu können!

6. August 2011 – Beten

Impressionen wie auf einem Karussell. Zu schnell, zu viele Eindrücke, diese Woche bleibt bloss wie ein Schnappschuss im Gedächtnis, verwackelt, unscharf. Und mir ist schwindlig. Achterbahn der Gefühle. Magen oben, Kopf unten, heraushängende Zunge, Schreie der Verzweiflung, Stossgebete zu Gott: Hilf!

Am Dienstag hatte ich ein Gespräch mit der Verantwortlichen von Pauls Wohngemeinschaft. Als sie mich nach meinem Befinden fragte, brach ich – so schnell schon – in Tränen aus. Zeigt an, wie hoch der Wasserpegel liegt. Bedenklich hoch.

Die Besuche bei Paul werden immer schwieriger. Als unsere Pfarrerin bei ihm war, begann er zu packen: Sie könne ihn ja mitnehmen. Doch sagt man mir, dass sich Paul mehrheitlich gut zurechtfände, durchschlafe, und die traurigen Momente des Abschiedes recht schnell wieder vergesse.

Am Donnerstag nahm ich mal frei. Fuhr zu Andy und Fräne. Endlich wieder mal Schwimmen im Murtensee. Ich habe inzwischen gelernt, mich selbst einzuladen. Spät abends ging ich glücklich und müde nach Hause. In eine leere Wohnung.

Manchmal vergesse ich zu danken für diese Unabhängigkeit, für diese Freiheit, die ich mir damals sehnlichst gewünscht hatte, als mich Paul Tag und Nacht herausforderte. Nun ist es gerade diese Freiheit, die mich täglich belastet. Vor allem Pauls Schmerz und Sehnsucht.

Ich fühle seine Verlorenheit in jedem Sprachfetzen, immer wieder klagt er mit den wenigen ihm noch verbliebenen Worten.

Gestern ein klarer Satz: Heute gehst du nicht allein weg. Ich komme mit. So ganz entschieden, so ganz klar. Das belastet. Das bedrückt mich. Du bleibst da. So ist es gut.

Wie viele Erinnerungen ihm geblieben sind an die Qualen im vorherigen Heim ist schwierig einzuschätzen. Ein Urmisstrauen ist sicher noch da.

Gestern lernte ich Frau S. kennen. Ihr Mann hatte schon vor der Hirnblutung an Orientierungsschwierigkeiten gelitten. Auch er hat Mühe zu sprechen. Er sitzt mit Paul am Tisch. Wie ganz anders man einen Menschen ansieht, wenn man seine Geschichte und auch seine Angehörigen kennt. Im Tram hatten wir noch Gelegenheit zum Gespräch. Sie leidet wie ich. Sie sind seit 58 Jahren verheiratet.

«Vater unser, Einübung im Christentum». Ein Buch mit diesem Titel habe ich gestern aus dem Ermässigt-Gestell gekauft. Nur noch 10 Franken statt 32.90. Ein Schnäppchen. Beten lernen zum Schnäppchenpreis. Ich lerne begreifen durch meinen Alltag, weiss, dass mir in Notsituationen nichts anderes hilft.

Die Tabletten mögen den Schmerz etwas lindern, doch trösten können sie nicht.

Der innere Frieden, dieser feste Halt, das Fundament unseres Alltags wird oft durch Kleinigkeiten erschüttert: Schon wieder eine Rechnung vom Pflegeheim, trotz Vorschuss. Unbehagen, Ängste, Sorgen.

Hin und her geworfen, kränken, verärgern und verstimmen mich in letzter Zeit oft schon kleinste Ereignisse, die mich sonst kaum aus der Ruhe brächten. Beten ist mein Halt. Wie die Stange am Ufer der Aare, an der man sich beim Aussteigen festhalten kann.

Unruhe und Überempfindlichkeit lassen in der Stille des Gebets nach, wenn mich Gottes Friede und seine Liebe erneut erfüllen. Ich bin auch all jenen Menschen dankbar, die mich lieb haben. Die an mich denken, für mich beten, sich dafür interessieren, wie es mir geht. Und nicht immer bloss fragen: Und wie geht es Paul?

15. August 2011 – Oh Netbuckli

Mehr als eine Woche nichts geschrtieben, mehr als eine Woche ohne dich, mein Netbookli! Keine Lust, keine Zeit, zu tief unten? Alles zusammen.

Am letzten Donnerstag habe ich kurz entschlossen wieder mal einen freien Tag eingeschoben. Paul schien es verstanden zu haben, dass ich gern in die Berge gehen möchte. Erika und Bea nahmen mich mit auf eine Wanderung aufs Brienzer Rothorn. Endlich, lange schon wollte ich einmal auf diesen Aussichtsberg.

