Demenz am Arbeitsplatz

Arbeiten ist auch mit Demenz möglich

In einem sensibilisierten Team können sich auch Menschen mit Demenz nützlich machen.
In einem sensibilisierten Team können sich auch Menschen mit Demenz nützlich machen. Bild Shutterstock

Symptome einer Frühdemenz zeigen sich auch am Arbeitsplatz. Sie können zu Unsicherheiten und ungemessenen Reaktionen führen. Eine Broschüre von Alzheimer Schweiz zeigt auf, wie demenzfreundliche Kollegen und Arbeitgeber funktionieren.

Von Alzheimer Schweiz

Auch jüngere Personen können an Demenz erkranken. Diese stehen meist noch im Arbeitsleben. Weil noch wenig bekannt ist, dass Demenz auch jüngere Menschen treffen kann, ist die Diagnosestellung meist schwierig und langwierig. Fehldiagnosen wie Depression oder Burnout sind häufig.

Betroffene durchlaufen einen schwierigen und oft schmerzhaften Prozess, bis sie endlich Klarheit darüber haben, was mit ihnen los ist. Dabei werden Auffälligkeiten oft schon früh von Arbeitskolleginnen und -kollegen oder von den Vorgesetzten entdeckt.


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Aber diesen gelingt es ebenso wenig wie den Menschen mit Demenz, ihre Beobachtungen richtig einzuordnen. Dies führt zu Unsicherheiten auf beiden Seiten und erhöht die Wahrscheinlichkeit von unangemessenen Reaktionen.

Frau Schneider, 53 Jahre: «Ich war in einer unteren Kaderposition tätig und hatte immer mehr Mühe, Termine einzuhalten und meine Arbeit zu planen. Die Ursachen für meine Schwierigkeiten wurden nie richtig abgeklärt, da man an ein Burnout oder eine Depression dachte. Überfordert von der Situation und zugleich ohne externe Unterstützung, reichte ich die Kündigung ein. Damit fiel ich aber zwischen die Maschen der Sozialversicherungen: Ich erhielt weder eine Lohnfortzahlung noch Arbeitslosengeld und auch (noch) keine IV-Rente. In der Folge hatte ich grosse finanzielle Schwierigkeiten, die sich zu den schon bestehenden anderen Problemen gesellten.»

Mögliche Auswirkungen einer Demenzerkrankung auf die Arbeitsfähigkeit

  • Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses (Aufgaben vergessen, mit denen man beauftragt wurde, Dinge nicht wiederfinden),
  • Schwierigkeiten beim Verständnis und bei der Planung von Abläufen,
  • Mühe, logische Schlussfolgerungen zu ziehen,
  • Schwierigkeiten, das Funktionieren von Geräten zu verstehen und neue Dinge zu erlernen (z. B. am Computer),
  • grösserer Zeitbedarf zur Erledigung von Aufgaben,
  • rasche Ermüdung, Schwankungen der Tagesform,
  • punktuell fehlende Aufnahmefähigkeit und Konzentration,
  • Wortfindungsstörungen,
  • Verschlechterung der motorischen Fähigkeiten, mangelnde «Initiative».

Quelle youtube

Herr Schorderet, 61 Jahre: «Nach mehreren Jahrzehnten Berufstätigkeit fiel es mir im ersten Augenblick schwer, wegen der unerwarteten Diagnose Alzheimer mit der Arbeit aufzuhören. Mit der Diagnose wurde ich sozusagen ‹arbeitslos›. Aber letztlich war der Entscheid für mich richtig. Ich war aufgrund der grossen Verantwortung und des Arbeitsdrucks sehr erleichtert, nicht mehr arbeiten zu müssen. Eine neue Tagesstruktur zu finden war nicht schwierig. Zusammen mit meiner Frau bilde ich Blindenführerhunde (Welpen) aus. Täglich zwei grosse Spaziergänge mit integrierten Gehorsamsübungen für die Hunde fordern mich und zeigen mir, dass ich trotz Alzheimer noch etwas sehr Sinnvolles leisten kann.»

Auf die Betroffenen zugehen

  • Haben Angestellte im Alter zwischen 40 und 65 Jahren zunehmend Probleme bei der Erledigung von Aufgaben, vergessen sie Termine oder haben sie Schwierigkeiten, ihre Anliegen zu formulieren, kann dies eventuell auf eine Demenzerkrankung zurückzuführen sein.
  • Suchen Sie das Gespräch mit der Arbeitnehmerin bzw. dem Arbeitnehmer, um die Schwierigkeiten zu thematisieren. Vielleicht braucht es hierzu mehrere Anläufe.
  • Ein guter Ausgangspunkt für die Diskussion kann die Frage sein, ob die betroffene Person selbst Veränderungen an sich bemerkt hat.
  • Die betroffene Person befindet sich in einer äusserst schwierigen Situation. Zeigen Sie Verständnis.
  • Informieren Sie sich auf der Webseite von Alzheimer Schweiz ausführlicher über Demenzkrankheiten oder fragen Sie beim nationalen Alzheimer-Telefon um Rat (auch anonym): www.alz.ch, 058 058 80 00 (8.00–12.00, 13.30–17.00 Uhr).

