Das Tagebuch (36)

Mein ist ein wundes Herz

«Welch‘ trauriger Zustand! Welche Hilflosigkeit er oft ausstrahlt, die Verlorenheit in einer Welt, die er nicht mehr versteht, die ihm fremd geworden ist – sogar mich erkennt er oft nicht wieder.»
«Welch‘ trauriger Zustand! Welche Hilflosigkeit er oft ausstrahlt, die Verlorenheit in einer Welt, die er nicht mehr versteht, die ihm fremd geworden ist – sogar mich erkennt er oft nicht wieder.» Bild U.Kehrli

Frau Kehrli kämpft sich von Tag zu Tag. Wer geglaubt und gehofft hat, mit Paul könne es nicht noch schlimmer werden, sieht sich getäuscht. Wer es geahnt hat, war sich wohl des Ausmasses nicht bewusst.

Von Ursula E. Kehrli

7. Dezember 2010 – Total verwirrt

Es ist halb zehn Uhr abends als ich nachhause komme. Ich war mit dem Musikteam zusammen. Paul wollte nicht mitkommen, er sei zu müde. Er wirkte schon beim Weggehen etwas durcheinander, doch dann beruhigte er sich, er schaute Fernsehen und alles schien in Ordnung.

Zwei Stunden allein sein um diese Zeit ist meistens kein Problem. Schon bei der Tagesschau schläft er ein und ich finde ihn dann schlafend vor.

Die Türe ist verschlossen. Brav hat er abgeschlossen und den Schlüssel drinnen abgezogen. Paul sitzt wach auf der Couch, der Fernseher ist an, eine Politsendung, er schaut hin, aber versteht gewöhnlich nichts.

Er beachtet mich kaum wie ich ihn begrüsse, schaut an mir vorbei, sein abwesender Blick verrät nichts Gutes.

Er redet und redet und ich verstehe schlicht nichts. Er will mir etwas erzählen, vielleicht einen Telefonanruf ausrichten. Ich setze mich zu ihm hin. Aufmerksam höre ich ihm zu, versuche mit Nachfragen Licht ins Wirrwarr zu bringen, ohne Erfolg.

Immer wieder sagt er etwas vom achten Tag. Dann folgen Worte, die nicht zu verstehen sind. Es wird zehn Uhr, ich kann ihn nicht beruhigen. Er will seine Tabletten nicht einnehmen, das sei zu früh, meint er. Er sucht eigentlich mich, er spricht mich per «Sie» an, sagt «sie» komme noch, es ist zum Heulen. Nach vielem guten Zureden endlich nimmt er doch die Tabletten, trinkt etwas Wasser.

Mein Tagebuch

Diese Aufzeichnungen sind ehrlich, ungeschminkt, offen und authentisch. Mit der Veröffentlichung im Internet gehe ich bewusst das Risiko des mich (zu sehr?) Öffnens ein – aber mit brennendem Herzen. Meine Notizen zeigen ein eigenes, persönliches und ungeschöntes Bild vom Begleiten meines dementen Partners. Mögen diese Tagebucheinträge Menschen in ähnlicher Situation helfen.(uek)
Hier finden Sie alle bisher veröffentlichten Tagebucheinträge.

«Ich will ins Bett, bin müde», versuche ich ihn abzulenken. Nachdem alles Nachfragen und Anteil nehmen nichts gefruchtet hat, hoffe ich, dass er doch zum Schlafen gehen zu bewegen sei. «Du musst Zähne putzen». Da reagiert er. Immerhin.

Ich begleite ihn ins Badezimmer. Das ist ihm vertraut, er nimmt die Spange heraus, putzt die Zähne, wäscht sich gar ohne Aufforderung das Gesicht. Er folgt mir ins Schlafzimmer.

«Es gibt da ein Problem», sagt er, «Sie können da nicht schlafen. Da schläft nämlich «sie»

Ich atme tief durch, zeige ihm den Ring an meinem Finger. «Ja, Paul, da schlafe ich, dein Buseli, deine Frau, es ist alles in Ordnung». Verwundert schaut er mich an. Ungläubig blickt er prüfend in mein Gesicht. «Ja?» meint er fragend, ich umarme ihn, halte ihn fest.

