Misshandlung

Gewalt geschieht vor allem zu Hause

Betreuende Angehörige von alten Menschen werden manchmal aus Überforderung gewalttätig.
Betreuende Angehörige von alten Menschen werden manchmal aus Überforderung gewalttätig. Bild PD

Jährlich sind in der Schweiz 300'000 alte Menschen Gewalt ausgesetzt. Die Anlaufstelle «Alter ohne Gewalt» will informieren, vernetzen, aufdecken und bekämpfen.

Von Alter ohne Gewalt

«Demütigung, Beschimpfungen, Schläge – Gewalt an älteren Menschen ist eine Realität. Heute müssen wir hinschauen, um den älteren Menschen und den Pflegenden gesellschaftlich die Unterstützung zu geben, die sie beide für eine Pflege in Würde brauchen.»

Dies sagte Bea Heim zur Eröffnung des Symposiums «Alter ohne Gewalt», das Ende Januar in Fribourg stattfand. Heim ist Ko-Präsidentin des Schweizerischen Seniorenrates und der Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfe-Organisationen der Schweiz.

Die Misshandlung älterer Menschen findet am häufigsten zu Hause statt und wird von Familienmitgliedern (Ehepartner oder erwachsene Kinder) begangen, erinnerte Delphine Roulet Schwab, Präsidentin von alter ego. Trotz des Fehlens nationaler Statistiken wird – durch Aufrechnen von Studien aus Europa – geschätzt, dass in der Schweiz jedes Jahr 300'000 Senioren einer Situation der Gewalt gegen sie ausgesetzt sind. Im Jahr 2019 hat die nationale Anlaufstelle «Alter ohne Gewalt» über 200 Anrufe erhalten.

Psychologische Misshandlung und Vernachlässigung wurden am häufigsten gemeldet.

Die Überalterung der Bevölkerung und der Wunsch von 83 Prozent der Senioren, so lange wie möglich zu Hause gepflegt zu werden, führen zu immer komplexeren Situationen zu Hause. Sechs von zehn alten Menschen werden heute in der Schweiz zu Hause gepflegt. In immer kleineren Familien stehen die Betreuenden unter grossem Druck.

Pflegende Angehörige unterstützen

Ruth Mettler Ernst, Geschäftsleiterin der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter UBA, stellte die von ihrer Organisation entwickelten Projekte zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen vor. Insbesondere die Vermittlerrolle, welche die UBA in Konfliktsituationen, die aus belastenden Pflegesituationen entstehen können, anbietet.

Die Teilnehmer des Symposiums in Fribourg.
Die Teilnehmer des Symposiums in Fribourg. Bild PD

Um Missbrauch zu verhindern, muss er nicht nur erkannt, sondern auch charakterisiert werden. Die Verhinderung von Situationen der Misshandlung älterer Menschen erfordert daher Information und Ausbildung, wie sie in der Westschweiz vom Verein alter ego entwickelt wurden.

Ihr Koordinator, Jörg Rickenmann, stellte www.portailmaltraitancedesaines.ch vor, eine kostenlose Website, die französischsprachige und internationale Dokumente zum Thema Missbrauch älterer Menschen zusammenführt.

Koordinierung der Akteure

Zu den Ergebnissen und Möglichkeiten, die im Laufe des Tages diskutiert wurden, gehört die Koordination zwischen den Akteuren. Der Direktor von Pro Senectute Ticino, Gabriele Fattorini, stellte den «Dienst für Prävention und Qualitätsförderung» vor, der die zuständigen Tessiner Behörden, die Polizei, die Pflegedienste und die Verbände zusammenführt, um Misshandlungen älterer Menschen zu verhindern, aufzudecken und zu bekämpfen.

Hier gehts zum Beitrag über die Plattform «Alter ohne Gewalt»

Alter ohne Gewalt

Anlaufstelle für Misshandelte

Die Schweiz bleibt von diesem Phänomen nicht verschont, und ein Handeln wird nur möglich sein, wenn die Akteure zusammengeführt werden. Die nationale Plattform «Alter ohne Gewalt» arbeitet daran und der Erfolg des ersten nationalen Fachsymposiums am Dienstag in Fribourg bestätigt, dass diese Aktion die Erwartungen vor Ort erfüllt.

Das im April 2019 lancierte Portal «Alter ohne Gewalt» ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den drei Hauptakteuren, die auf die Prävention von Misshandlungen alter Menschen in der Schweiz spezialisiert sind: Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) in der Deutschschweiz; Pro Senectute Ticino und Moesano im Tessin; alter ego in der Romandie. Eine nationale Telefonleitung (0848 00 13 13) bietet Zugang zu Spezialisten dieser Organisationen und ermöglicht es den Menschen, schnell Hilfe und Rat zu erhalten.

erschienen: 11.02.2020

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