Vernetzt im Alter

Mehr Rückhalt für betreuende Angehörige

Jährlich werden in der Gemeinde Bassersdorf 22'000 Stunden Angehörigenpflege geleistet.
Jährlich werden in der Gemeinde Bassersdorf 22'000 Stunden Angehörigenpflege geleistet. Bild Daniel Kellenberger

In Bassersdorf im Kanton Zürich können sich pflegende und betreuende Angehörige neu an eine Anlaufstelle wenden und in einer Gesprächsgruppe mitmachen. Daneben ergreift die Gemeinde weitere Massnahmen, damit ältere Menschen zu Hause bleiben können.

Von Programm Socius

«Bassersdorf vernetzt im Alter», kurz «BasiviA»: unter diesem Titel nahm die Gemeinde Bassersdorf am Programm Socius teil. Die mittelgrosse Agglomerationsgemeinde im Dreieck zwischen Zürich, Winterthur und dem Flughafen Kloten setzt sich in ihrer Altersstrategie zum Ziel, dass ältere Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können.

Dies soll unter anderem durch die Unterstützung pflegender und betreuender Angehöriger erreicht werden. Jährlich werden in Bassersdorf 22‘000 Stunden Angehörigenpflege erbracht, wie eine wissenschaftlich betreute Umfrage im Auftrag der Gemeinde ergab.

Den finanziellen Gegenwert dieser gratis geleisteten Arbeit beziffern die Forscher der Fachhochschule St. Gallen auf rund eine halbe Million Franken jährlich. So viel würde es also zusätzlich kosten, wenn sich nicht Töchter, Söhne, Ehefrauen, Lebenspartner und weitere Angehörige kümmern würden.

Nachbarschaftshilfe und Begleitung

Lokale Entlastungs- und Unterstützungsangebote wie Tages- und Nachtplätze im Pflegezentrum, Besuchsdienste, Nachbarschaftshilfe und seelsorgerische Begleitung sind in Bassersdorf zwar vorhanden, wurden bis dahin aber kaum genutzt. Die Dienstleistungen waren den Angehörigen nicht bekannt, oder die Betreuten selbst wollten keine fremde Hilfe annehmen, wie die Befragung weiter aufzeigte.

Mit Blick auf die wissenschaftlichen Befunde erarbeitete das «BasiviA»-Projektteam ein Massnahmenpaket. Neben der Altersbeauftragten der Gemeinde waren die Spitex, das Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit, die Landeskirchen und Pro Senectute beteiligt.

Video: Das «BasiviA»-Projekt kurz vorgestellt


Quelle Vimeo

Der Bassersdorfer Gemeinderat, die Exekutive, genehmigte das Konzept im Frühling 2017. Seither steht die gemeindeeigene Fachstelle für Altersfragen pflegenden und betreuenden Angehörigen als erste Anlaufadresse zur Verfügung.

Im Herbst 2018 verstärkte die Gemeinde die Fachstelle personell, indem sie zusätzlich eine Pflegekoordinatorin anstellte. Zu deren Aufgaben gehört es, Menschen mit chronischen Erkrankungen und ihren Angehörigen die passenden ambulanten Dienste zu vermitteln und diese zu koordinieren.

Schulung und Selbsthilfegruppe

Weiter führte die Gemeinde eine Schulung für pflegende Angehörige durch und rief eine Selbsthilfegruppe für sie ins Leben. Auch die Information wurde verbessert. Ein neuer Wegweiser gibt Auskunft über lokale Unterstützungsangebote rund ums Alter. Alle Seniorinnen und Senioren 80+ erhielten sie zugestellt. Eine weitere Broschüre erklärt die Pflegefinanzierung in verständlicher Form. Nicht zuletzt subventioniert die Gemeinde das Angebot der Tages- und Nachtklinik höher, was Betroffene auch finanziell entlastet.

Die Gemeinde sei im Umgang mit dem demografischen Wandel vorangekommen, bilanziert die Projektleitung. Zu den Erfolgsfaktoren zählt sie den klaren politischen Auftrag und den Austausch mit der Bevölkerung. Immer wieder orientierten die Verantwortlichen an stets gut besuchten Anlässen und bezogen die älteren Menschen in Gruppenarbeiten ein. Mit den lokal tätigen Institutionen des Alters- und Gesundheitsbereichs bleibt die Gemeinde auch fortan im Gespräch: Der Runde Tisch Alter trifft sich weiterhin regelmässig.

Die Age-Stiftung

Die Age-Stiftung mit Sitz in Zürich setzt sich dafür ein, die gesellschaftliche Wahrnehmung des Themas Wohnen und Altern zu entwickeln und zu schärfen. Ihr Kerngeschäft ist die Projektförderung, für die zweimal jährlich Anträge eingereicht werden können. Pro Jahr werden in diesen Bereich rund drei Millionen Franken investiert. Mit den Förderbeiträgen unterstützt die Stiftung innovative und konkrete Lösungsansätze, die auch dazu dienen, Wissen zu generieren und Erkenntnisse zu multiplizieren. Neben der Projektförderung lancierte die Age-Stiftung 2014 erstmals das Programm Socius. Die Projektgruppen erhalten je 140‘000 Franken plus Anschluss an Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch. alzheimer.ch stellt die verschiedenen Socius Projekte in einer Reihe von Beiträgen vor und hofft, damit andere Institutionen und Personen zu ähnlichen Vorhaben zu inspirieren.

erschienen: 30.06.2019

Kommentare