«Ja, es ist alles in Ordnung. Ich gehe jetzt auch zu Bett und lese dann noch ein wenig. Geh du schon ins Bett, ich muss noch ins Badezimmer.

«Nein, nein, ich….», er folgt mir ins Badezimmer. Er schaut mir beim Zähneputzen zu, dann führe ich ihn wieder ins Schlafzimmer, gehe mit ihm ans Bett und sage bestimmt: «Nun zieh dich aus, ich komme jetzt auch».

Ein klarer, bestimmter Befehl hilft meistens die endlosen Diskussionen zu beenden.

Wie er endlich im Bett liegt, gebe ich ihm den Gutenacht-Kuss und atme auf, als er mir mit «Gute Nacht Buseli» antwortet.

Er findet sich wieder zurecht, hat sich beruhigt, ich darf auf eine gute Nachtruhe hoffen. Die Schlüssel habe ich von der Türe weggenommen, die beiden Nachtlichter auf dem Weg zum Badezimmer eingesteckt, die Schiebetüre zur Küche geöffnet (falls er nachts stürzen sollte, würde er sich so nicht am Glas verletzen). Eine letzte Kontrolle: Ja, die Tabletten hat er alle eingenommen.

Ich folge ihm ins Bett. Lese «Spuren im Sand», das Buch zum wunderbaren Trostgedicht. Das kann ich jetzt brauchen. Ich liebe es, Lebensgeschichten zu lesen. Ich bin nicht allein auf dieser schwierigen Wegstrecke, wo nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Da, wo man glaubt allein, verlassen, voller Not beladen und einsam in Gefahr zu sein, da werden wir getragen von unserem Freund Jesus. Er verlässt uns nie. Ich spüre das heute Abend erneut hautnah.

Obwohl ich mich der Tränen erwehren muss, wenn ich Paul so daliegen sehe in seiner Hilflosigkeit und Not, hoffe ich auf die grosse Barmherzigkeit Gottes, ihn nicht lange in dieser traurigen Situation zu belassen.

Ich flehe um Erbarmen, dass Paul dieses schreckliche Schicksal nicht bis zum bitteren, total entwürdigenden Ende erleiden muss.

Welch‘ trauriger Zustand! Welche Hilflosigkeit er oft ausstrahlt, die Verlorenheit in einer Welt, die er nicht mehr versteht, die ihm fremd geworden ist – sogar mich erkennt er oft nicht wieder. Seine Verlorenheit ähnelt der eines in Panik geratenen kleinen Kindes, das inmitten des Trubels der Stadt seine Mutter nicht mehr findet.

Gedanken an die Zukunft muss ich mir verbieten. Lasse ich sie zu, vor allem wenn ich morgens früh erwache, erfüllt mich Panik. Auch ans bestellte Ferienbett im April wage ich nicht zu denken. Da erfüllt mich eine Hilflosigkeit.

Heimlichtuerei, Verrat, solche Worte möchten mich quälen, so ganz im Gegensatz zum Eheversprechen, wo Vertrauen und Ehrlichkeit die Grundlage bilden. Doch wie sage ich jeweils: Schlimmer als die Situation jetzt wäre es, ihn gar nicht mehr zu haben.

Das macht mir Mut, den neuen Tag wieder anzupacken, Schritt für Schritt. Niemand kann den Berg in einem einzigen grossen Schritt bewältigen. Wichtig ist immer nur der nächste Schritt. Dazu wird auch meine Kraft genügen. Zusammen mit IHM, meinem guten Hirten.

10. Dezember 2010 – Nachtunruhe

Immer wenn ich nachts aufwache, geht mein erster Blick besorgt zu Paul. Ist er noch im Bett? Und dieses sofort-hellwach-werden hindert mich daran, wieder ruhig einzuschlafen. Mir geht es wie einer jungen Mutter, die beim leisesten Muckser ihres Babys hellwach wird.

