Nachgefragt

Was es braucht

Mitarbeitende des Demenzzentrums Sonnweid schildern in kurzen Episoden, wie sie jeden Tag gute Betreuung und Pflege leben und erleben dürfen.

Der Abschied von seinen drei Söhnen war für einen Bewohner jeweils schwierig und traurig. Ich setzte mich mit ihm auf ein Sofa im Gang. Die Söhne liefen den langen Gang entlang und schauten immer wieder zurück. Wir verabschie­deten sie mit Händewellen und Hand­küssen. Der Bewohner lachte und be­dankte sich. Un­sere Be­wohner wünschen sich nette Worte, herz­liche Gesten, authen­tische Be­treuende, eine gute Ton­lage, keine Babysprache oder Bevormundung. 
Rita Blattmann (51), Fachfrau Gesundheit

Eine Bewohnerin war krank und konnte sich kaum mehr bewegen. Als ich sie pflegte, sprach ich mit ihr abwechslungsweise Italienisch und Deutsch. An ihrem Blick erkannte ich, dass sie mich immer verstand. Plötzlich umarmte sie mich ganz fest und sagte «Grazie». Es ist wichtig, dass wir die Bewohner während der Pflege informieren und einbeziehen. Mein Motto sage ich mit den Worten von Patch Adams: «Wenn man eine Krankheitbehandelt, gewinnt oder verliert man. Aber wenn man einen Menschen behandelt, gewinnt man immer.» 
Rocco De Paolis (28), Pflegehilfe SRK

Meine Eltern sind beide über 80 Jahre alt und leben in Indien. Sie sind noch selbstständig, werden aber eines Tages auf Hilfe angewiesen sein. Ich betreue und pflege die Bewohnerinnen und Bewohner auf die Art und Weise, die ich meinen eigenen Eltern wünsche: Mit viel Liebe, Ruhe, Empathie, Verständnis und Kompetenz. Wir müssen alles dafür tun, dass der letzte Lebensabschnitt dieser Menschen schön sein kann. Wir müssen ihre Defizite begleichen und für sie sehen, hören, denken und spüren. 
Sebastine Pulickel (55), Stationsleiter, Fachmann Gesundheit

Manchmal braucht es nur einen kleinen Input von mir, damit die Bewohner etwas selbst machen können. Solche Momente richtig einzuschätzen braucht viel Ein­fühlungsvermögen. Ich darf die mir anvertrauten Menschen nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern. Wenn ich selbst einmal Hilfe brauche, möchte ich ganz einfach als Mensch ernst genommen werden. Ich will jemanden an meiner Seite haben, der mich in den Situationen unterstützt, die ich selbst nicht bewältigen kann. Dazu wünsche ich mir eine gedul­dige und liebe Person. 
Alice Spühler (47), Pflegehilfe

erschienen: 01.05.2018

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