Das Rothorn in der Abendstimmung.
Das Rothorn in der Abendstimmung. Bild Brienzer Rothorn Bahn AG

Ein Tag der Wolken. So etwas habe ich noch nie erlebt. Einmal Schäfchen, dann Wattebäuschchen, kleine Punkte, Streifen wie bei Tiger oder Zebra, dann wie mit dem Pinsel flüchtig hingepinselte, transparente Schleier. Die Fernsicht war gut, nicht ganz so klar wie es im Herbst möglich ist. Doch sah man die Vogesen und bis weit ins Wallis.

Die Talfahrt war dann mühsam: Rütteln, Schütteln und Rauch von den Kohlen der Bahn. Müdigkeit und Trauer im Herzen. Als ich um halb acht Uhr nach Hause kam, brach ich in Tränen aus. Scheisskrankheit, manchmal nimmt mir dieses scheussliche Wort den Druck vom Herzen.

Wie sehr hatte sich Paul gewünscht, einmal aufs Rothorn zu fahren, doch da war der Garten, oder schlechtes Wetter, dann war Sonntag, zu viele Leute, schliesslich kam schon der Schnee.

Verschieben ist immer gefährlich. Es kann ungewollt zum Nie mehr werden. Die leere Wohnung. Auch da ein Nie mehr.

Was gab es sonst noch diese Woche? Nachmittags immer wieder die Besuche bei Paul. Er wartet jeweils schon auf mich, gestern hat er gar geweint. Er versuchte mit seinem Stammeln die Pflegenden anzuweisen, mich anzurufen. Sie verstanden ihn nicht.

Er war ganz verzweifelt, als ich gestern ankam. Er möchte nach Hause. Oh, wenn er wüsste, dass auch ich Tränen vergiesse. Beide leiden wir gleichermassen. Die erste Liebe ist wieder erwacht. Jetzt, frei von der herausfordernden Betreuung, sind wir wieder für einander da. Ohne Belastung.

Nun ist diese, unsere grosse Liebe, wieder da. Vergessen all der Missmut, die Verstimmungen, die in den letzten Jahren oft da waren. Das Herz schmerzt. Aus Liebe. Wie jung Verliebte. Doch mit einem langen gemeinsamen Weg, der auch verbindet. Die vielen Erlebnisse haben das Band fest und eng geschnürt.

Wir haben ein Fotoalbum angeschaut. Es interessiert ihn. Er erinnerte sich an fast alle Namen seiner Turnkollegen. Abends suche ich deren Telefonnummern heraus.

Ja, da sei ich richtig. Ein langes Gespräch mit Werner. Sie würden immer wieder von Paul sprechen, wollten schon längst mal nachfragen. Nun sei er sehr dankbar, dass ich mich gemeldet hätte. Er werde Paul besuchen.

So ist es, man schiebt etwas auf, dann kann es plötzlich zu spät sein. Das wollte ich mit meinen Anrufen verhindern. Paul hing sehr an diesen Kollegen, obwohl er die letzten Jahre selten mit ihnen in Kontakt stand. Der Hirnschlag vor fünf Jahren hat vieles verändert.

Ich suchte die Fotos hervor, die Werner einmal mitgebracht hatte. Paul als Torhüter, daneben die Kollegen. In der Werkstatt finde ich den passenden Wechselrahmen, schneide das Foto zu.

Paul freute sich sehr. Ich spürte, dass es ihm half, sich selbst wieder zu finden.

Immer wieder schaute er das Bild an und wiederholte die Namen. Erinnerungen werden wach, regen sein Denken an, er findet wieder Worte, kann sich immer besser ausdrücken. Eben auch: Ich will nach Hause, was machst du? Wohin gehst du? Ich kann doch mit dir kommen, wenn du das Auto hast …

Die Zwetschgen sind reif. Sie sollten geerntet werden. Ich habe etwa ein Kilo abgelesen, Kuchen gemacht und Paul gebracht. Wie er ihn genoss, geradezu verschlang! Immer noch untergewichtig hat er grossen Appetit. Früher 72 Kilo, dann innert ein paar Wochen auf 55 abgemagert …

Gestern hatte Paul Besuch von Andy und Fränzi .Schon von weitem schwenkte er den Gehstock zum Gruss, freute sich sichtlich. Im Zimmer zeigte er ihnen das Fotoalbum mit unseren Hochzeitsfotos und all die Puzzles, die er zusammengestellt hat, Kätzchen, Hunde. Gut, habe ich ihm ein neues gekauft. Früher hat er solche mit 500 geschafft, im Heim waren es dann 49 Teile. Nun, ein Versuch ist es Wert mit 200. (Fortsetzung folgt …)

erschienen: 02.09.2020

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