Danach liege ich ein, zwei Stunden wach, finstere Zukunftsgedanken umkreisen mich, vor denen ich mich standhaft zu wehren suche. Gegen sechs Uhr schlafe ich meist wieder ein. Gerade dann wird Paul hellwach und ich werde erneut aus dem kurzen Schlaf gerissen.

Wie schrieb ich einmal in dieses Tagebuch: Dankbarkeit ist die Leiter aus dem Loch der Depression.

Ja, wenn ich mal wieder unten bin, sei es wegen einer kniffligen Situation, sei es aus Müdigkeit, weil es mir an erholsamem Schlaf mangelt, oder aus einem Einsamkeitsgefühl heraus ...

Dann fange ich an zu danken, dass wir noch zusammen sein dürfen, dass wir hier wohnen, ich danke für alles, was Paul hier im Haus geleistet hat. Ich denke an die guten Jahre zurück. Dann erfüllt mich neue Kraft, neuer Mut. Das ist meine Zuversicht. Ich will vertrauen, dass ich durchhalten kann und weiter Paul hier pflegen kann.

Dann das: Margot arbeitet noch in der Lagerhalle für Hilfsgüter. Da bemerke ich, dass Paul hinausgegangen ist. Er wird wohl zu ihr gehen. Da es länger dauert, schaue ich nach, er könnte ja unterwegs umgefallen sein. Dauernd ist Unruhe in mir, wenn ich ihn nicht um mich habe.

Da höre ich wie der Schlüssel von aussen gedreht wird. Paul tritt ein, mit Jacke und Mütze bekleidet. Er war gar nicht bei Margret! «Wo warst du? Bei Margret?»

«Nein, dort… », er kann sich nicht erklären, zeigt in Richtung Dorf.

«Beim Briefkasten?»

«Ja. Die … die zwei … vorhin, hier ... sagten, … aber waren nicht dort, … schon weg».

Mir grauts. Wahnvorstellungen. Er hat Jacke und Schuhe angezogen und die Wohnung verlassen! Und ich habe es nicht mal bemerkt! Ich habe Angst. Es ist unheimlich. Was geht in ihm vor?

Eben noch sass er am Fernseher auf der Couch, ging auf die Toilette, dann in die Küche, ich hatte keine Ahnung, dass er sich ankleidete und auf die Strasse hinausging, er, der sonst nicht zu bewegen ist mit mir auch nur einen Schritt zu machen.

Vorher hatte er noch grosse Mühe bekundet von der Couch aufzustehen, beklagte sich, dass ihn die Knie schmerzten, er kaum gehen konnte.

Und nun das! Mögliches wird unmöglich, Unmögliches möglich. Was soll noch werden?

Nun schläft er wieder sitzend auf der Couch. Ich darf nicht vergessen, ihm die Schlüssel abzunehmen, auch die in seiner Hosentasche muss ich ihm klauen, sobald er im Bett und eingeschlafen ist. 

Ich bin nicht nur voller Kummer, ich muss gegen eine grosse Traurigkeit kämpfen. Wie kann ich ihn genügend schützen? Darf ich ihn keinen Augenblick mehr allein lassen?

Es gibt dafür erklärende Worte: Unzurechnungsfähig, unberechenbar. Verwirrt scheint mir dafür viel zu milde. Ach, wie einsam man sich neben einem solch kranken Menschen fühlt! Er ist da und ich bin doch allein.

11. Dezember 2010 – Wundes Herz

Sechs Uhr dreissig. Ich erwache, wieder eine Nacht gut durchgestanden. Er liegt da, ganz still auf dem Rücken. Er ist wach. Sonst würde er schnarchen. Diese Nacht lag ich wieder lange wach. Sein abendlicher Ausflug beschäftigte mich.

Soll ich doch um einen neuen Termin bitten in der Memory Klinik?

Ich bräuchte Begleitung. Doch halt, unser Hausarzt ist mir keine Stütze. Er denkt immer nur an die Kosten.