Eine Demenzerkrankung bedeutet gerade am Anfang nicht den Verlust sämtlicher Fähigkeiten. Es kann durchaus sein, dass die berufstätige Person eine andere Aufgabe weiterhin selbstständig ausführen kann. Demenzkranke Mitarbeitende sollen daher in einer angepassten Form weiterhin berufstätig bleiben können, solange ihr Gesundheitszustand dies zulässt.

Tipps für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber

  • Besprechen Sie als Vorgesetzte bzw. Vorgesetzter oder für den Personalbereich zuständige Fachperson mit der betroffenen Arbeitnehmerin bzw. dem Arbeitnehmer in einer ruhigen Atmosphäre und ohne Zeitdruck die Problembereiche am jetzigen Arbeitsplatz.
  • Definieren Sie gemeinsam, welche Tätigkeiten besonders Mühe machen und welche die betroffene Person noch gerne ausüben möchte und könnte. 
  • Definieren Sie zusammen, welche Massnahmen es am Arbeitsplatz braucht, damit ein Verbleib möglich ist. 
  • Planen Sie mit der erkrankten Person regelmässige Gespräche zur Überprüfung der Aufgabenfelder. Unter Umständen ist es sinnvoll, gemeinsam ein Ziel zu definieren, das man noch erreichen möchte (z. B. den Abschluss eines Projekts oder die Weiterbeschäftigung, bis eine Nachfolge gefunden ist).
  • Besprechen Sie mit der betroffenen Person, auf welche Weise die Arbeitskolleginnen und -kollegen informiert werden sollen.

Der Weg zu einem demenzfreundlichen Unternehmen 

Nicht jede Arbeitgeberin bzw. jeder Arbeitgeber wird konkret mit der Situation eines demenzerkrankten Mit- arbeitenden konfrontiert sein. Es sollte aber für jedes Unternehmen ein Ziel sein, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem das Thema Demenz kein Tabu ist, (auch) Betroffene sich respektiert fühlen und die Möglichkeit haben, im Betrieb zu partizipieren.

Gibt es in Ihrem persönlichen Umfeld oder im Unternehmen einen an Demenz erkrankten Menschen, kann dies Anlass sein, das Thema Demenz am Arbeitsplatz aufzugreifen und innerhalb des Betriebs bekanntzumachen. Gerne unterstützen wir Sie dabei mit fachlicher Information oder mit einem Vortrag an einer Mitarbeitendenveranstaltung.

Wichtig: Nicht alle Menschen mit einer Demenzerkrankung haben den Wunsch, weiterhin im Arbeitsleben zu bleiben. Sie möchten vielleicht die Gelegenheit nutzen, Pläne umzusetzen, die sie eigentlich später realisieren wollten. Oder sie haben die Kraft nicht mehr, um etwa einen längeren Arbeitsweg auf sich zu nehmen. Diese Wünsche sind auf jeden Fall zu respektieren.

Herr Oppliger, 58 Jahre: «Ich war Abteilungsleiter beim kantonalen Verkehrs- amt. Die Diagnose habe ich mit 53 Jahren bekommen. Das war für mich zuerst ein grosser Schock. Nach der Diagnose habe ich zusammen mit den Personalver- antwortlichen definiert, welche Aufgaben ich weiter- hin ausführen könnte, um einerseits meine bestehen- den Fähigkeiten noch einsetzen zu können, anderer- seits nicht mehr dem Stress ausgesetzt zu sein, den ich in meiner Kaderposition oft hatte. Da ich Zahlen liebe, wollte ich gerne in der Buchhaltung arbeiten. Dort bin ich heute noch beschäftigt, allerdings ohne Lohn. Ich beziehe heute eine volle IV-Rente. Dank des Entgegenkommens des Arbeitgebers konnte ich im Ar- beitsleben verbleiben und behielt so auch meine so- zialen Kontakte. Ich lebe heute bewusst und geniesse jeden guten Augenblick.»

Werden Sie ein demenzfreundlicher Arbeitgeber!

Sorgen Sie dafür, dass ...

  • ... alle Mitarbeitenden im Betrieb für das Thema Demenz sensibilisiert und auch über die Auswirkungen der Erkrankung informiert sind;
  • ... die Betroffenen weiterhin in den Betrieb integriert bleiben, Unterstützung erhalten durch Kolleginnen und Kollegen, dass die Erkrankten und ihre Familien sich verstanden fühlen und es wagen, um Unterstützung zu fragen;
  • ... in Ihrem Betrieb aufgrund der gemachten Erfahrungen neben der fachlichen Kompetenz auch soziale Kompetenzen erworben werden.

erschienen: 30.09.2020

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