Vorzeigeprojekt

Alles unter einem Dach

Blick ins luzernische Seetal. Das Pilotprojekt «Drehscheibe 65plus Seetal» ist für Pensionierte da, die eine Orientierungshilfe brauchen.
Blick ins luzernische Seetal. Das Pilotprojekt «Drehscheibe 65plus Seetal» ist für Pensionierte da, die eine Orientierungshilfe brauchen. Bild Seetaltourismus

Im Luzerner Seetal haben sich elf Gemeinden mit der Pro Senectute zusammengetan, um älteren Menschen Informationen und Dienstleistungen einfacher zugänglich zu machen. Das Projekt ist auf gutem Weg.

Von Petra Schanz

Das Rentenalter ist bereits erreicht. Man lebt zu Hause und geniesst den Ruhestand zu zweit. Doch dann die Nachricht: Der Partner erkrankt an Demenz. Man möchte mehr Informationen haben. Man möchte sich mit anderen austauschen. Man hat unzählige Fragen. Wie sieht die Zukunft aus? Wo kann man sich Unterstützung holen? Werden die Finanzen reichen? Wie sieht das rechtlich aus?

Informationen und Dienstleistungen, die sich Menschen im Rentenalter zuvor an unterschiedlichen Stellen zusammensuchen mussten, sind im Luzerner Seetal seit September 2016 konzentriert an einer Stelle zu finden. Das Projekt «Drehscheibe 65plus Seetal» ist Teil des grösseren Gesellschaftsprojekts «Luzerner Modell 65plus» der Pro Senectute Kanton Luzern.

Projektleiter Stefan Brändlin, ehemaliger Geschaftsführer von Pro Senectute Kanton Luzern.
Projektleiter Stefan Brändlin, ehemaliger Geschaftsführer von Pro Senectute Kanton Luzern. Bild PD

Dieses Mantelprojekt hat zum Ziel, Menschen im Rentenalter sozial abzusichern, ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten und ihre Ressourcen für die Gemeinschaft nutzbar zu machen.

«Eines der Ergebnisziele sind Modelle für regionale Altersdrehscheiben», sagt Projektleiter Stefan Brändlin. Solche Drehscheiben gibt es inzwischen in drei Regionen: Das Seetal mit 11 beteiligten Gemeinden sowie das Rontal und die Region Sursee mit jeweils sechs Gemeinden.

Die Konzepte sind sich ähnlich – man möchte das Rad nicht überall neu erfinden und vorhandene Synergien nutzen.

«Mitte dieses Jahres entscheiden die Gemeinden, in deren Auftrag die drei Drehscheiben-Projekte laufen, ob diese auf Anfang 2019 in einen ordentlichen Betrieb übergeführt werden», so Brändlin.

Die Kosten hat man im Griff: Gerade mal 33 Rappen pro Einwohner und Jahr kostet die Gemeinden in der Region Seetal die Drehscheibe. Bund, Kanton, Wirtschaft, Stiftungen und Private unterstützen das Projekt ebenfalls.

Wichtiges Angebot im Bereich Demenz

Das Angebot im Bereich Demenz, in welchem die «Drehscheibe» mit der Luzerner Infostelle Demenz zusammenarbeitet, ist bereits ausgebaut worden. Wo Anfragen aus der Region bisher nur telefonisch abgewickelt werden konnten, steht seit Anfang Jahr eine Person zur Verfügung, die vor Ort in den Lebensräumen der Betroffenen Beratungen anbietet.

«Seither hat die Zahl der Anfragen zugenommen», sagt Stefan Brändlin. Gerade im Bereich Demenz komme es sehr oft vor, dass die Leute eigentlich aus einem anderen Grund anriefen.

«Vordergründig geht es um finanzielle Probleme oder um Fragen im Zusammenhang mit dem Wohnen oder der Spitex, doch dahinter verbirgt sich oft eine Demenzerkrankung», sagt der Projektleiter. Deshalb sei der 8. Platz auf der Liste der Themenbereiche (siehe Infobox) mit Vorsicht zu geniessen. 