Schon ein Gespräch mit einer kompetenten Fachperson würde mir Hilfe sein. Auch bräuchte Paul wieder einmal eine Blutuntersuchung. Man kann doch nicht einfach Monate lang Medikamente verabreichen ohne Kontrolle! Das würden sie in der Memory Klinik auch gleich besorgen.

«Hallo, bist du auch schon wach?» ich streiche ihm sanft über den Arm. Ein brummiges «Ja». Auf mein «Guten Morgen Pappeli» reagiert er nicht. Ich wiederhole es zwei-, dreimal. Keine Antwort. Das ist recht aussergewöhnlich. Ein «guten Morgen» kommt doch meistens zurück.

Er steht auf, geht ganz langsam, zögerlich, unsicher in Richtung Badzimmer. Alle paar Schritte bleibt er stehen, schaut sich um. Ich ziehe mich an, gehe Kaffee machen. Wie er in die Küche kommt, schaut er sich wieder verwundert um.

«Das sieht hier aus…. sieht aus … fast … wie zuhause», meint er schliesslich.

Er hält sich zurück, als ich ihm den Morgenkuss geben will. Dann endlich lässt er es zu, wirkt aber abwesend. Ich umarme ihn, drücke ihn fest an mich. Er schüttelt den Kopf, setzt sich an den Tisch. Leichte Zuckungen verraten mir, dass er innerlich aufgewühlt ist.

Ach, das Wetter ist wohl wieder mal Schuld, Biese oder was auch immer, der angekündigte Schnee vielleicht. Oder er lag schon längere Zeit wach und hat sich nicht zurecht gefunden. Die grosse Verwirrung von gestern Abend scheint sich nicht gelegt zu haben.

Nun darf ich keine Fragen mehr stellen, er muss zu sich selbst finden. Jede kleinste Aufregung kann einen epileptischen Anfall auslösen, jede Frage ihn aus seinen Überlegungen reissen, ihn noch mehr verwirren.

Traurigkeit befällt mich wieder. Ich rapple mich auf, freue mich am selbstgebackenen Brot, an der feinen Aprikosenkonfitüre, die ich so mag.

Mein Herz tut weh. Diese Not ansehen zu müssen, diese Hilflosigkeit. Nicht mal mehr meine Gegenwart kann ihm Sicherheit und Geborgenheit bieten.

Langsam beruhigt er sich. Sein Blick ist klarer, er geht die Zeitung holen auf meine Bitte hin, es fühlt sich etwas an wie Normalität, als auch er in der Zeitung blättert. «Hilfst du mir mit den leeren Flaschen?»
Das versteht er, ich zeige ihm die Tasche mit den Flaschen. Ich wage es heute nicht, ihn allein zu lassen.

Endlich lenkt er ein und zieht auf mein Geheiss die Schuhe an. Ich muss ihm mit der Jacke helfen. Das alles ging gestern Abend schnell, ohne Mühe, ohne meine Hilfe! Welche Kräfte diese Momente der totalen Verwirrung freisetzen, wenn er sich davonmacht, auf einen unbekannten, inneren Drang hin.

Heute geht alles wie in Zeitlupe. Ich werde gefordert. Auch im Coop, nachdem er die leeren Flaschen eingeworfen hat, kommt er mit dem Einkaufswagen hinter mir her, erteilt Ratschläge wie ich die Ware einordnen soll, alles nach seinen Vorstellungen. An der Kasse, wie gewohnt alles besser machen wollend, steht er mir im Weg. Alles geht so langsam und ich bin entnervt, obwohl mir das nicht anzusehen ist.

Die Frau an der Kasse schaut ihm verwundert zu, schaut mich fragend an. Es ist mir peinlich, sie hört sein stammelndes Fragen, bemerkt sein linkisches Benehmen mit der Einkaufstasche.

Ich erkläre ihr, dass er an Alzheimer erkrankt ist und wie traurig das ist. Sie scheint zu verstehen, und ich bedanke mich dafür.

Und es tut wieder mal unsäglich weh, der Gedanke, dass Paul mir noch vor vier Jahren die Einkäufe selbst besorgt hat. In solchen Situationen bin ich mit den Gefühlen am Ende, muss die Tränen zurückhalten, das Herz ist so wund. Ich sehne mich nach Normalität, nach Gedankenaustausch, möchte so gerne meinen Alltag mit einem Menschen teilen können.

