Tipps

Zwölf Lifehacks für den Alltag mit Demenz

Das taktile Empfinden beim Nesteln stärkt die Selbstwahrnehmung von Menschen mit Demenz.
Das taktile Empfinden beim Nesteln stärkt die Selbstwahrnehmung von Menschen mit Demenz. Bild Daniel Kellenberger

Im Alltag mit einer Demenz gibt es Hindernisse und Herausforderungen. Unsere Autorin Peggy Elfmann stellt zwölf Lifehacks vor und berichtet, wie diese den Betreuungs- und Pflegealltag mit ihrer Mutter erleichtern.

Von Peggy Elfmann

1. Farbige Stufenkanten

Treppengehen ist für viele Menschen mit Demenz schwierig. Das kann mehrere Gründe haben, etwa weil das Sehvermögen oder motorische Fähigkeiten nachlassen. Dazu kommen häufig Wahrnehmungsstörungen. Es fällt dann schwer, räumliche Dimensionen zu erkennen und gerade das ist beim Treppengehen wichtig. Schwierig wird es, wenn der Untergrund kontrastarm ist. Wir haben die Stufenkanten mit Kreide angemalt, um Kontraste zu schaffen und meiner Mama beim Treppengehen zu helfen. Man kann sie auch mit Farbe anmalen, das hält langfristig oder mit farbigem Klebeband arbeiten (für die Stufen im Haus).

2. Zählen beim Treppengehen

Für meine Mama sind Treppen ein echtes Hindernis und manchmal traut sie sich kaum, einen Fuss vor den anderen zu setzen. Eine Person nimmt sie deshalb beim Treppengehen immer an die Hand und geht mit ihr zusammen. Ein Trick, den wir oft anwenden, ist das Zählen. „Eins, zwei, drei…“ sagen wir laut wir beim Treppengehen. Mama zählt dann meist laut mit und geht leichter.

3. Sessel mit abwaschbarem Bezug

Im Badezimmer steht ein gemütlicher grosser Stuhl mit Lehne – und nicht so ein kleiner Hocker, wie das häufig der Fall ist. So kann Mama sich zum Ausziehen entspannt hinsetzen. Über das Polster haben wir einen abwaschbaren Bezug machen lassen, damit nach einem Malheur auch der Stuhl gut gereinigt werden kann.

4. Beschriftungen an den Schränken

Anfangs waren die Beschriftungen an den Schränken für meine Mama, damit sie weiß, was sich in welchem Schrank und welcher Schublade befindet. Mittlerweile erkennt sie das nicht mehr. Die Beschriftungen sind dennoch hilfreich, weil alle Helfer – egal ob für Familienmitglieder, die mal die Betreuung übernehmen oder für den Pflegedienst oder die Haushaltshilfe – so wissen, wo die Dinge liegen und niemand lange suchen muss.

5. Kleine Gläser

Diesen Tipp haben wir von den Pflegerinnen der Tagespflege bekommen: lieber ein kleines Glas benutzen statt einem großen. Wirkt vielleicht auf den ersten Blick wenig geeignet, weil es ja wichtig ist, viel zu trinken. Aber die Praxis hat gezeigt: Mama kann ein kleines Glas viel besser alleine halten als ein großes Glas. Sie trinkt daraus gut alleine. Meist trinkt sie alles selbstständig aus, wenn man ihr ein Glas gereicht hat – und kann es einfach nachfüllen.

6. Tasse mit grossem Henkel

Meine Mama greift von alleine nicht mehr nach ihrer Tasse, aber sie kann sie noch halten, wenn man sie dabei unterstützt. Wichtig ist, dass der Henkel der Tasse gross genug ist, damit sie ihn mit der ganzen Hand umgreifen kann.

7. Geschirr mit rotem Rand

Gute Kontraste sind auch beim Essen wichtig. Ein zu voll gedeckter Tisch mit bunt gemustertem Geschirr und viel Dekoration kann Menschen mit Demenz leicht irritieren. Besser sind einfarbiges Geschirr und möglichst wenig Dekoration. Teller und Tassen mit rotem Rand gelten als besonders gut, da Menschen mit Demenz die Farbe Rot sehr gut erkennen können.

8. Termine auf einen Blick

Im Flur hat mein Bruder ein Board angebracht, das mehrere Funktionen hat: es erinnert an Termine und Aufgaben, zeigt die wichtigsten Ansprechpartner und ist ein netter Hingucker. Auf einem Holzbrett ist die linke Seite mit Magnetfolie beklebt, sodass wir Arzt-, Frisör- und sonstige Termine mit Magnet anbringen können. Auf der rechten Seite hängen Fotos von den Kindern mit den zugehörigen Handynummern. Zudem stehen dort die wichtigsten Ansprechpartner im Hilfenetzwerk meiner Mama.

9. Medikamentenbox für die ganze Woche

Meine Mama nimmt einige Medikamente. Diese jeden Tag zu richten und auf die Einnahme zu achten, ist schon eine kleine Herausforderung. Leichter ist, wenn man einmal pro Woche die Arzneien für die Woche vorbereitet und mein Papa an dem entsprechenden Tag nur die fertige Tagesbox nehmen muss. Praktisch finde ich, dass jeder Tag eine andere Farbe hat.

10. Nesteln und kuscheln

Meine Mama nestelt gerne mit ihren Fingern und mag es, wenn sie Dinge erfühlen kann. Man kann tolle Nesteldecken kaufen oder sich entsprechende Modelle selber nähen oder basteln. Zum Beispiel mit einer kleinen Decke, einem Kissen oder Plüschtier als Basis und dann kann man kreativ werden: Bänder, Bommeln, Schnüre, Knöpfe, Holzperlenketten anbringen. Wichtig ist, dass die Dinge gut befestigt sind.

11. Für unterwegs: Der Euro-WC-Schlüssel

Meine Mama kann nicht mehr alleine auf die Toilette gehen und benötigt dabei Unterstützung. Gerade unterwegs kann das zu einem Problem werden. Einen Zugang zu barrierefreien Toiletten, die gross genug sind, dass man sie zu zweit betreten und beim Toilettengang unterstützen kann, bekommt man mit dem Euro-WC-Schlüssel. Man kann ihn gegen eine geringe einmalige Gebühr beim «Club Behinderter und Ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V.» bestellen.

12. Kärtchen mit Name und Adresse

Es gab eine Phase, da ist meine Mama sehr gerne und viel im Haus umhergegangen – und manchmal hat sie auch das Haus und den Garten verlassen. Meine Eltern wollten ihr Haus aber nicht einzäunen und mein Papa wollte meiner Mama ihre Bewegungsfreiheit lassen. Damit sie nicht verloren geht, haben wir ihr ein Kärtchen mit ihrer Adresse und Papas Telefonnummer in die Tasche gesteckt. Die kann man zum Beispiel bei der Alzheimer-Gesellschaft bestellen oder herunterladen. Der Vorteil: So wissen die anderen auch, dass der Mensch eine Demenz hat.

erschienen: 06.11.2021