Häufigkeit telefonischer Anfragen

nach Themenbereich
1. Betreuung, Spitex, Heimeintritte
2. Finanzielle Beratung
3. Allgemeine Dienstleistungen wie Mittagstische, Hilfsmittel oder Geräte
4. Rechtliche Beratung
5. Freiwilligenarbeit
6. Fragen zu Vorsorgedokumenten
7. Veranstaltungen und Kurse
8. Demenz
9. Wohnen
10. Todesfall
11. Fragen zur Prävention wie Sturzprophylaxe
12. Andere

Auch insgesamt hätte sich die Zahl der Anfragen an die Drehscheibe 65plus Seetal erhöht, denn Anfang dieses Jahres habe man den Kommunikationsansatz stark verändert, um die Drehscheiben noch bekannter zu machen. «Wir kommunizieren auf sämtlichen Kanälen einfacher und kürzer, um länger in den Köpfen zu bleiben.»

Daneben will man einzelne Themen hervorheben und personalisierter auftreten. «Die Angebote werden noch niederschwelliger, wenn man bereits weiss, welches Gesicht einen erwartet», begründet er.

Die Taktik scheint zu aufzugehen. So hat es in den ersten acht Wochen des neuen Jahres bereits 25 Anrufe in der Region Seetal gegeben, während es im gesamten letzten Jahr erst gut 100 waren. Eine Steigerung, die Projektleiter Brändlin freut.

Es gelte nun, die Details noch genauer zu analysieren. Es reiche nicht, nur die Zahl der Pensionierten  zu eruieren: «Die einen sind fit und gesund mit dem Camper in Andalusien unterwegs und brauchen uns nicht, andere gehen mit ihrem Anliegen direkt auf die Pro Senectute, die Spitex oder die Alzheimervereinigung zu.»

Ihre Zielgruppe hingegen sind Einwohner, die eine Orientierungshilfe brauchen. «Bei diesen Menschen scheinen die Drehscheiben zu funktionieren und zu erfüllen, was sie versprechen», sagt Stefan Brändlin.

 

Von der Sozialberatung bis zum Freiwilligeneinsatz

Wer also in der Region Seetal eine Frage rund ums Älterwerden hat, ruft die Telefonnummer 041 910 10 70 an. Dort erhält man unkompliziert Zugang zu sämtlichen Angeboten der «Drehscheibe 65plus»:

  • telefonische Informations-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (Informationen zu Alter, Demenz, finanzieller Unterstützung, Wohnen etc.)
  • Sozialberatung (Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von Pro Senectute Kanton Luzern beraten in schwierigen Lebenssituationen, bei Beziehungsproblemen, finanziellen Themen, Fragen rund ums Wohnen, Vermittlung von Dienstleistungen wie Spitex, Reinigung etc.; über die Drehscheibe 65plus erhalten Sie einen Termin in Hochdorf oder Hitzkirch)
  • Finanzielle Unterstützungsleistungen (in finanziellen Notlagen erhalten Sie eine unentgeltliche Beratung und finanzielle Hilfe in Hochdorf oder Hitzkirch)
  • Unentgeltliche Rechtsauskunft (in Hochdorf beraten fünf Anwälte Menschen im Rentenalter in Rechtsfragen)
  • Gesprächsgruppe für Angehörige Demenzbetroffener (Angehörigengruppen der Alzheimervereinigung Luzern und Pro Senectute Kanton Luzern treffen sich einmal pro Monat in Hochdorf zum Austausch)
  • Demenzberatung (qualifizierte Fachleute informieren in Hochdorf)
  • Beratung und Vermittlung Freiwilligenarbeit (Vermittlung von interessierten Senioren für passende Freiwilligen-Einsätze wie zum Beispiel im Klassenzimmer, bei Fahr- oder Besuchsdiensten oder in Integrationsprojekten mit Familien)
  • Weitere Dienstleistungen von regionalen und überregionalen Anbietern werden von der Drehscheibe direkt vermittelt.

Drehscheibe 65plus Seetal

info@seetal65plus.ch

041 910 10 70

 

erschienen: 16.03.2018

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