Zuhause will er die Tasche auspacken, das will ich aber selbst machen, sonst verstaut er die Einkäufe irgendwohin. Da muss ich mich durchsetzen, das ist meine Sache. Ich leite ihn an, wohin mit dem WC-Papier, mit den Knapper Sachen, so ist er dennoch zufrieden und kann helfen.

Das möchte er ja gern. Behilflich sein. Das war immer seine Art, früher auch, mit all den Schreinerarbeiten, es gab immer etwas zu tun in der Werkstatt. Um ein Gestell zu machen oder wenn eine Türe klemmte war er stets zur Stelle, für die Nachbarn war er immer bereit zu flicken, zu reparieren, zu helfen.

Nachmittags besuchten wir Hedi im Betagten Zentrum Laupen. Es war so schönes Wetter, ich wollte nicht, dass Paul auch noch den Nachmittag schlafend auf der Couch verbringt. Eine kleine Ausfahrt durch den Forst ist auch für ihn meistens beruhigend, der Wald ist märchenhaft schön.

Er sitzt im Café mit Hedi und mir. Sagt nichts, geniesst seinen Nussgipfel, den Süssmost. Nichts deutet auf Probleme hin. Die Rückfahrt auch ohne Auffälligkeit, wir reden über die schöne Aussicht auf den Chasseral, dann auf die Freiburger Alpen, er stimmt mir zu, scheint sehr zufrieden.

Es ist Abend geworden. Vorhin ging er einfach nach draussen, ohne Jacke, es ist ja schon finster, er hatte keinen Grund angegeben.

Na, soll er doch hinausgehen. Ich kann ihn nicht halten. Ist mir in diesem Moment ehrlich gesagt auch egal. Soll ich ihn anbinden?

Hinter sich hat er mit dem Schlüssel abgeschlossen.

Nach zehn Minuten kommt er zurück, ich wollte soeben nachschauen gehen und öffne mit dem Schlüssel. Er kommt herein und schreit mich an: «Was fällt ihnen ein, woher nehmen Sie diese Schlüssel, Sie haben kein Recht dazu, geben Sie mir sofort diese Schlüssel!»

Seufzer, Beklemmung, Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Panik …

Nun sitzen wir vor dem Fernseher. Hoffte, er beruhige sich. Doch nichts scheint ihn zu besänftigen. Ich bin erschöpft, ausgelaugt, traurig, wund, gereizt. Unruhig geht Paul von einem Raum zum nächsten, geht sogar in den Lagerraum nachsehen, ob der Camion zum Laden der Hilfsgüter auch wirklich da ist.

Er sucht wieder einmal die «Anderen», ich nehme es nicht zu ernst, habe mich schon fast daran gewöhnt. Doch diesmal hakt er nach, lässt auch nicht locker wegen dem Essen. Nein, er sucht die «Anderen», fragt immer wieder, ob es denn genug zu essen habe für alle. Ich erkläre ihm mit viel Geduld und deutlich, dass nur wir beide hier seien.

Ach, wie viele geduldige Erklärungen sind nötig, wie viel Aufwand, bis wir endlich am Tisch sitzen. Wer kann nachfühlen, wie das an die Substanz geht und zehrt? Ich bin auch müde vom Tag, habe Kopfschmerzen, auch die Gespräche mit Hedi haben mich sehr ermüdet. Sie hört so schlecht, man muss ganz langsam und deutlich mit ihr sprechen.

Und dann noch die Medikamenten-Szene. «Abend heisst doch zum Abendessen?» Nein, die nehme er um sieben Uhr. Nicht zum Essen.

Heute nervt mich alles. Wenn Paul jeweils lieb am Tisch sitzt und sich still die Gespräche der Besucher anhört, kann sich keiner dieser netten Menschen vorstellen, dass er derart auf die Nerven gehen kann. (Fortsetzung folgt ...)

 

erschienen: 05.12.2018

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